Tipps zur Steuerklasse 6 Für Arbeitnehmer, die nur in einem Arbeitsverhältnis stehen, hat die Steuerklasse 6 keine Bedeutung. Die Lohnsteuerklasse 6 kommt zum Einsatz, wenn Berufstätige bei zwei oder mehr Arbeitgebern angestellt sind. Dazu müssen jedoch sämtliche Gehälter über die Lohnsteuerkarte abgerechnet werden, es darf sich also nicht um einen sogenannten Minijob handeln. Außerdem sind die Arbeitgeber verpflichtet, Steuerklasse 6 anzuwenden, wenn einer ihrer Angestellten ihnen den Abruf der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) nicht ermöglicht. Von allen sechs Lohnsteuerklassen behält das Finanzamt bei einer Besteuerung nach Steuerklasse 6 die meisten Abzüge ein.

Im Gegensatz zu den Lohnsteuerklassen 1-5 beinhaltet die Steuerklasse 6 keinen der Freibeträge, die in den anderen Steuerklassen gewährt werden. Die Arbeitnehmer müssen daher für ihr komplettes Bruttogehalt ab dem ersten Euro Lohnsteuer zahlen. Dafür kann die Steuerklasse 6 mit jeder der anderen Steuerklassen kombiniert werden. Berufstätige mit mehreren Arbeitsstellen nutzen daher, je nach Familienstand und Einkommen, den Grundfreibetrag, die Arbeitnehmerpauschale für die Werbungskosten, den Sonderausgabenpauschbetrag, die Vorsorgepauschale, den Kinderfreibetrag und eventuell den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende in einer der anderen Steuerklassen. Lediglich der Altersentlastungsbetrag für Steuerzahler, die vor dem jeweiligen Steuerjahr das
64. Lebensjahr vollendet haben, findet auch bei Steuerklasse 6 Anwendung.

So erhalten Steuerpflichtige doch einen Freibetrag in Steuerklasse 6

Der in den Steuerklassen 1-4 eingeräumte Grundfreibetrag bewirkt, dass ein Steuerpflichtiger für einen Teil seines Jahreseinkommens keine Einkommensteuer zahlt. Erst wenn das jährliche Bruttogehalt den Grundfreibetrag übersteigt, muss ein Berufstätiger den Teil seines Einkommens versteuern, der über dem Grundfreibetrag liegt. In Steuerklasse 6 gibt es keinen Grundfreibetrag, weshalb die Abzüge in dieser Lohnsteuerklasse sehr hoch sind. Daher lassen Arbeitnehmer mit mehreren sozialversicherungspflichtigen Jobs das niedrigste Gehalt über die Steuerklasse 6 versteuern.

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Es besteht jedoch die Möglichkeit, einen nicht voll ausgeschöpften steuerlichen Grundfreibetrag aus dem ersten Arbeitsverhältnis auf die Steuerklasse 6 zu übertragen, wie die Oberfinanzdirektion Niedersachsen hier erläutert. Beantragt ein Steuerpflichtiger den Übertrag des nicht ausgenutzten Freibetrags, überprüft das Finanzamt, ob aus dem ersten Dienstverhältnis Lohnsteuer anfällt. Dazu wird eine Hochrechnung erstellt und der nicht ausgenutzte Freibetrag ermittelt. Die Steuerzahler müssen jedoch beachten, dass der in Lohnsteuerklasse 6 eingetragene Freibetrag gleichzeitig als Hinzurechnungsbetrag auf das Einkommen aus dem Hauptjob aufgeschlagen wird. Daher empfiehlt die Oberfinanzdirektion Niedersachsen, nur das tatsächliche Gehalt aus dem zweiten Arbeitsverhältnis als Freibetrag in Steuerklasse 6 einzutragen. So verhindert der Arbeitnehmer, dass er durch den Hinzurechnungsbetrag im ersten Job Lohnsteuer zahlt.

Lohnsteuerklasse 6 als Strafe

Der Gesetzgeber sieht die Einstufung eines Berufstätigen in die Lohnsteuerklasse 6 auch als eine Strafmaßnahme an, falls der Arbeitgeber keinen Zugang zu den ELStAM-Daten seines Mitarbeiters erhält. In den FAQ von ELSTER, der elektronischen Steuererklärung des deutschen Fiskus, erfahren Arbeitgeber, dass sie zum Abruf der ELStAM-Daten die steuerliche Identifikationsnummer (IdNr) ihrer Angestellten benötigen: www.elster.de/faq_ag_nw.php. Falls ein Arbeitnehmer die IdNr nicht weitergibt oder falsche Angaben macht, ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Gehalt nach Steuerklasse 6 zu versteuern. Aus datenschutzrechtlichen Gründen darf der Arbeitgeber die IdNr nicht selbst beim Finanzamt erfragen. Der Arbeitgeber muss schriftlich festhalten, dass sich der Arbeitnehmer weigert, die IdNr bekannt zu geben und dass aus diesem Grund die Lohnsteuerklasse 6 Anwendung findet. Eine weitere Pflicht zur Aufzeichnung im Lohnkonto des Arbeitnehmers besteht nicht.

Jeder Berufstätige hat das Recht, zu beantragen, dass für ihn keine ELStAM-Daten gebildet werden. Außerdem können Arbeitnehmer eine Positivliste mit den Arbeitgebern erstellen, die Einblick in ELStAM erhalten sollen. Auch die Bildung einer Negativliste mit den Arbeitgebern, denen der Zugriff verweigert wird, ist möglich. Versucht ein Arbeitgeber der Negativliste, die Daten abzurufen, teilt ihm das Finanzamt die Sperre mit. Das Gehalt muss dann so lange nach Steuerklasse 6 besteuert werden, bis der Steuerpflichtige die Sperre wieder aufhebt.

Literatur

Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Geringfügige Beschäftigung und Beschäftigung in der Gleitzone

Deutscher Bundestag: Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens

 

Informationen zu den anderen Steuerklassen finden Sie hier:

Steuerklasse 1

Steuerklasse 2

Steuerklasse 3

Steuerklasse 4

Steuerklasse 5

 

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