Das ist die Flagge der SchweizBis zum 31. Dezember 1994 wurde in der Schweiz auf Waren und Dienstleistungen eine Warenumsatzsteuer (WUSt) erhoben, die am 1. Januar 1995 von der Mehrwertsteuer (MWST) abgelöst wurde. Sowohl innerhalb Europas als auch weltweit gehören die Schweizer Mehrwertsteuersätze zu den niedrigsten Steuersätzen und es gibt nur drei verschiedene Sätze. Die Eidgenossen zahlen 8% MWST für die meisten Dienstleistungen und Handelsprodukte. Neben der regulären Umsatzsteuer in der Schweiz bestehen außerdem noch die ermäßigte Steuer von 2,5% sowie ein Sondersteuersatz von 3,8% für Hotelübernachtungen.

Schweizer Bundesrat diskutiert über die Mehrwertsteuer

Die Schweizer Verbraucher haben noch nicht viele Veränderungen der Umsatzsteuer erlebt. Bei der Umstellung von der Warenumsatzsteuer auf die Mehrwertsteuer Anfang 1995 legte der Schweizer Bundesrat zunächst zwei Steuersätze fest. Am 1. Oktober 1996 kam dann der Sondersatz für Übernachtungen in einem Hotel oder in einer Pension inklusive Frühstück hinzu. Der Sondersteuersatz darf auch dann zugrunde gelegt werden, wenn das Frühstück separat berechnet wird. Alle übrigen Mahlzeiten im Hotel oder in einem Restaurant werden mit 8% besteuert. Nimmt der Gast das Essen jedoch mit (Take-Away), muss er nur 2,5 % MWST zahlen.

Neben dem regulären Steuersatz von 8% und dem Sondersatz von 3,8% gilt die ermäßigte MWST der Schweiz von 2,5% für folgende Produkte:

  • Nahrungsmittel
  • Leitungswasser
  • Produkte des täglichen Bedarfs
  • Getränke ohne Alkohol
  • Zeitungen und Zeitschriften
  • Tierfutter
  • Pflanzen
  • Samen und Setzknollen
  • Bücher
  • Medikamente
  • Eintrittskarten zu Kulturveranstaltungen und Sportereignissen

Seit dem 1. Januar 2011 sind die heutigen Mehrwertsteuersätze in der Schweiz gültig, wobei es seit der Einführung im Jahr 1995 nur drei Erhöhungen gegeben hat. Allerdings sind die aktuellen Umsatzsteuersätze per Bundesbeschluss bis zum 31. Dezember 2017 befristet. Die MWST der Schweiz wurde ursprünglich für den Zeitraum 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2016 angehoben, um die Invalidenversicherung (IV) als Teil der Sozialversicherung des Landes finanziell zu unterstützen. Die Invalidenversicherung sorgt dafür, dass erkrankte Arbeitnehmer entweder eine Wiedereingliedermaßnahme in den Arbeitsmarkt oder finanzielle Unterstützung erhalten, um ihr Existenzminimum zu sichern. Wegen der Konjunkturlage der Schweizer Wirtschaft hat das Parlament des Landes schon im Jahr 2009 beschlossen, die erhöhte Mehrwertsteuer bis zum Jahresende 2017 beizubehalten.

Schon seit dem Jahr 2013 diskutieren die Schweizer Politiker außerdem über eine Reform der Mehrwertsteuer. Zu den derzeit gültigen drei Steuersätzen bestehen 29 Ausnahmen, deren Anzahl reduziert werden soll. Außerdem denken die Politiker über einen oder maximal zwei Steuersätze nach, um die Besteuerung zu vereinfachen. Bisher konnte jedoch noch keine Einigung erzielt wurden und zwei Versuche einer Mehrwertsteuerreform in der Schweiz sind gescheitert.

Die MWST der Schweiz wird auf alle im Inland erbrachten Leistungen und gelieferten Gegenstände angewandt. Als Inland gelten nach Artikel 18 des Schweizer Mehrwertsteuergesetzes neben dem Staatsgebiet des Landes auch:

  • das Fürstentum Liechtenstein
  • die deutsche Enklave Büsingen am Hochrhein
  • die italienische Enklave Campione d’Italia mit Sonderregelungen
  • die nicht zum Schweizer Zollgebiet gehörenden Talschaften Sampour und Samnaun
  • Schweizer Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 100000 CHF können sich entweder von der Steuerpflicht befreien lassen oder sie unterstellen sich freiwillig der Mehrwertsteuer.

Hier finden Sie einen Überblick der Eidgenössische Zollverwaltung EZV (www.ezv.admin.ch) zu den rechtlichen  Grundlagen der Schweizer Mehrwertsteuer

Eine stabile Wirtschaft

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist eines der reichsten Länder der Welt mit einer sehr stabilen Volkswirtschaft. Die Schweiz ist kein Mitglied der Europäischen Union (EU). Trotzdem unterhält das Land zahlreiche Handelsbeziehungen zu seinen Nachbarstaaten Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich und Liechtenstein sowie zu anderen europäischen und außereuropäischen Staaten. Bei der Welthandelsorganisation (World Trade Organization WTO), dem internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation and Development OECD) wird die Schweiz als Mitglied geführt.

Die Wirtschaft des Landes ist bekannt für ihre Innovationen, die Flexibilität, die Wettbewerbsfähigkeit und den stabilen Arbeitsmarkt mit einer dauerhalten Arbeitslosenquote von unter 4%. Die Produkte der Schweizer Unternehmen werden hauptsächlich ins Ausland exportiert.

Zu den Schwerpunkten der Schweizer Wirtschaft zählen nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Schweiz/Wirtschaft_node.html):

  • Chemische Industrie
  • Pharmaindustrie
  • Maschinenbau
  • Elektroindustrie
  • Metallindustrie
  • Feinmechanik (medizinische Instrumente, Uhren, Schmuck)
  • Umweltschutztechnologie
  • Finanzsektor (Banken, Versicherungen, Handel mit Rohstoffen in Zug und Genf)

Rückerstattung der Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer

Schweizer Bürger

Da die Schweiz nicht der EU angehört, können sich die Bewohner des Landes die Mehrwertsteuer erstatten lassen, die sie im europäischen Ausland zahlen. Dazu müssen sich die Schweizer Käufer bei einem Einkauf in Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich zusammen mit der Quittung an der Kasse einen Ausfuhrschein aushändigen lassen. Der ausgefüllte Ausfuhrschein muss zusammen mit der Rechnung für die gekaufte Ware am deutschen Zollschalter an der Grenze abgestempelt werden. Dazu muss der Käufer seinen Ausweis vorlegen, da nur Personen mit einem festen Wohnsitz in der Schweiz die ausländische Umsatzsteuer erstattet bekommen. Außerdem muss bei Einkäufen in Frankreich die eingekaufte Ware einen Mindestwert von 175 Euro haben, in Österreich müssen Schweizer Käufer mindestens 75 Euro ausgeben und in Italien liegt der Mindesteinkaufswert bei 155 Euro. Nur für in Deutschland gekaufte Produkte müssen Schweizer Bürger keinen Mindestwert beachten. Der Mindesteinkaufsbetrag ist der Nettowert der Ware ohne die ausländische Mehrwertsteuer. Liegt der Warenwert bei 300 CHF oder darüber, müssen Schweizer Käufer außerdem beachten, dass sie bei der Einfuhr der Produkte in ihr Heimatland die MWST der Schweiz zahlen müssen. Da die Schweizer Steuersätze aber in jedem Fall unter der ausländischen Umsatzsteuer liegen, sparen Schweizer Einkäufer trotzdem bei jedem Einkauf außerhalb ihrer Landesgrenzen.

Deutsche Bürger

Auch deutsche Besucher können die MWST zurückerhalten, die sie bei einem Einkauf in der Schweiz bezahlt haben, wie die Eidgenössische Zollverwaltung hier erklärt. Dazu müssen die deutschen Käufer jedoch mindestens 300 CHF einschließlich der Schweizer Mehrwertsteuer ausgeben. Für Waren mit einem geringeren Wert gewährt die Schweiz keine Steuererstattung. Um die Steuer zurückzuerhalten, müssen die Besucher bei der Ausreise am Zollschalter das Formular „Ausfuhrdokument im Reiseverkehr“ vorlegen und von den Zollbeamten abstempeln lassen. Dazu ist es notwendig, die Schweiz über eine geöffnete Zollstelle zu verlassen. Allerdings sind die großen Grenzübergänge zwischen Deutschland und der Schweiz in der Regel rund um die Uhr besetzt. Am Flughafen und an kleineren Grenzen müssen die Käufer jedoch gesonderte Öffnungszeiten beachten, um ihre Waren anmelden zu können.

 

Mehrwertsteuer-Information zu weiteren Ländern

Mehrwertsteuer in Belgien

Mehrwertsteuer in Frankreich

Mehrwertsteuer in USA Infos & Tipps

Mehrwertsteuer England

Mehrwertsteuer in Polen

Mehrwertsteuer in Schweden

Mehrwertsteuer Schweiz

Mehrwertsteuer in Spanien = IVA

Mehrwertsteuer in Italien = IVA

Mehrwertsteuer in den Niederlanden