Steuerklasse 2Die Steuerklasse 2 steht derselben Gruppe von Steuerzahlern offen wie Steuerklasse 1, also Ledigen, Geschiedenen, Verwitweten oder dauerhalt getrennt Lebenden. Allerdings muss mindestens ein Kind unter derselben Adresse wie der Steuerpflichtige angemeldet sein und auch dort leben. Außerdem muss der Steuerzahler einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen und er muss für das Kind Kindergeld beziehen oder den Freibetrag für das Existenzminimum des Nachwuchses in Anspruch nehmen. Daher wird die Steuerklasse 2 auch als Lohnsteuerklasse der Alleinerziehenden bezeichnet, die Freibeträge sind dafür höher als in Steuerklasse 1. Mit unserem Gehaltsrechner können sie dies schnell nachprüfen.

Voraussetzungen für die Lohnsteuerklasse 2

  • mindestens ein Kind muß dauerhaft unter derselben Adresse wie der Steuerpflichtige wohnen
  • der Steuerzahler geht einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach
  • der Steuerpflichtige bezieht Kindergeld oder den Freibetrag für das Existenzminimum des Kindes

 

Steuerpflichtige gelten dann als alleinerziehend, wenn sie entweder verwitwet sind oder nicht dem steuerlichen Splitting-Verfahren für Ehepaare unterliegen. Für Witwen und Witwer mit Kind gilt jedoch im Todesjahr des Ehepartners sowie im Folgejahr das sogenannte Gnadensplitting. Durch diesen steuerlichen Vorteil sollen die finanziellen Folgen des Todesfalls gemildert werden.

Freibeträge

Die Freibeträge in der Steuerklasse 2Steuerklasse 2 bietet von allen Lohnsteuerklassen die meisten Freibeträge:

  • Einfacher Grundfreibetrag
  • Arbeitnehmerpauschale oder höhere Werbungskosten mit Belegen
  • Sonderausgabenpauschbetrag oder höhere Sonderausgaben mit Belegen
  • Vorsorgepauschale, abhängig vom Bruttoeinkommen, wird als Freibetrag von den jährlichen Einkünften abgezogen
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  • bei unbeschränkt Steuerpflichtigen pro Kind voller Kinderfreibetrag

Ein Wechsel muß schriftlich beim Finanzamt beantragt werden

Alleinstehende Arbeitnehmer mit Kind, die die Voraussetzungen für die Lohnsteuerklasse 2 erfüllen, müssen den Wechsel in diese Steuerklasse schriftlich beim Finanzamt beantragen. Dazu muss das Formular „Versicherung zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende“ ausgefüllt werden. Ledige Antragsteller müssen ihren Familienstand nicht angeben. Ansonsten fragt das Finanzamt, ob der Steuerpflichtige noch verheiratet oder verpartnert ist, ob es sich um eine Witwe oder einen Witwer handelt oder ob die Lebenspartnerschaft aufgehoben wurde beziehungsweise ein Ehepaar geschieden ist oder dauernd getrennt lebt.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (Alleinerziehendenentlastungsbetrag)

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ist in § 24b EStG definiert. Der Freibetrag wurde im Jahr 2004 als Ersatz für den Haushaltsfreibetrag für Alleinerziehende eingeführt. Es handelt sich um einen festen Betrag, den alleinstehende Erziehungsberechtigte von der Summe ihrer Einkünfte abziehen dürfen, wodurch sich das zu versteuernde Einkommen verringert. Von 2004 bis Ende 2014 blieb die Höhe des Entlastungsbetrages unverändert. Erst im Jahr 2015 erfolgte nach zehn Jahren die erste Anpassung. Gleichzeitig beschloss der Gesetzgeber, den Freibetrag für Alleinerziehende mit mehreren Kindern für jedes weitere Kind um einen zusätzlichen Betrag zu erhöhen.

Wer ist alleinerziehend?

Um als alleinerziehend zu gelten, darf der Steuerzahler nicht mit einer anderen volljährigen Person als Paar zusammenleben. Nur wenn es sich um eine reine Wohngemeinschaft oder bei der volljährigen Person um das eigene Kind handelt, ist das Zusammenleben gestattet. Dazu darf das Kind jedoch nicht älter als 25 Jahre sein und es muss sich in einer Schulausbildung oder in einem Studium befinden beziehungsweise Zivildienst oder Wehrdienst leisten oder als Entwicklungshelfer arbeiten. Sobald ein alleinstehender Arbeitnehmer mit einem Partner zusammenzieht oder sobald der Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise auf den Freibetrag für das Existenzminimum des Kindes entfällt, verliert die Lohnsteuerklasse 2 ihre Gültigkeit. Tritt eines dieser Ereignisse im Laufe eines Kalenderjahres ein, wird der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für jeden Monat, in dem die Voraussetzungen gem. § 24b EStG nicht erfüllt werden, um ein Zwölftel gekürzt.

Welchem Elternteil stehen bei einer Scheidung die Kinderfreibeträge zu?

Geschiedene Elternpaare mit einem oder mehreren Kindern teilen sich bei der getrennten Steuererklärung den Freibetrag für das Existenzminimum der Kinder, wie das Familienministerium auf http://www.familien-wegweiser.de/wegweiser/stichwortverzeichnis,did=38368.html erklärt. Dazu müssen beide Elternteile sozialversicherungspflichtig berufstätig sein. Das Finanzamt prüft bei jedem Elternteil einzeln, ob der Kinderfreibetrag günstiger ist als das ausgezahlte Kindergeld (Günstigerprüfung). Zahlt der unterhaltspflichtige Elternteil nicht zu mindestens 75% den Unterhalt, kann der Elternteil, der die Kinder betreut, den kompletten Freibetrag für sich beanspruchen. Der Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung der Kinder steht je zur Hälfte beiden Elternteilen zu, unabhängig von den Unterhaltszahlungen. Der komplette Freibetrag kann jedoch auf Antrag und bei Zustimmung beider Eltern auf den Elternteil übertragen werden, bei dem die Kinder gemeldet sind.

Download

Versicherung zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Steuerklasse 2 – Versicherung zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Literatur

Bundesfinanzministerium: Steuerliche Entlatungen für Arbeitnehmer, Familien und Alleinerziehende

Elsterforum: Steuerklasse 2 > alleinerziehend > habe ich was bei der Steuer vergessen?

Freie Hansestadt Bremen: Lohnsteuerabzugsmerkmale ändern (Steuerklasse, Religionszugehörigkeit, Anzahl der Kinder, ggf. Frei- und Hinzurechnungsbeträge)

 

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