Arbeitsagentur, Arge oder Bundesagentur für ArbeitDie Bundesagentur für Arbeit (BA) ist eine staatliche Behörde mit vielen unterschiedlichen Aufgaben. Durch die geschichtliche Entwicklung wird die Arbeitsagentur auch heute noch häufig als Arbeitsamt bezeichnet. Auf der Homepage www.arbeitsagentur.de erklärt die Arbeitsagentur, die bis 2010 auch ARGE genannt wurde, in welchen Bereichen sie den deutschen Bürgern, Unternehmen und Institutionen behilflich ist.

Jobcenter vormals ARGE

Hilfesuchende können sich an eine der 156 Agenturen für Arbeit wenden, die mit circa 600 Außenstellen und 303 Jobcentern in zahlreichen Städten Deutschlands vertreten sind. Bei den Jobcentern handelt es sich um gemeinsame Einrichtungen der örtlichen Agenturen für Arbeit mit kreisfreien Landkreisen und Städten. Die lokalen Arbeitsagenturen werden von einer der zehn Regionaldirektionen beaufsichtigt, die sich in Berlin, Hannover, Kiel, Chemnitz, Düsseldorf, Halle an der Saale, Stuttgart, Saarbrücken, Nürnberg und Frankfurt am Main befinden. Die Arbeitsagentur ist in der Rechtsform einer bundesunmittelbaren Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung tätig. Die Zentrale hat ihren Sitz in Nürnberg. Der früher umgangssprachlich häufig verwendete Begriff ARGE ist inzwischen nicht mehr so geläufig.

Das “ Arbeitsamt“ – die Geschichte

Seit 1918 bestand das Reichsarbeitsamt, das im Jahr 1919 zum Reichsarbeitsministerium umbenannt wurde. Diese Behörden waren jedoch nur für die Überwachung des Arbeitsschutzes und im Bereich der Arbeitsplatzpolitik tätig. Die staatliche Vermittlung von Arbeitsplätzen in Deutschland übernahm erstmals das am 15. Januar 1920 gegründete Reichsamt für Arbeitsvermittlung in Berlin. Schon mit der Gründung wurden deutschlandweit 13 Landesarbeitsämter sowie 361 regionale Arbeitsämter eingerichtet.

Mit der im Juli 1927 gebildeten „Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung“ übernahmen die Arbeitsämter auch die Auszahlung von Arbeitslosengeld. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Reichsanstalt im Jahr 1945 aufgelöst. Erst im Jahr 1952 kam es zur Neugründung der „Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (B.f.A.u.A.)“, an der auch Gewerkschaften, Arbeitgeber und andere Sozialpartner beteiligt waren. Der sperrige Name der B.f.A.u.A. änderte sich am 1. Juli 1969 zu Bundesanstalt für Arbeit. Neben der Vermittlung von Arbeitsplätzen, der Berufsberatung und der Abwicklung der Arbeitslosenversicherung kam nun auch das Tätigkeitsfeld der Förderung von beruflicher Ausbildung und Weiterbildung hinzu.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA)

Aus der Bundesanstalt für Arbeit wurde am 1. Januar 2004 die Bundesagentur für Arbeit (BA). Zuvor waren ab 2002 die vier „Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“, besser bekannt als Hartz I – IV, in Kraft getreten. Schon seit dem Jahr 1997 liefen außerdem parallel zu den gesetzlichen Reformen interne Prozesse bei der Arbeitsagentur. Durch die diversen Änderungen verfolgen Gesetzgeber und BA das Ziel, die Arbeitsvermittlung sowohl für die Mitarbeiter der Arbeitsagentur als auch für Arbeitnehmer und Arbeitgeber einfacher, kundenfreundlicher und effizienter zu gestalten. Die Dienstleistungen der Arbeitsagentur sollen modernisiert und die Eigenverantwortung der Arbeitslosen gestärkt werden. Außerdem wird durch die beschlossenen Maßnahmen und Veränderungen das Sozialsystem in Deutschland entlastet.

Dieses Ziel soll auch dadurch erreicht werden, dass mit der Sozialreform vom 1. Januar 2005 Arbeitslosenhilfe für langjährige Arbeitslose und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Für die gemeinschaftliche Aufgabe von Arbeitsagentur und Kommunen wurde Artikel 91e des Grundgesetzes geändert, um die Zusammenarbeit der beiden Behörden als Grundsicherungsträger zu legalisieren. Trotz der Reform gibt es unter Politikern, bei Arbeitgebern und in der Bevölkerung weiterhin Kritik an der Bundesagentur für Arbeit und auch die Abschaffung der Arbeitsagentur wurde mehrfach gefordert.

Kontaktdaten

Die Bundesagentur für Arbeit ist unter der folgenden Anschrift zu erreichen:

Bundesagentur für Arbeit
Regensburger Straße 104
90478 Nürnberg

Telefon / Hotline

Die Hotlineist gebührenfrei zu erreichen unter:

Arbeitnehmer: 0800 4 5555 00
Arbeitgeber: 0800 4 5555 20
Familienkasse: 0800 4 5555 30

Aus dem Ausland: +49 911 12031010 diese Anrufe sind gebührenpflichtig!
Die Öffnungszeiten der Hotline sind Montags bis Freitags von  08:00 – 18:00 Uhr

E-Mail: Zentrale@arbeitsagentur.de
Umsatzsteueridentifikationsnummer DE811458858

Finanzierung

Die Arbeitsagentur finanziert sich seit dem 1. Januar 2013 hauptsächlich aus den Beiträgen von Arbeitgebern und abgabepflichtigen Berufstätigen zur Arbeitslosenversicherung. Vor diesem Zeitpunkt erhielt die Behörde zusätzliche Gelder aus den Einnahmen des Bundes, die aus Umsatzsteuerzahlungen stammten. Von den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung finanziert die Arbeitsagentur die Ausgaben für Arbeitslosengeld sowie für die Beratung von Arbeitsuchenden und Berufstätigen auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung und für die Vermittlung von Arbeitslosen. Zusätzliche Ausgaben, wie Kindergeld und Zahlungen für Arbeitslosengeld II, besser als Hartz IV bekannt, erstattet der Bund. Die gesetzliche Regelung für die Genehmigung des Haushalts der Arbeitsagentur durch den Bund und die Erstattung der zusätzlichen Ausgaben findet sich in § 363 SGB III. Reichen die Einnahmen aus der Arbeitslosenversicherung nicht aus, um die laufenden Kosten der Arbeitsagentur zu decken, erhält die Behörde ein zinsloses Darlehen durch den Bund. Besteht das Darlehen noch zum Ende eines Haushaltsjahres, wandelt es sich in einen Zuschuss um.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen je die Hälfte des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung, der sich aus einem Prozentsatz des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens berechnet (s. a. Brutto Netto Rechner). Die Zahlung des Arbeitnehmers ist durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Dabei handelt es sich um einen Betrag, bis zu dem der Arbeitslohn zur Berechnung des Arbeitslosengeldes berücksichtigt wird. Sobald das Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, ist der Höchstsatz des Arbeitslosengeldes erreicht und der die Grenze übersteigende Betrag wird nicht mehr zur Berechnung herangezogen.

Die Aufgaben der Arbeitsagentur

Diese Aufgaben führt die Bundesagentur für Arbeit aus:

  • Vermittlung von Arbeitsstellen und Ausbildungsplätzen
  • Berufsberatung für Arbeitnehmer
  • Beratung der Arbeitgeber
  • Hilfe und Förderung zur Berufsausbildung
  • Erteilung einer Arbeitserlaubnis für Ausländer
  • Zahlung von Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld
  • Weiterbildungsförderung durch entsprechende Maßnahmen und finanzielle Hilfe
  • Ausführendes Organ des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes
  • Leistungen zur Rehabilitation und nach dem Schwerbehindertenrecht
  • Sicherstellung der beruflichen Gleichstellung von Männern und Frauen
  • Internationale Arbeitsvermittlung
  • Beobachtung und Einschätzung des Arbeitsmarktes
  • Führung von Arbeitsmarktstatistiken
  • Bekämpfung und Bestrafung von Leistungsmissbrauch

Neben diesen Aufgaben beschäftigt sich die Arbeitsagentur mit weiteren Themen, für die besondere Dienststellen zuständig sind:

  • IT-Systemhaus: operativer IT-Dienstleister der Bundesagentur für Arbeit
  • Familienkasse: zuständig für die Auszahlung des Kindergeldes für circa 87% aller Kinder in Deutschland
  • IAB: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zur Erforschung des Arbeitsmarktes in den Bereichen Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung für Arbeitsuchende
  • BA-SH: BA-Service-Haus für interne Dienstleistungen zu Besoldung, Versorgung und Beihilfe der Mitarbeiter
  • FBA: Führungsakademie der BA zur Schulung und Qualifizierung der Mitarbeiter
  • HdBA: Hochschule der BA zur Ausbildung von Angestellten und Beamten für den gehobenen Dienst
  • ZAV: Zentrale Auslands- und Fachvermittlung für Arbeitnehmer im überregionalen Arbeitsmarkt, wie Facharbeiter, Führungskräfte und Künstler.

Im Internet ist die Arbeitsagentur nicht nur unter arbeitsagentur.de vertreten, sondern auch mit folgenden Seiten:

  • Jobboerse.arbeitsagentur.de
  • abi.de
  • studienwahl.de
  • Berufenet.arbeitsagentur.de
  • Kursnet-finden.arbeitsagentur.de
  • www.berufe.tv
  • Statistik.arbeitsagentur.de
  • Arbeitsmarktmonitor.arbeitsagentur.de
  • Berufsentwicklungsnavigator unter ben.arbeitsagentur.de
  • planet-beruf.de

Beratung vor Ort

Noch immer findet ein großer Teil der Beratungsleistungen bei einem persönlichen Gespräch in einem Jobcenter oder einer der Außenstellen der Arbeitsagentur statt. Bis vor wenigen Jahren wurden die Jobcenter auch ARGE genannt. Der Begriff Arge leitet sich aus dem im Sozialgesetz definierten Wort Arbeitsgemeinschaft ab.  Auf der Homepage arbeitsagentur.de finden Arbeitssuchende und Unternehmen außerdem verschiedene eServices. Die Nutzer müssen sich einmalig bei der Arbeitsagentur registrieren, um als Privatpersonen folgende Funktionen online zu nutzen:

  • arbeitssuchend melden
  • einen Termin für ein persönliches Gespräch vereinbaren
  • Antrag für Arbeitslosengeld ausfüllen und ausdrucken (inklusive Fehlerhinweisen)
  • nicht mehr arbeitssuchend melden
  • als Arbeitsloser Urlaubszeiten mitteilen
  • Bewerberprofil in der Jobbörse veröffentlichen
  • Individuelle Bewerbungsmappe erstellen
  • Kindergeld beantragen
  • Kontakt mit dem Mitarbeiter der Arbeitsagentur aufnehmen
  • über das Bewerberprofil online auf Vermittlungsvorschläge bewerben

Auch Arbeitgeber haben die Möglichkeit, die eServices der Arbeitsagentur unter www.arbeitsagentur.de zu nutzen. Dabei stehen den Firmen folgende Bereiche zur Verfügung:

  • offene Stellenangebote online melden, damit sich ein Mitarbeiter der BA persönlich meldet
  • offene Stellen in der Jobbörse veröffentlichen
  • Betriebsnummer beantragen oder ändern lassen, um die Meldung zur Sozialversicherung gemäß § 28a SGB IV zu veranlassen
  • Fördervoraussetzungen für die Bewilligung eines Eingliederungszuschusses online prüfen und beantragen

Das Online-Portal der Arbeitsagentur: www.arbeitsagentur.de

Unter arbeitsagentur.de finden Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen das Online-Portal der Arbeitsagentur. In den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch sowie auf Arabisch bei den Informationen zu Arbeit und Ausbildung für Asylsuchende finden Arbeitgeber und Arbeitnehmer Informationen zur Arbeitsagentur selbst und zu den angebotenen Leistungen. Die Seite der Arbeitsagentur ist auch in Gebärdensprache und in leichter Sprache erhältlich. Wichtige Seiten werden über einen Schnellzugriff erreicht, ansonsten können sich die Nutzer an den verschiedenen Themengebieten orientieren.

Das Online-Portal der Arbeitsagentur ist für jede natürliche und juristische Person zugänglich, wie die Arbeitsagentur in ihren Nutzungsbedingungen erklärt. Die Nutzung des Portals ist kostenfrei. Einige Angebote können die User nur in Anspruch nehmen, wenn sie sich auf der Seite registrieren. Um ein Benutzerkonto anzulegen, muss sich eine Privatperson legitimieren. Dies kann entweder durch Eingabe der persönlichen Daten oder durch Nutzung eines neuen Personalausweises erledigt werden. Wenn ein neuer Personalausweis vorliegt, kann der Nutzer seine Kontaktdaten und die persönlichen Angaben aus dem Ausweis einlesen lassen. Bei jeder erneuten Anmeldung im Online-Portal der Arbeitsagentur kann dann ebenfalls der Personalausweis verwendet werden.

Sicherheit: Datenüberprüfung per Bestätigung durch eine E-Mail

Während der Registrierung auf www.arbeitsagentur.de können sich die Anwender auch für eine Sicherheitsstufe entscheiden, mit der die eingegebenen Daten überprüft werden. Standardmäßig erfolgt die Datenüberprüfung per Bestätigung durch eine E-Mail. Diese einfache Überprüfung reicht dazu aus, gespeicherte Daten in einigen Formlaren, wie dem Antrag auf Kindergeld, nochmals aufzurufen. Entscheidet sich der Anmelder für eine PIN, kann er auch den Bearbeitungsstand für seinen Antrag auf Kindergeld oder Arbeitslosengeld einsehen oder sich mit der PIN in der Jobbörse der Arbeitsagentur anmelden.

Literatur

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: Datenschutz in Jobcentern und Arbeitsagenturen

Auf der Webseite gibt es Informationen, wie die Arbeitsagentur mit den folgenden Daten Kontoauszüge, Pass oder Personalausweis, Gesundheitsdaten, Daten aus Sozialen Netzwerken, unangekündigte Hausbesuche, Übermittlung von Stellungnahmen der Arbeitnehmer an ehemalige Arbeitgeber umgeht. Wie, in welcher Form und wie lange dürften diese Daten gespeichert und aufbereitet werden.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Konkrete Entscheidungshilfen für die Rückkehr in den Beruf

Die Webseite gibt Tipps und Hintergrundinformationen für einen erfolgreichen Wiedereistieg in den Beruf. Hier sind insbesondere Frauen angesprochen, die nach der Kindererziehung den Wiedereinstig in den Beruf suchen.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Förderung der beruflichen Weiterbildung

 

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