Zinsen gibt es kaum noch - Ratgeber für Sparer zum Thema günstige ZinssätzeDie Zinssätze werden aktuell massiv durch die Geldpolitik, und der Corona Pandemie beeinflusst.
Durch die Währungskrise wird das Geschehen an den Finanzmärkten immer stärker durch die Politik beeinflusst. Dies betrifft neben den Auswirkungen der Geldmengenvermehrung via politische Einflussnahme über die Notenbanken besonders die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld. Direkt und indirekt führen die fiskalischen und geldpolitischen Maßnahmen der politisch Verantwortlichen in der EZB und den einzelnen Ländern, insbesondere Deutschland und Frankreich zu kontinuierlichen Senkungen bei Tagesgeld Zinsen. Boten die Banken Anfang des Jahres 2012 noch 2,75% in der Spitze sind es 2020 nur noch 0,2%. Und alle Prognosen deuten auf weitere Zinsreduktionen hin. Sparer erhalten dadurch niedrigere Zinszahlungen für ihre Ersparnisse.

Unser Ratgeber möchte eine kleine Einführung in die nationale und internationale Zinslandschaft geben.

+=  
NettoMwSt.Brutto
Mehrwertsteuersatz:
516

Die Politik dreht an mehreren Stellschrauben, um die Zinsen zu manipulieren

Verursacht sind die niedrigen Zinsen durch massive Finanzinterventionen und einen sehr niedrigen Leitzinssatz der EZB. Solange die Leitzinsen bei 0% verharren, wird kaum eine Bank die Tagesgeld Zinsen anheben. Ganz im Gegenteil abzusehen sind noch niedrigere Zinsen. Denn die Politik versucht damit die Wirtschaft zu stabilisieren. Die bedeutenden politischen Parteien in Deutschland sind sich sogar weitgehend einig, die Fiskalunion zu akzeptieren. Dadurch würde im Euroraum quasi ein einheitlicher Zinssatz herrschen, egal wie die wirtschaftliche Lage der einzelnen Länder in der Währungsunion sich gestaltet. Sollte es dazu kommen, könnten sogar die Zinsen wieder anziehen.
Darüber hinaus gibt es noch einen für den Sparer evidenten Einfluss der Politik auf die Zinsen, genauer die Fiskalpolitik.

Der Fiskus greift durch die Abgeltungssteuer direkt in die Zinserträge ein. Clevererweise gleich an der Quelle, der Anleger bekommt die kompletten Zinsen für sein Tagesgeld oder Festgeld gar nicht mehr zu Gesicht, sondern nur noch den Teil, den der Staat ihm lässt. Damit manipuliert die Politik die Zinsen und ihre Entwicklung an mehreren Stellschrauben. Inzwischen läuft das Spiel sogar unter Ausschaltung des freien Kapitalmarktes. Anders ausgedrückt gibt der Staat die Bandbreite bei der Zinskurve vor. Dazu kommen inzwischen noch krisenbedingt kurzfristige Ausschläge nach oben oder unten, was die Zinsen für die Bundesanleihen betrifft. Hier spielt die Bonität Deutschland und die Erwartungshaltung eine große Rolle. Die könnte sich als eine Größe im freien Fall erweisen, sollte die Fiskalunion wie bisher geplant realisiert werden.

Notenbanken reagieren mit Zinssenkungen

Mehrere Zentralbanken auf der ganzen Welt, darunter die US-Notenbank, haben die Zinssätze gesenkt, um ihre Volkswirtschaften während des Ausbruchs des Coronavirus zu unterstützen.
Investoren und Ökonomen sagten jedoch, dass es nicht viel Geldpolitik geben kann, um die Weltwirtschaft zu retten – insbesondere wenn einige große Zentralbanken die Zinssätze bereits in den negativen Bereich gesenkt haben.
Eine Reaktion der USA und anderer Regierungen zur Unterstützung der Wirtschaft ist besonders wichtig, wenn die Ausbreitung des Coronavirus zu einer Pandemie wird, sagte Mark Zandi, Chefökonom bei Moody’s Analytics.

Die höchsten Zinsen gibt es bei den Onlinebanken

Wer hohe Zinsen für seine Einlagen erhalten mochte, der kommt auch als Senior-Sparer nicht um das Internet herum. Denn gute Zinsen gibt es fast nie bei der Hausbank vor Ort, sondern nur bei den Onlinebanken. Und bei diesen können Sparer laut der Stiftung Warentest Geld guten Gewissens anlegen, wenn Sie die Einlagensicherung beachten und möglichst nicht mehr als 100.000 Euro auf einmal bei einer Bank anlegen. Leider sind die Zinssätze aber überall seit 2012 rückläufig. Auch bei Direktbanken wie der norisbank, oder auch bei Sparkassen wie der SSKM.

Auf Fremdwährungskonten gibt es bei einigen Währungen höhere Zinsen als bei Einlagen in Euro. Allerdings ist da auch das Risiko höher, da Kursverluste eintreten können und es am Ende weniger Geld zurückgibt als eingezahlt wurde.

Wo Informationen sammeln?

Die Angebote zu Tagegeld und Festgeld variieren von Woche zu Woche. Wo finden sich im Internet hilfreiche Informationen? Natürlich am einfachsten über die Google Suche mit den entsprechenden Suchwörtern. Es gibt etliche, hochwertige Fachportale mit Vergleichen, die vorn in der Suche gelistet sind und die täglich aktualisierten Konditionen der Banken anbieten.

Diese Verbrauchervergleichsportale liefert auch Informationen zu angekündigten Zinsveränderungen, die in den nächsten 4 Wochen zu erwarten sind. Grundlegende Informationen bietet immer auch die Stiftung Warentest in dem monatlich erscheinenden Verbraucherheft Finanztest. Hier werden auch die Banken einem Stresstest unterzogen, ob die Einlagen sicher sind und wie vertrauenswürdig die jeweilige Bank ist. Zinssätze können schnell mit unserem online Prozentrechner berechnet werden.

Tagesgeld oder Festgeld

Die Frage, die fast immer bei einer sicheren Geldanlage im Raum steht, ist: Jetzt in Tagesgeld oder doch lieber in Festgeld investieren. Die Tagesgeld Zinsen sind aktuell natürlich relativ niedrig, dafür besteht auf einem Tagesgeldkonto aber auch keine zeitliche Bindung. Steigen die Zinsen wieder, kann der Anleger an dem Anstieg voll partizipieren. Bei Festgeld ist der Zinssatz dagegen über den Anlagezeitraum fixiert. Viele Fachleute erwarten keinen Zinsanstieg bei den längerfristigen Zinsen, wenn die amerikanische Notenbank die Anleihekäufe in 2020 weiter steigern sollte. Daher sollte momentan vielleicht nicht der ganze zur Verfügung stehende Betrag in Festgeld angelegt werden. Steigen die langfristigen Zinsen im Laufe des Jahres, können dann Gelder vom Tagesgeldkonto auf ein Festgeldkonto umgeschichtet werden.

Lohnen sich Lockangebote

Banken werben bekanntermaßen mit Köderangeboten, um neue Kunden zu bekommen. Lohnen sich solche Angebote für Sparer? Oft geben Banken für neue Kunden bei Tagesgeld besonders attraktive Zinssätze, die aber nur für eine bestimmte Zeit gültig sind. Anschließend erfolgt die Verzinsung meist zu einem weniger lukrativen Zinssatz. Wenn sich der Bankkunde auf die Konditionen einlässt und bereit ist, am Ende der garantierten Zinszeit die Bank zu einem neuen bzw. besseren Anbieter zu wechseln kann mit dieser Strategie durchaus eine höhere Rendite erzielt werden. Online ist der Bank-Wechsel eigentlich kein Problem. Über die Bonität der Bank kann sich der Sparer persönlich per E-Mail auf der Seite des Bankenverbandes die Sicherungsgrenze der neuen Bank abfragen.

Fazit: Im Internet finden Sparer, die nach konservativen Geldanlagen wie Tagesgeld oder Festgeld suchen, alle Informationen um das Kapital sicher und mit entsprechender Rendite anzulegen. Vergleichsportale, Bankenverband und die Stiftung Warentest sind geeignete Anlaufstellen um seriöses und handfestes Hintergrundwissen zu bekommen, dass eine Entscheidung für oder gegen eine Bank entsprechend den persönlichen Präferenzen ermöglicht.

Schuldner profitieren

Die Gewinner der Niedrigzinspolitik sind die Kreditnehmer, meint auch das IFO Institut. Denn nie gab es so günstige Zinsen für Bauherren oder für Konsumentenkredite. Auch der Staat gehört zu den Profiteuren: Die Regierung kann Kredite zu einem niedrigeren Zinssatz vom privaten Sektor aufnehmen, wodurch die Zinskosten für Schulden des öffentlichen Sektors gesenkt werden. Für reale Berechnungen ist unser online Kreditrechner eine kostenlose Informationsquelle.

Literatur

Allianz Research – Auswirkungen der Niedrigzinspolitik auf private Haushalte in der Eurozone

Bundesbank – marktrelevante Zinssätze und Renditen

Bundesfinanzministerium –Festsetzung vorläufige Zinsen

EZB – Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der EZB: Narrative über die Geldpolitik der EZB – Wirklichkeit oder Fiktion?

“Ich werde aufzeigen, dass die derzeitige geldpolitische Ausrichtung der EZB erforderlich ist, um die Preisstabilität im Euroraum nachhaltig zu sichern, und dass der Einsatz „unkonventioneller“ geldpolitischer Instrumente, etwa von negativen Zinsen und Ankaufprogrammen von Staatsanleihen, zu einem großen Teil strukturellen Veränderungen geschuldet ist, die außerhalb der Kontrolle der EZB liegen.”

Zeit Online – Höhere Zinsen sind möglich