Italien FlaggeDie Republik Italien fällt vor allem wegen der geografischen Form eines Stiefels auf. Der größte Teil des Landes liegt auf einer Halbinsel sowie in der Ebene des Flusses Po. Die Mehrwertsteuer wurde in Italien seit ihrer Einführung im Jahr 1973 mehr als zwanzigmal geändert, zum Teil mehrfach in einem Jahr. Die aktuellen Mehrwertsteuersätze liegen bei 22 % normaler Satz, 10 % ermäßigter Steuersatz und 4 % stark ermäßigter Satz. In der Landessprache heißt die Mehrwertsteuer Imposta sul valore aggiunto, abgekürzt IVA. Damit trägt die italienische Umsatzsteuer dieselbe Abkürzung wie die spanische Mehrwertsteuer.

Zeitweise bis zu zehn Mehrwertsteuersätze in Italien

Die aktuellen Mehrwertsteuersätze in Italien sind

normaler MwSt Satz                 = 22%
ermäßigter MwSt Satz            = 10%
stark ermäßigter MwSt Satz  = 4%

 

Bei der Einführung der Mehrwertsteuer in Italien wurden Waren und Dienstleistungen mit einem normalen, einem ermäßigten und einem erhöhten Steuersatz belastet. Schon zwei Jahre später erklärte die italienische Regierung den erhöhten Steuersatz zu einem Zwischensatz und führte die erhöhte Mehrwertsteuer von 30 % ein. Im Jahr 1976 mussten die italienischen Verbraucher mit sieben verschiedenen Mehrwertsteuersätzen leben, ein Jahr darauf erhöhte sich die Anzahl der Steuersätze auf acht, bis sie im Jahr 1980 mit zehn unterschiedlichen Prozentsätzen für verschiedene Produkte und Dienstleistungen ihren Höchststand erreichte. Diverse Änderungen später, die sowohl die Höhe als auch die Anzahl der Steuersätze betrafen, leben die italienischen Verbraucher heute, wie die Bewohner zahlreicher anderer europäischer Staaten auch, mit drei Mehrwertsteuersätzen.

Für den überwiegenden Anteil aller Waren und Dienstleistungen in Italien wird eine MwSt. von 22 % berechnet. Der ermäßigte Steuersatz von 10 % gilt für Arzneimittel, Theaterkarten und Tickets für Veranstaltungen, die Personenbeförderung sowie Rechnungen in Hotels und Restaurants. 4 % Mehrwertsteuer werden für Grundnahrungsmittel, landwirtschaftliche Güter sowie Bücher und Presseerzeugnisse fällig. Leistungen von Ärzten oder von Sozialdiensten sind in Italien komplett von der Mehrwertsteuer befreit.

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Verpflichtende direkte Mehrwertsteuer-Registrierung für ausländische Unternehmen

Deutsche Unternehmen sind unter diesen Umständen verpflichtet, eine Direktanmeldung, auch Direktidentifizierung genannt, zur italienischen USt vorzunehmen:

  • bei Warenlieferungen aus dem Versandhandel oder Onlinehandel an italienische Privatpersonen ab einem Jahresumsatz von 35000 Euro
  • bei der Erbringung von Dienstleitungen gegenüber italienischen Verbrauchern
  • bei Warenverkäufen an anderen Firmen oder an Privatpersonen in Italien
  • bei dem Verkauf von Eintrittskarten oder der Erbringung anderer Veranstaltungsleistungen durch das deutsche Unternehmen in Italien
  • bei dem Import von Gütern nach Italien
  • bei der Warenentnahme aus einem mehrwertsteuerpflichtigen Lager

Neben der verpflichtenden Direktanmeldung können sich deutsche Betriebe auch anmelden, um die Zollmeldung für den innergemeinschaftlichen Warenverkehr für ihre italienischen Geschäftspartner vorzunehmen.

Die gesetzlichen Regelungen zur direkten Mehrwertsteuer-Registrierung finden sich in Art. 35ter des DPR 633/1972 (Mehrwertsteuer-Gesetz). Unternehmen mit Geschäftssitz innerhalb der Europäischen Union (EU) können sich entweder selbst bei den italienischen Steuerbehörden zur Umsatzsteuer anmelden oder sie ernennen einen inländischen Steuervertreter. Firmen mit Sitz außerhalb der EU müssen sich immer durch einen Fiskalvertreter in Italien vertreten lassen.

Sobald sich eine deutsche Firma über die Direktidentifizierung zur italienischen Mehrwertsteuer angemeldet hat, muss sie dieselben Pflichten beachten wie einheimische Unternehmen auch:

  • Ausstellung von Wareneingangsrechnungen sowie von Warenausgangsrechnungen. Beim Online-Handel müssen entweder Rechnungen in Papierform oder ein elektronisches Register über die Erlöse eines jeden Geschäftstages vorgelegt werden.
  • bei Fehlen der Rechnungen Vorlage von Kundenlisten und Lieferantenlisten
  • regelmäßige und fristgemäße Abgabe einer Umsatzsteuererklärung inklusive rechtzeitiger Zahlung der Steuerschuld über ein italienisches Konto
  • unter Umständen Mehrwertsteuer-Vorauszahlungen
  • Abgabe einer Jahressteuererklärung für die Mehrwertsteuer, falls kein Befreiungsgrund vorliegt, zum Beispiel weil es keine steuerpflichtigen Umsätze gab.

Das italienische Finanzamt legt anhand der Umsatzzahlen fest, ob ein Unternehmen die Umsatzsteuervoranmeldung monatlich oder alle drei Monate abgeben muss. Bei einer monatlichen Meldung hat diese, ebenso wie die Zahlung der Mehrwertsteuer, bis zum 16. des folgenden Monats zu erfolgen. Bei Bearbeitung durch einen Steuerberater verlängert sich die Frist um vier Wochen. Bei einer vierteljährlichen Abgabefrist erfolgt die Meldung jeweils zum 30. April, 31. Juli, 31. Oktober und 31. Januar.

Die Verrechnung der Mehrwertsteuer, die eine deutsche Firma in Italien zu zahlen hat, darf seit dem Jahr 2009 nicht mehr mit der Vorsteuer verrechnet werden, die das Unternehmen für Einkäufe bei italienischen Firmen zurückfordern kann. Stattdessen muss die zu zahlende MwSt. fristgerecht beim Fiskus in Italien eingezahlt werden. Die zu erstattenden Vorsteuer können deutsche Betriebe nur noch elektronisch über das Bundeszentralamt für Steuern anfordern, das die entsprechenden Antragsformulare des italienischen Fiskus zur Verfügung stellt. Der Antrag auf Erstattung der Vorsteuer muss dem Finanzamt Agenzia delle Entrate in Pescara bis zum 30. Juni des folgenden Jahres vorliegen.

Agenzia delle Entrate
Centro Operativo di Pescara
Via Rio Sparto 21
I – 65129 PESCARA
Tel.: (+39) 85 5771 2359 oder 2318 oder 2380
Fax: (+39) 85 577 2325

Eine Fristverlängerung gewähren die Steuerbehörden in Italien nicht. Eine Einfuhrumsatzssteuer ist, da Italien zur EU gehört, nicht relevant.

Die wirtschaftliche Situation in Italien

Bis in die 1990er Jahre wurde die Volkswirtschaft in Italien zum größten Teil staatlich gelenkt. Der staatseigene Konzern IRI zählte ungefähr 1000 Tochtergesellschaften und beschäftigte zu seinen Hochzeiten bis zu einer halben Million Italiener. Während der Zeit der gelenkten Wirtschaft stieg jedoch die Staatsverschuldung stark an, sodass die staatlichen Firmen privatisiert wurden. Die Märkte öffneten sich wieder stärker und die Unternehmen des Landes nahmen vermehrt Kontakte zu ausländischen Geschäftspartnern auf.

Die italienische Wirtschaft befand sich vor der Finanzkrise 2008 auf einem Hochstand, wie das Auswärtige Amt auf der Seite auf seiner Italien-Seite  darlegt. Bedingt durch die Krise brach die Wirtschaftsleistung um etwa 9 % ein und erholte sich erst im Jahr 2015 wieder. Ein großes Problemfeld ist weiterhin der Arbeitsmarkt, da es in Italien vor allem sehr viele arbeitslose Jugendliche gibt, die in ihrem Heimatland keine berufliche Perspektive sehen. Außerdem ist das Land im Energiebereich sehr stark von Importen abhängig, da etwa drei Viertel des landesweiten Energiebedarfs importiert werden muss. Trotz der vergangenen und bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet sich Italien unter den zehn größten Wirtschaftsländern der Welt.

Mit diesen Staaten treibt die italienische Wirtschaft regen Handel:

  • Deutschland
  • Spanien
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • Niederlande
  • USA

Der wichtigste Handelspartner des Landes ist Deutschland. Italienische Unternehmen importieren etwas mehr Waren aus Deutschland, als sie Produkte an ihren größten Wirtschaftspartner exportieren. Mit diesen Geschäftszweigen erzielt das Land die größten Umsätze:

  • Maschinenbau
  • Fahrzeugbau
  • Tourismus
  • Lebensmittelindustrie
  • chemische Industrie
  • Textilhandel
  • Möbelindustrie

Dem italienischen Staat geht ein Teil der Mehrwertsteuer verloren, weil die sogenannte Schattenwirtschaft in Italien sehr aktiv ist. Die Steuerbehörde des Landes, Agenzia delle Entrate, geht von einem Anteil von bis zu 30 % Schwarzarbeit aus, die nicht versteuert wird. Da die Schattenwirtschaft allgemein bekannt ist, werden ihre geschätzten Umsätze sogar zur Berechnung des italienischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) eingerechnet.

Mehrwertsteuer Spartipps für Urlauber

Zollfreies oder mehrwertsteuerfreies Einkaufen ist innerhalb der EU seit Mitte der 1990er Jahre fast nicht mehr möglich. Es gibt aber noch einige Gebiete, in denen Touristen entweder zollfrei und mehrwertsteuerfrei einkaufen können. Die italienische Enklave Campione d’Italia, häufig kurz nur Campione genannt, ist komplett von der Zahlung von USt. befreit. Urlauber können daher in dem Ort am Luganersee günstig einkaufen, da bei einer Weiterfahrt in die Schweiz die erworbenen Waren nicht versteuert werden müssen. Neben den preiswerten Einkaufsmöglichkeiten ist der Ort auch für sein Spielcasino bekannt.

Außer dem umsatzsteuerbefreiten Campione d’Italia gibt es außerdem die zu Italien gehörenden Städte am Luganer See zwischen Porto Ceresio und Ponte Tresa sowie die Stadt Livigno, in denen ein zollfreier Einkauf möglich ist. Livigno liegt in der Lombardei, nahe dem bekannten Schweizer Skiort St. Moritz. Die Stadt mit ihren circa 250 Geschäften bezeichnet sich selbst als „Shopping Mall unter freiem Himmel“. Urlauber können hier viele Produkte zollfrei erwerben und so beim Kauf von alkoholischen Getränken, Modeartikeln, Sportgarderobe, Schmuck oder Zigaretten Geld sparen.

Steuerberater in Italien

Ein Blick auf die Website der für die italienische Umsatzsteuer-Registrierung zuständigen Behörde zeigt schnell: Die Mehrwertsteuerregelungen sind auch in Italien komplexer Natur.

Informationsblatt der agenziaentrate.gov.it zur Umsatzsteuer Registrierung in Italien

 

Wer als nicht ansässiger Unternehmer hier Neuland betritt, sollte die Inanspruchnahme der Dienstleistungen eines fachkundigen Steuerberaters vor Ort in Erwägung ziehen. Denn Fehler bei der Ausfüllung der Umsatzsteuer Formulare können teuer werden. Oft gibt es, sprachlich bedingt, bereits bei der Umsatzsteuer‐Registrierung erste Probleme.

Die MwSt.-Registrierung inklusive aller nötigen Meldungen sowie die Eröffnung eines Bankkontos sollten daher möglichst über einen italienischen Steuerberater abgewickelt werden, da die bürokratischen Auflagen relativ hoch sind. So müssen z. B. alle Formulare auf Italienisch abgefasst werden, dem gesetzlichen Vertreter muss eine italienische Steuernummer zugewiesen werden, Teile der Satzung, des Gründungsvertrages, der Bescheinigungen Finanzamtes und des Handelsregisters sind zu übersetzen, die Rechnungsformulare sind laut italienischen Vorgaben anzupassen und vieles mehr.

Nachdem in Südtirol neben Italienisch auch Deutsch Amtssprache ist, ist es sinnvoll, einen dort ansässigen Steuerberater zu kontaktieren, da dieser mit Ihnen auf Deutsch kommunizieren kann. Die Kanzlei Graber & Partner mit mehr als 30 Mitarbeitern hat sich auf die Beratung von deutschen und österreichischen Unternehmen im Bereich der MwSt.-Registrierung spezialisiert. Eine solche direkte Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer‐Registrierung ist insbesondere für alle deutschen Unternehmen bzw. Freiberufler, die regelmäßige Geschäftsvorgänge mit Privatpersonen in Italien tätigen, vorteilhaft. Dies betrifft beispielsweise den Onlinehandel.

 

 

Mehrwertsteuer-Information zu weiteren Ländern

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Mehrwertsteuer in Spanien = IVA

Mehrwertsteuer in Italien = IVA

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