Belgien Infos zur MehrwertsteuerDas Königreich Belgien ist ein flächenmäßig kleiner Staat mit Grenzen zu Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Deutschland. Im Jahr 1971 wurde die Mehrwertsteuer in Belgien eingeführt. Die Mehrwertsteuersätze in Belgien bestehen aus dem normalen Satz von 21 %, dem Zwischensatz von 12 % sowie der ermäßigten Umsatzsteuer von 6 %. Bedingt durch die enge Nachbarschaft gelten in Belgien die Sprachen Französisch, Niederländisch und Deutsch als Amtssprachen. Aus diesem Grund trägt auch die Mehrwertsteuer drei verschiedene Bezeichnungen:

  • Taxe sur la Valeur Ajoutee, abgekürzt TVA, auf Französisch
  • Belasting over de Toegevoegde Waarde, abgekürzt BTW, auf Niederländisch
  • Mehrwertsteuer, abgekürzt MwSt., auf Deutsch

Das Länderkennzeichen für Belgien ist übrigens BE.

Keine Steuer auf Luxusgüter mehr in Belgien EU

Bei der Einführung der Mehrwertsteuer im Jahr 1971 mussten die belgischen Verbraucher neben einem normalen, einem ermäßigten und einem Zwischensteuersatz auch eine erhöhte Mehrwertsteuer von 25 % auf Luxusgüter zahlen. Diese Steuer hielt sich bis zu ihrer Abschaffung am 31.03.1992, wobei sie in einigen Jahren für bestimmte Produkte noch um
5 % beziehungsweise um 8 % erhöht wurde. Außerdem gab es in dem Beneluxstaat in den Jahren 1982 bis 1999 einen stark ermäßigten Umsatzsteuersatz von 1 %. Seit dem
1. Januar 2000 gelten in Belgien nur noch drei Steuersätze, die sich seither auch nicht mehr verändert haben. Die meisten Produkte und Dienstleistungen sind mit dem Normalsatz von
21 % belegt.

Wie die Europäische Kommission in ihrer Übersicht unter http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/vat/how_vat_works/rates/vat_rates_de.pdf darlegt, gilt der ermäßigte Steuersatz von 6 % für folgende Güter in Belgien:

  • die meisten Nahrungsmittel
  • Wasserlieferungen
  • bestimmte Medikamente
  • Personenbeförderung
  • Bücher
  • Zeitungen
  • Zeitschriften
  • Eintrittskarten für Shows, Theateraufführungen, Kinofilme, Sportveranstaltungen oder Vergnügungsparks
  • bestimmte Bereiche des sozialen Wohnungsbaus
  • landwirtschaftliche Güter
  • Fahrräder
  • Schuhe
  • Lederwaren
  • Hotelkosten
  • Kleidung
  • Haushaltswäsche

Der Zwischensatz von 12 % findet Anwendung für:

  • bestimmte Lebensmittel
  • Restaurantdienstleistungen
  • Reifen
  • einige Energieerzeugnisse

Autokauf in Belgien

Deutsche, die in Belgien einen Neuwagen kaufen, zahlen die Mehrwertsteuer nicht in Belgien, sondern später in Deutschland.

Für den Erwerb eines Gebrauchtwagens von einer Privatperson wird keine Mehrwertsteuer fällig.

Dagegen fällt für den Erwerb eines Gebrauchtwagens von einem gewerblichen Händler Mehrwertsteuer direkt in Belgien an (Laut europa.eu gilt: „Ein Auto gilt als „Gebrauchtwagen“, wenn es über sechs Monate alt ist und bereits mehr als 6000 km zurückgelegt hat“). Einfuhrumsatzsteuer fällt dabei nicht an, genauso wenig wie der Zoll bei diesem Geschäft involviert ist.

Währung von Belgien

Da Belgien EU Mitglied und der Währungsunion beigetreten ist, hat das Land die Währung Euro. Die Währung Belgiens vor dem Euro lautete belgische Franken (belgische Franc). Diese Währung war von 1832 bis zur Einführung des Euro das gültige Zahlungsmittel. Der Euro wurde bereits 1999 zunächst als Buchgeld, in 2002 zur Währungsunion dann auch offiziell als Bargeld eingeführt.

Entwicklung von einer Industrienation zu einem Dienstleister

Wie die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer auf ihrer Seite http://debelux.ahk.de/maerkte/belgien/wirtschaft-und-sektoren/ zeigt, stellen Dienstleistungen den wichtigsten Bereich der belgischen Wirtschaft dar. Das war aber nicht immer der Fall, denn Belgien gilt als das erste industrialisierte Land Europas des 19. Jahrhunderts. Das Land besteht aus dem flämischen Teil im Norden und dem wallonischen Teil im Süden. Zu Beginn des Industriezeitalters florierte die Herstellung von Textilien und Bekleidung in Flandern, während in Wallonien die Eisenverarbeitung und die Stahlindustrie vorherrschten. Außerdem verfügte das Land über große Kohlevorkommen, die die Industrialisierung ebenfalls vorantrieben. Durch die Beherrschung der afrikanischen Kolonie Belgisch-Kongo stieg das Land außerdem zwischen 1908 und 1960 zu einer der europäischen Kolonialmächte auf.

Während der wirtschaftlichen Krise in den 1970er Jahren öffnete sich Belgien vermehrt ausländischen Unternehmen und sorgte dafür, dass sich circa 14000 ausländische Firmen, darunter bekannte Weltkonzerne, in dem Beneluxstaat niederließen. Die Investoren schätzen vor allem die unternehmensfreundliche Steuerpolitik Belgiens, aber auch die hervorragende Infrastruktur, die zentrale Lage des Landes in Europa und die gut ausgebauten Hafenanlagen in Zeebrügge, Antwerpen und Lüttich. Auch die Mehrsprachigkeit der belgischen Arbeitnehmer, der hohe Lebensstandard in dem Land, die politische Stabilität und die vielen internationalen Institutionen, die sich in der Hauptstadt Brüssel angesiedelt haben, tragen zur Attraktivität des Standortes Belgien bei.

Der Industriesektor hat seine wirtschaftliche Bedeutung verloren und Belgien hat sich zu einem Land mit einem ausgeprägten Dienstleistungssektor entwickelt. Als Dienstleister haben sich die belgischen Unternehmen vor allem in diesen Bereichen stark entwickelt:

  • Transportwesen
  • Finanzbereich
  • Kommunikation
  • Messewesen und Kongresswesen
  • weltweiter Handel

Der Finanzbereich befindet sich zum größten Teil in niederländischem Besitz, während der Energiesektor vom französischen Teil der belgischen Bevölkerung dominiert wird.

Im industriellen Bereich werden in Belgien hauptsächlich Fertigwaren sowie Halbfertigprodukte hergestellt. Die wichtigsten Bereiche der belgischen Industrie sind:

  • Eisen und Stahl
  • NE-Metalle
  • Diamanten
  • Metallverarbeitung (inklusive Automobilherstellung)
  • Lebensmittel
  • Glas
  • Textilien

Die wichtigsten Handelspartner des Landes sind die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und die Niederlande, wobei mit deutschen Unternehmen der meiste Handel getrieben wird. In der Welt stellt Belgien das Land mit der höchsten Außenhandelsquote dar.

Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion hat verschiedene Maßnahmen beschlossen, um in den Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) für finanzielle und politische Stabilität zu sorgen. Durch die internationale Finanzkrise ist die Staatsverschuldung vieler Länder weiter angestiegen und hat das im Stabilitäts- und Wachstumspaket angegebene Defizit von 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) überschritten, so auch in Belgien. Das Land wurde daraufhin im Dezember 2009 der ersten Stufe des EU-Defizitverfahrens unterworfen, das die betroffenen Länder auffordert, innerhalb eines bestimmten Zeitraums die Staatsverschuldung auf unter 3 % des BIP zu bringen. Belgien erreichte das Ziel im Jahr 2013 mit einer Neuverschuldung von 2,9 % des BIP. Das Land konnte daraufhin das EU-Defizitverfahren wieder verlassen. Allerdings stieg die Verschuldung im Jahr 2014 wieder auf über 3 % an, sodass die Europäische Kommission Belgien zu den Ländern zählt, in denen ein makroökonomisches Ungleichgewicht herrscht, das politische Gegenmaßnahmen sowie ein Monitoring erforderlich macht: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-15-4975_de.htm.

Limosa-Meldepflicht für ausländische Selbstständige

Selbstständige Unternehmer aus Deutschland, die in Belgien zeitlich befristete oder teilweise Arbeiten ausführen möchten, sind verpflichtet, sich zunächst auf der Internetseite https://www.socialsecurity.be bei Limosa, der Meldestelle der belgischen Regierung für ausländische Arbeitskräfte, anzumelden. Die Anmeldung erfolgt online, nachdem sich der Antragsteller unter Angabe seiner persönlichen Daten registriert hat. Nach erfolgreicher Anmeldung erhält der Selbstständige das Formular Meldungsnachweis Limosa (Dokument L1), das er immer bei sich tragen und gegebenenfalls einem Sozialinspektor bei einer Kontrolle vorlegen muss.

 

Für die Anmeldung muss ein Selbstständiger folgende Angaben machen:

  • Beginn und Ende seiner Tätigkeit in Belgien
  • Identifikationsdaten des belgischen Auftraggebers
  • ob es sich um eine Tätigkeit im Baugewerbe oder um eine Zeitarbeit handelt
  • Adresse des Arbeitsplatzes in Belgien, an dem die tatsächliche Erfüllung der Leistungen stattfindet
  • seit dem 18.12.2014 Identifizierung des Selbstständigen durch seine Mehrwertsteuer- Nummer

Die MwSt. Nummer entspricht der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt IdNr.), die jedes Unternehmen beantragen muss, das Waren an einen Abnehmer mit Sitz in einem EU-Staat liefert. Deutsche Firmen erhalten die Identifikationsnummer beim Bundeszentralamt für Steuern. Für den innergemeinschaftlichen Warenverkehr muss auf der Warenrechnung außerdem die USt IdNr. des belgischen Käufers angegeben werden, damit eine Rechnung ohne Umsatzsteuer ausgestellt werden darf.

Rechnungen mit belgischer Umsatzsteuer

Wenn eine Firma aus Deutschland Waren nach Belgien liefert oder Montagetätigkeiten oder andere Dienstleistungen in dem Land ausführt, fallen häufig Rechnungen an, die mit belgischer Umsatzsteuer belegt sind. Diese USt kann sich das deutsche Unternehmen im Rahmen der Vorsteuervergütung erstatten lassen. Erstattungsfähig sind unter anderem folgende Ausgaben:

  • alle Kosten für einen Lkw, der zum Transport der Waren nach Belgien genutzt wird
  • die Hälfte der Tankkosten, Reparaturrechnungen und sonstigen Ausgaben für einen Pkw, der für Geschäftsreisen nach Belgien genutzt wird
  • die Hälfte der Kosten für einen Mietwagen
  • die Kosten für einen Restaurantbesuch, sofern dieser in direktem Zusammenhang mit der Warenlieferung oder der erbrachten Dienstleistung steht

Der Antrag auf Erstattung läuft über das Bundeszentralamt für Steuern in Deutschland, das auf seiner Homepage unter http://www.bzst.de/ die erforderlichen Erstattungsanträge bereit hält. Der Antrag und alle Belege müssen dem Bundeszentralamt für Steuern elektronisch weitergeleitet werden. Innerhalb von 15 Tagen und nach Prüfung der Umsatzsteuer-Identifikationsnummern von Käufer und Verkäufer entscheidet das Amt, ob es den Antrag auf Vorsteuererstattung an die zuständige Finanzbehörde Bureau Central de TVA Pour Assujettis Etrangers, Département Remboursements in Brüssel weiterleitet. Bei der Beantragung einer vierteljährlichen Vorsteuererstattung muss der Erstattungsbetrag mindestens 200 Euro betragen, bei einer Jahreserstattung mindestens 25 Euro.

 

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Prozent Formel – Mehrwertsteuer Formel