Frankreich FlaggeFrankreich ist innerhalb der Europäischen Union (EU) das Land mit der größten Fläche. Die französischen Verbraucher zahlen für die meisten Waren und Dienstleistungen eine Mehrwertsteuer in Höhe von 20%. Daneben werden ein verringerter Steuersatz von 10%, ein stark verringerter Satz von 5,5% sowie ein Sondersteuersatz von 2,1% für bestimmte Produkte berechnet. Die französische Bezeichnung für Mehrwertsteuer lautet Taxe sur la valeur ajoutée mit der Abkürzung TVA.

Mehrwertsteuersätze in Frankreich

regulärer Mehrwertsteuersatz = 20%
verringerter Steuersatz = 10%,
ein stark verringerter Satz = 5,5%
Sondersteuersatz = 2,1%

 

Taxe sur la valeur ajoutée -TVA

Historie: Letzte Änderung der französischen Mehrwertsteuer in 2014

Am 1. Januar 2014 hob die französische Regierung die reguläre Mehrwertsteuer von 19,6% auf 20% an. Das war seit der Einführung der TVA im Jahr 1968 schon die achte Änderung der Umsatzsteuer in Frankreich. Vor allem ab Mitte der 1980er Jahre bis zum 31. Juli 1995 lag der normale Mehrwertsteuersatz zwar durchgehend bei 18,6%, dafür gab es aber bis zu acht Steuersätze gleichzeitig. Nachdem sich die Berechnung der Steuerbeträge in der Praxis als sehr schwierig und unübersichtlich herausstellte, galten von 1991 bis 2013 nur drei Umsatzsteuersätze. Am 01. April 2013 kam neben dem regulären Satz und zwei ermäßigten Steuersätzen wieder ein Sondersteuersatz für einige ausgesuchte Produkte hinzu, der bis heute Gültigkeit hat.

Häufige Änderungen: Theorie & Realität

Der französische Staat beschließt häufig Änderungen der Mehrwertsteuersätze für bestimmte Produkte, falls sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt. Das zeigt sich zum Beispiel an den Steuersätzen für Bücher, Konzerttickets und Eintrittskarten für Theateraufführungen. Im April 2012 wurde die Mehrwertsteuer für diese Produkte von 5,5% auf 7% angehoben. Bereits am 1. Januar 2013 nahm die Regierung Frankreichs diese Erhöhung aber wieder zurück. Auch die Mehrwertsteuersenkung für Restaurantrechnungen im Jahr 2009 vom vollen Steuersatz auf den ermäßigten Satz von 10% zeigte nicht die gewünschte Wirkung. Die französischen Wirte hatten versprochen, die niedrige Steuer in Form von Preissenkungen und Gehaltserhöhungen an ihre Gäste und das Personal weiterzugeben. Außerdem sollte die Steuersenkung für rund 40000 neue Stellen im Gaststättengewerbe sorgen. Es hielt sich jedoch nicht einmal die Hälfte aller Restaurants in Frankreich an die Vereinbarung. Die angedrohte Anhebung der Mehrwertsteuer für Restaurantbesuche auf den normalen Steuersatz von 20% setzte die französische Regierung bisher nicht um.

Mehrwertsteuersätze in Frankreich

Regulärer Mehrwertsteuersatz

Für einen großen Teil aller in Frankreich verkauften Produkte und angebotenen Dienstleistungen wird der normale Mehrwertsteuersatz von 20% fällig.

verringerten Steuersatz

Mit dem verringerten Steuersatz von 10% belastet der französische Fiskus:

  • Rechnungen im Restaurant
  • Transportleistungen
  • Renovierungskosten an privaten Wohngebäuden, die älter als zwei Jahre sind
  • Bestimmte Produkte aus der Landwirtschaft
  • Personenbeförderung
  • Gebühren für Kabel-TV
  • Hotelübernachtungen

stark verringerter Satz

Neben dem verringerten Umsatzsteuersatz findet ein stark verringerter Satz von 5,5% Anwendung für:

  • Grundnahrungsmittel
  • Wasserlieferungen
  • Energie
  • Einige Arzneimittel
  • Medizinische Geräte für Personen mit einer Behinderung
  • Dienstleistungen für Personen mit einer Behinderung
  • Eintrittskarten zu Sportveranstaltungen und anderen kulturelle Ereignissen
  • Essenslieferungen an Schulen, Altenheime und Einrichtungen für Behinderte

Sondersteuersatz

  • Der Sondersteuersatz von 2,1% gilt in Frankreich für:
  • Arzneimittel, für die die Patienten eine Rückerstattung durch die Sozialversicherung erhalten
  • Presseerzeugnisse, sofern sie bei der Paritätskommission registriert sind
  • Gebühren für Rundfunk und Fernsehen
  • Verkäufe von Schlachtvieh an Personen, die nicht steuerpflichtig sind

Für Korsika als Gebietskörperschaft Frankreichs, das Fürstentum Monaco und die französischen Überseegebiete Départements d’outre-mer (DOM) mit der Währung Euro gelten zum Teil besondere Mehrwertsteuersätze, die von der französischen TVA abweichen.

Die Lage der französischen Wirtschaft

Durch die geografische Lage mit Grenzen zu Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz, Belgien, Luxemburg und Andorra treiben die französischen Unternehmen regen Handel mit ihren europäischen Nachbarn. Daher gehörte Frankreich auch zu den Mitbegründern der EU, um den innereuropäischen Handel zu vereinfachen und zu stärken. Deutschland ist in Europa der wichtigste Handelspartner der französischen Unternehmen, gefolgt von Italien, Belgien, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien. Weltweit unterhält Frankreich vor allem geschäftliche Beziehungen zu den USA und zu China. Für mehr als 50 Jahre stellten französische Unternehmen die wichtigsten Handelspartner der deutschen Wirtschaft dar. Das hat sich jedoch im Jahr 2015 geändert, als die USA der größte Exportmarkt Deutschland wurden, wie das Auswärtige Amt auf seiner Homepage unter http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Frankreich/Wirtschaft_node.html ausführt.

Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche in Frankreich sind:

  • Telekommunikation
  • Luftfahrtindustrie
  • Rüstungsgüter
  • Maschinenbau
  • Pharmazeutische Erzeugnisse
  • Nahrungsmittel
  • Tourismus
  • Landwirtschaft
  • Banken und Versicherungen
  • Energie
  • Luxusartikel
  • Chemische Industrie
  • Elektronik

Die wirtschaftliche Tätigkeit der französischen Unternehmen wird durch den Staat beeinflusst, weshalb es sich um eine gelenkte Volkswirtschaft handelt. Frankreich hat seit vielen Jahren mit einer hohen Arbeitslosenzahl zu kämpfen. Die Exporte des Landes sind seit der Einführung des Euro um circa ein Drittel zurückgegangen.

Der große Einfluss der französischen Regierung auf die Wirtschaft des Landes zeigt sich unter anderem in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen, die zur Stärkung der Volkswirtschaft beschlossen wurden:

Wachstumspakt vom 6. November 2012, führte zur Neuregelung der TVA am 1. Januar 2014

  • Verantwortungs- und Solidaritätspakt aus dem Jahr 2014 (Pacte de Responsabilité et de Solidarité)
  • Loi pour la croissance et l’activité (Gesetz für Wachstum und Aktivität) aus August 2015
  • Gesetzentwurf zur Reform des Arbeitsmarktes im März 2016
  • Vereinbarung über Steuergutschrift für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (CICE) bis zum Jahr 2017
  • Vertrag über die Arbeitslosenversicherung bis Ende 2017

Handel mit französischen Geschäftspartnern: Umsatzsteuer

Deutsche Firmen, die Waren an ein französisches Unternehmen liefern, können sich in Deutschland von der Umsatzsteuer befreien lassen. Dazu muss sich ein entsprechender Hinweis auf der Rechnung befinden, der auf die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung hinweist. Außerdem muss die Rechnung sowohl die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) des deutschen Lieferanten als auch des französischen Abnehmers enthalten.

Numéro de TVA intracommunautaire & Numéro d’identification TVA

Die französische Bezeichnung für die USt-IdNr. lautet Numéro de TVA intracommunautaire oder Numéro d’identification TVA, abgekürzt ID.TVA. Die Nummer setzt sich nach dem Ländercode FR aus elf Stellen zusammen, wobei die erste und zweite Stelle ein Buchstabe sein können, die restlichen Stellen müssen aus Ziffern bestehen.

Falls ein deutsches Unternehmen in Frankreich Waren liefert oder Dienstleistungen erbringt, für die französische Umsatzsteuer zu zahlen ist, muss sich der Betrieb für Mehrwertsteuerzwecke registrieren lassen. Die Registrierung erfolgt bei dem für ausländische Firmen zuständigen Finanzamt Direction Générale des Impôts, Direction des résidents à l’étranger et des services généraux (DRESG) in Noisy Le Grand.

 

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Prozent Formel für Mehrwertsteuer