Für den Privatkunden spielen die Zinssätze für Festgeld oder Tagesgeld eine wichtige Rolle. Dies gilt auch für die Beziehung von Banken zu ihren Kunden (C2B = Consumer-to-Business). Aber die Banken handeln auch Kredite untereinander bzw. leihen und verleihen Geld zu einem bestimmten Zinssatz. Der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) ist ein Referenzzinssatz, der in der Europäischen Union (EU) häufig zur Preisgestaltung von Finanzinstrumenten und zur Ermittlung der Kreditkosten verwendet wird. Er stellt den durchschnittlichen Zinssatz dar, zu dem eine Gruppe europäischer Banken einander auf dem Interbankenmarkt Kredite anbietet. Es handelt sich aber nicht um nur einen Zinssatz, sondern mehrere, je nach Laufzeit: Euribor 1 Woche, 1 Monat, 3 Monate und 12 Monate (Tabelle 1). Für den Finanzmarkt ist die 3 Monats Euribor Prognose für die nächsten Monate und Jahre wichtig.
Aktuell: Am 1. März 2024 stand der 3 Monats Euribor bei 3,872, etwas niedriger als am 21. Februar mit 3,873%. Die abnehmenden Zinssenkungserwartungen hinterlassen ihre Spuren.

Tab. 1: Euribor Zinssätze aktuell 1. März 2024. Quelle: bundesbank.de

Euribor aktuell Zinssatz in %
1W 3,872
1M 3,817
3M 3,938
6M 3,912
12M 3,744

Entwicklung des EURIBOR

Wie haben sich die verschiedenen Geldmarktsätze entwickelt? In den folgenden Kapiteln sind die Verläufe der verschiedenen Sätze dargestellt.

Euribor 1W

In der Abbildung 1 ist der Zeitverlauf des Geldmarktzinssatzes für 1 Woche seit 1999 dargestellt.

EURIBOR 1 Woche Laufzeit Entwicklung 1999 - 2024
Abb. 1: Entwicklung des 1W-Euribor von 1999 – 2023. Quelle: bundesbank.de

3 Monats Euribor

Nachdem der 3 Monats Euribor in den ersten 10 Jahren dieses Jahrhunderts positiv war, ging es ab 2013 für einige Jahre in den negativen Bereich. In der Abbildung 2 ist der zeitliche Verlauf des 3-monatigen Geldmarktzinses seit 1999 dargestellt.

Euribor 3 Monate Entwicklung

Abb. 2: Entwicklung des 3-Monats-Euribor von 1999 -Januar 2024. Quelle: bundesbank.de

Diese Daten geben die Entwicklung des 3-Monats-EURIBOR vom 15. Januar 1999 bis zum Januar 2024 2023 wider.
Von 1999 bis 2014 war der 3M-Euribor positiv, was auf ein konventionelles Zinsumfeld hindeutet. Ab Mitte 2015 ging es in den negativen Bereich über, was bedeutete, dass Kreditgeber für die Kreditaufnahme zahlten oder weniger als den Kapitalbetrag zurückerhielten. Dieses Phänomen ist oft eine Folge der Politik der Zentralbanken, die darauf abzielt, die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln, und ist im historischen Kontext eher ungewöhnlich.
Volatilität und starke Bewegungen: Es gab Zeiträume, in denen die Rate stark anstieg oder sank. Beispielsweise kam es im Jahr 1999 und auch im Zeitraum 2006–2007 zu einem starken Zinsanstieg, der der globalen Finanzkrise vorausging. Im Gegensatz dazu war während der Finanzkrise im Jahr 2008 ein starker Rückgang zu beobachten.
Von 2014 bis 2020 blieb die Rate im negativen Bereich und erreichte zu diesem Zeitpunkt im Jahr 2020 nur -0,52. Es gab Krisenzeiten: Während der globalen Finanzkrise zwischen 2007 und 2008 kam es zu Schwankungen des 3M Euribor-Zinssatzes, die zunächst sprunghaft anstiegen und dann drastisch sanken. Während der europäischen Schuldenkrise (ca. 2010-2012) kommt es zu sichtbarem Stress mit erhöhten Zinsen im Vergleich zurzeit unmittelbar davor und danach.

Die Entwicklung der letzten 3 Jahre: viel Dynamik.

  • 2021 bis Anfang 2022: Der 3-Monats-Euribor blieb in dieser Phase ziemlich konstant und im negativen Bereich. Er schwankte zwischen -0,55% und -0,58%.
  • Erste Hälfte 2022: Ab Anfang 2022 bis Juni 2022 stieg der Euribor stetig an. Von -0,56% im Januar stieg er auf -0,24% im Juni.
  • Zweite Hälfte 2022: Ab Juli 2022 bis Dezember 2022 erlebte der Euribor einen signifikanten Anstieg. Er bewegte sich von 0,04% im Juli auf 2,06% im Dezember. Dieser starke Anstieg zeigt, dass die Geldpolitik und die Erhöhung der Leitzinsen durch die EZB einen deutlichen Einfluss auf den Interbanken-Zinssatz hatten.
  • 2023: In den ersten neun Monaten des Jahres 2023 setzte sich der Aufwärtstrend fort. Der 3-Monats-Euribor stieg von 2,35% im Januar auf 3,88% im September.

Die Daten zeigen eine klare Zunahme des 3-Monats-Euribor im Laufe des Jahres 2022 und 2023. Dies korreliert mit der Entscheidung der EZB, die Leitzinsen zu erhöhen, um die Inflation einzudämmen und die Wirtschaft zu stabilisieren. Ein Anstieg des Leitzinses kann dazu führen, dass Banken höhere Zinsen für kurzfristige Finanzierungen am Interbankenmarkt verlangen, was sich im Euribor widerspiegelt.

3 Monats Euribor aktuell im Chart

Wie hat sich der Referenzzinssatz bisher in 2024 entwickelt? die Abbildung 2.1 zeigt den bisherigen Verlauf.

Die tägliche Entwicklung des 3-Monats Euribor im Januar und Februar 2024 zeigte eine bemerkenswerte Volatilität. In 2024 startete der Euribor am 2. Januar mit 3,905%. In den ersten Tagen stieg er leicht auf ein Maximum von 3,936% am 5. Januar, nur um dann auf das Minimum von 3,887% am 26. Januar zu fallen.

Der Trend setzte sich im Verlauf des Januars fort, wobei der Euribor am 16. Januar seinen Tiefststand von 3,894% erreichte. Danach erfolgte eine Erholung, und bis Ende Januar stabilisierte er sich bei 3,905%. Die Streuung im Januar betrug somit 0,049%.

Der Februar begann mit einem leichten Rückgang auf 3,884% am 1. Februar, bevor eine Phase der Konsolidierung einsetzte. Der Euribor schwankte in diesem Monat innerhalb eines begrenzten Bereichs, erreichte jedoch ein Maximum von 3,952% am 27. Februar. Das Minimum im Februar wurde am 9. Februar mit 3,891% verzeichnet. Die Streuung im Februar betrug 0,068%.

3 Monats Euribor 2024

Abb. 2.1: 3 Monats Euribor aktuell und Entwicklung in 2024. Quelle: bundesbank.de

6 Monats Euribor

Die Entwicklung 6-Monats-EURIBOR in den Jahren 1999 bis 2023 zeigt eine Vielzahl von Höhen und Tiefen (Abbildung 3).

Zu Beginn im Jahr 1999 lag der 6-Monats-EURIBOR bei 3,09 Prozent und zeigte in den ersten Monaten des Jahres 2000 eine allmähliche Steigerung, erreichte aber im Jahr 2001 mit 4,68 Prozent einen Höhepunkt. Die Jahre 2002 bis 2006 sahen eine allgemeine Abwärtsbewegung, wobei der Zinssatz auf Tiefststände von 0,94 Prozent im Juni 2003 und 0,32 Prozent im Dezember 2003 sank.
Mit dem Beginn der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 stiegen die Zinssätze wieder an, erreichten im Juli 2008 mit 5,15 Prozent einen Höchststand, fielen dann jedoch drastisch ab, erreichten im November 2009 einen Tiefstand von 0,99 Prozent. In den folgenden Jahren blieb der 6-Monats-EURIBOR überwiegend negativ, insbesondere von 2015 bis 2022.
Ab Mitte 2022 begann der Zinssatz zu steigen und erreichte im Dezember 2022 2,56 Prozent. Bis zum Dezember 2023 stieg er weiter auf 3,927 Prozent an. Diese Entwicklung spiegelt die verschiedenen Phasen der europäischen Wirtschaft, insbesondere die Auswirkungen der Finanzkrise und die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, wider.

Entwicklung des 6-M-EURIBOR

Abb. 3: Entwicklung des 6 Monats Euribor, 1999 – 2023. Quelle: bundesbank.de

Entwicklung des Euribor 12 Monate (12M)

Der Euribor 12-Monats-Zinssatz, ein wichtiger Referenzzinssatz im europäischen Finanzwesen, durchlief seit seiner Einführung im Jahr 1999 eine Reihe von Höhen und Tiefen (Abbildung 4).
In den Anfangsjahren, zwischen 1999 und 2001, blieb der Zinssatz relativ stabil um die Marke von 3 bis 4 Prozent. Doch ab 2001 begann eine allmähliche Abwärtsbewegung, die bis 2003 anhielt. Diese Periode der Zinssenkungen war durch eine lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geprägt, um wirtschaftliche Impulse zu geben und das Wachstum anzukurbeln.

Euribor 12 Monate Entwicklung im Chart

Abb. 4: Chart des Euribor 12-Monate von 1999 – 2023. Quelle: bundesbank.de

Die Jahre 2003 bis 2007 zeigten eine gewisse Stabilität mit einem durchschnittlichen Zinssatz von etwa 2 Prozent, bevor eine Phase der allmählichen Erhöhung einsetzte. Die EZB begann, ihre Geldpolitik anzupassen, was zu einem Anstieg des Euribor führte. Bis 2008 stieg der Zinssatz auf etwa 4,79 Prozent an.

Die Finanzkrise von 2008 markierte einen Wendepunkt. Die EZB reagierte mit drastischen Maßnahmen, um die Auswirkungen abzufedern. Der 12 M Euribor sank rapide und erreichte Ende 2008 den Tiefstand von 3,45 Prozent im Dezember, was hauptsächlich auf die Leitzinssenkungen der EZB zurückzuführen war. Diese tiefen Zinssätze blieben bis Anfang 2011 bestehen, als eine leichte Erholung einsetzte.

Die anschließenden Jahre bis 2019 waren von einer längeren Periode negativer Zinssätze geprägt, die die EZB als Mittel zur Stimulierung der Wirtschaft einsetzte. Diese Phase der Negativzinsen wirkte sich auf verschiedene Finanzbereiche aus und prägte die wirtschaftliche Landschaft in Europa.

Ab 2022 begann die EZB jedoch, ihre Geldpolitik anzupassen, was zu einem spürbaren Anstieg des Euribor führte. Die Leitzinserhöhungen der EZB ab diesem Zeitpunkt hatten direkte Auswirkungen auf den Euribor 12-Monats-Zinssatz, der bis zum aktuellen Zeitpunkt auf einem Niveau von über 4 Prozent blieb.

Insgesamt spiegelt die Entwicklung des Euribor 12-Monats-Zinssatzes die verschiedenen Phasen der Geldpolitik der EZB und die sich ändernden wirtschaftlichen Bedingungen in Europa wider. Von stabilen Zeiten bis hin zu dramatischen Schwankungen war die Reise dieses Zinssatzes ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Herausforderungen und Anpassungen in der Eurozone.

EURIBOR Prognose für 2024, 2025 und 2026

Für Kreditinstitute spielt die zukünftige Entwicklung des Interbankenzinssatzes eine wichtige Rolle. In der Abbildung 5 haben wir die Prognosen ausgewählter Institute dargestellt.

Prognose zum 3 Monats Euribor für 2024 und 2025

Abb. 5: Prognosen zum Euribor 3-Monate für 2024 u. 2025 (Auswahl), Prognosen vom 1. März 2024, nur LBBW 2/2024. Quellen s. Text

Betrachtet man die Prognosen der Marktteilnehmer für die 3-Monats-EURIBOR-Rate im Zeitraum von März 2024 bis März 2024, lässt sich ein allgemeiner Trend in Richtung deutlich fallender Zinsen erkennen.
Die erste Quartalsprognose am 15. März 2024 offenbart eine Bandbreite von 3,80% (Raiffeisen AT) bis 4,02% (Erste Group). Die Commerzbank und die ING bewegen sich mit Prognosen von 4,00% bzw. 3,9% dazwischen.
Bemerkenswert ist, dass alle Prognosen bis zur Mitte des Jahres 2024 einen rückläufigen Trend aufweisen. Die Commerzbank, LBBW, Erste Group, Raiffeisen AT und ING prognostizieren sinkende Werte von 3,75% bis 3,50% für den 3-Monats Euribor am 15. Juni 2024.
Die Gemeinsamkeit in den Prognosen setzt sich im September 2024 fort, wo alle Banken einen weiteren Rückgang vorhersagen. Die Spannweite erstreckt sich hier von 3,30% (Raiffeisen AT) bis 3,50% (Commerzbank). Die Einigkeit in dieser Phase lässt auf einen breiten Konsens hinsichtlich einer fortgesetzten Abnahme der kurzfristigen Zinsen schließen.
Jedoch divergieren die Prognosen im vierten Quartal 2024. Während die Commerzbank mit 3,25% eine stabilere Einschätzung gibt, prognostizieren LBBW (2,90%) und HeLaBa (3,05%) niedrigere Werte,
Der Übergang ins Jahr 2025 zeigt eine gewisse Uneinigkeit zwischen den Prognostikern. Bis zum 15. März 2025 erwarten die Commerzbank und die ING eine Fortsetzung des Abwärtstrends mit Prognosen von 3,00% bzw. 2,9%. Hingegen lassen LBBW und Raiffeisen AT ihre Prognosen offen, was auf mögliche Unsicherheiten in der mittel- bis langfristigen Sicht hinweisen könnte.
Betrachtet man die Minimal- und Maximalprognosen, so verdeutlichen diese die Bandbreite der erwarteten Unsicherheiten. Die Minimalkurse reichen von 2,90% (LBBW, 15.12.2024) bis 3,00% (Commerzbank, 15.03.2025), während die Maximalwerte zwischen 3,40% (LBBW, 15.09.2024) und 4,02% (Erste Group, 15.03.2024) variieren.

Fazit

Insgesamt lässt sich aus diesen Prognosen ableiten, dass die Banken und Marktteilnehmer bis Mitte 2024 einen rückläufigen Trend im 3-Monats Euribor erwarten. Die Unsicherheiten nehmen jedoch im weiteren Verlauf zu, wobei die Prognosen im vierten Quartal 2024 und Anfang 2025 auseinandergehen. Dies spiegelt die Komplexität der Faktoren wider, die die Zinsentwicklung beeinflussen, und zeigt die Herausforderungen bei der Vorhersage langfristiger Finanzmärkte auf.

Prognose Überblick Tabelle

In der Tabelle 2 sind die Prognosen verschiedener Marktteilnehmer zusammengestellt.

Tab. 2: Überblick der Prognosen zum 3-Monats Euribor verschiedener Banken.

Prognose von Prognose Datum Q1 2024 Q2 2024 Q3 2024 Q4 2024 Q1 2025 Q2 2025 Q3 2025 Q4 2025
Commerzbank 23.02.2024 4,00 3,75 3,50 3,25 3,00
DekaBank 04.12.2023 3,75 3,30 2,85
Erste Group 16.02.2024 4,02 3,79 3,40 2,92
HeLaBa 01.03.2024 3,80 3,50 3,30 3,05
ING 01.03.2024 3,90 3,70 3,40 3,10 2,90 2,75 2,50
LBBW 26.01.2024 3,85 3,60 2,90
IKB Febr. 2024 3,40 2,80
SEB 06.02.2024 3,70 3,48 3,27 3,04

Die EZB gibt in ihren Projektionen (Stand 14.12.2023) für 2024 einen Mittelwert von 3,6%, für 2025 von 2,8% und für 2026 2,7% an. Die Prognose der Notenbank geht damit von einem deutlichen Rückgang des Zinssatzes von 2024 nach 2025 aus.

Wo sieht die Commerzbank die Euro Interbank Offered Rate? Die Commerzbank prognostiziert den Zinssatz für das 1. Quartal 2024 bei 4,00% und für das 2. Quartal bei 3,75%. Auch für die Vorhersage für die nächsten Quartale 2024 gehen von einem Rückgang von jeweils 0,25% aus. Zum Jahresende 2024 werdeb 3,25% und zum Ende des 1. Quartals 2025 3,0% erwartet, wie aus der Tabelle 2 hervorgeht. In ihrer Voraussage vom 15. September 2023 war die Bank noch von durchgängig 3,80% ausgegangen.

Tab. 2: Prognose der Commerzbank zum 3-Monats-Euribor (Prognosedatum 23.02.2024). Quelle: commerzbank.de

     Q1 2024      Q2 2024      Q3 2024      Q4 2024      Q1 2025
 4,00% 3,75% 3,50% 3,25% 3,00%

Die Commerzbank hat ihre Vorhersage in den letzten Wochen reduziert: Im Oktober 2023 prognostizierte die Bank für die ersten 3 Quartale 2024 noch 4,0%, am 23. Februar 2024 erwartet die Bank noch 4,00% im 1. Quartal, dann aber nur noch 3,75% bzw. 3,50% im 2. bzw. 3. Quartal. zum 1. Quartal 2025 erwartet die Bank einen Zins von 3,00%.

Die Oberbank erwartet zunächst einen Anstieg des 3M-Euribor auf 4,02% im März 2024, dann ein Wert von 4,0% für Juni und zum September und Dezember 2024 wird ein Rückgang auf 3,40% bzw. 2,92% prognostiziert (Tabelle 3).

Tab. 3: Prognose der Oberbank zum 3-Monats-Euribor (Prognosedatum Januar 2024). Quelle: oberbank.at

März 2024 Juni 2024 September 2024 Dezember 2024
4,02% 3,79% 3,40% 2,92%

Prognosen der Volksbank Rhein-Ruhr eG: Die Bank erwartet in ihrer Prognose vom Oktober 2023 sowohl für Januar als auch für Oktober 2024 eine Stagnation für den 3-Monats-Euribor.

Auch die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau erwarten einen Zinsanstieg in ihrem Hauptszenario.

Tab. 4: Prognose der Prognosen der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau zum 3-Monats-Euribor, Hauptszenario (Prognosedatum Oktober 2023). Quelle: sparkasse-freiburg.de

Oktober 2023 Dezember 2023 Juni 2024 Dezember 2024
4,00% 4,00% 4,00% 3,80%

Die Raiffeisen Bank International AG sieht zwar auch einen Anstieg in bis Dezember 2023, sagt aber für 2024 mit 3,70% im März 2024 und 3,55% im Juni 2024 und 3,45% für Dezember 2024 geringere Werte für den 3M-Euribor als die Wettbewerber voraus

Vorhersage der Survey of Monetary Analysts

Die aktuellen Ergebnisse der Survey of Monetary Analysts ist in der Tabelle 6 angegeben. Im April 2024 sehen die Analysten den 3M-Euribor bei 3,90%, Ende 2024 bei 3,25%, Ende 2025 bei 2,36%. Im 4. Quartal 2026 rechnen die SMA mit einem Zins von 2,33%.

Tab. 6: Prognose der Survey of Monetary Analysts, Stand Januar 2024. Angegeben ist der Median in Prozent. Datenquelle: ecb.europa.eu.

Vorhersage zu Euribor Prognose (Median in %)
03.2024 3,95
04.2024 3,90
06.2024 3,75
07.2024 3,60
09.2024 3,40
10.2024 3,25
12.2024 3,00
2025Q1 2,77
2025Q2 2,60
2025Q3 2,45
2025Q4 2,36
2026Q1 2,35
2026Q2 2,35
2026Q3 2,35
2026Q4 2,33
2027Q1 2,30
2027Q2 2,30
2027Q3 2,30
2027Q4 2,30
long 2,05

In der Abbildung 6 ist die Entwicklung des 3M Euribor grafisch dargestellt.

SMA Prognose zum 3 Monats Euribor

Abb. 6: Prognose der Survey of Monetary Analysts zum 3 Monats Euribor jeweils zum Quartalsende (Stand 1/2024). Quelle: ecb.europa.eu

Prognose der Professional Forecasters (PFs)

Gegenüber ihrer Juli 2023 Prognose haben die Marktteilnehmer ihre Vorhersage leicht erhöht

Tab. 8: Prognose der Professional Forecasters, Stand 27.10.2023. Angegeben ist der Median in Prozent. Datenquelle: ecb.europa.eu.

Zeitpunkt Prognose 3M-Euribor
2023 3,40%
2024 3,70%
2025 3,10%

Die PFs prognostizieren als einzige für 2024 einen deutlich höheren Zins für den 3M-Euribor als für 2023 und 2025. Dies ist relativ gemeint, da andere Markteilnehmer, wie z. B. die Commerzbank oder die Oberbank für 2024 4,0% vorhersagen.

Wie wird der Euribor® berechnet?

Berechnung: Der EURIBOR wird täglich vom European Money Markets Institute (EMMI) auf der Grundlage von Eingaben einer Gruppe großer Banken in der Eurozone berechnet. Diese Banken geben Schätzungen der Zinssätze ab, die sie für die Ausleihe ungesicherter Mittel an andere Banken für verschiedene Laufzeiten anbieten würden, die bis zu 12 Monaten reichen.

Umgangssprachlich wird oft nur vom „EURIBOR-Zinssatz“ gesprochen. Dabei gibt es tatsächlich mehrere verschiedene Sätze, je nach Laufzeit: EURIBOR-Zinssätze werden für verschiedene Laufzeiten veröffentlicht, die unterschiedliche Zeiträume abbilden. Jede Laufzeit spiegelt die geschätzten Kreditkosten für den angegebenen Zeitraum wider. Zu den am häufigsten verwendeten Laufzeiten gehören:

  • Overnight (O/N): Der Overnight-EURIBOR-Satz stellt den Zinssatz für unbesicherte Kredit- und Kreditgeschäfte mit einer Laufzeit von einem Geschäftstag dar.
  • Eine Woche (1W): Der einwöchige EURIBOR-Satz spiegelt die geschätzten Kreditkosten für unbesicherte Transaktionen mit einer Laufzeit von einer Woche wider.
  • Ein Monat (1M): Der Einmonats-EURIBOR-Satz stellt die geschätzten Kreditkosten für unbesicherte Transaktionen mit einer Laufzeit von einem Monat dar.
  • Drei Monate (3M): Der Dreimonats-EURIBOR-Satz gibt die geschätzten Kreditkosten für unbesicherte Geschäfte mit einer Laufzeit von drei Monaten an.
  • Sechs Monate (6M): Der Sechsmonats-EURIBOR-Satz stellt die geschätzten Kreditkosten für unbesicherte Transaktionen mit einer Laufzeit von sechs Monaten dar.
  • Zwölf Monate (12M): Der Zwölfmonats-EURIBOR-Satz spiegelt die geschätzten Kreditkosten für unbesicherte Transaktionen mit einer Laufzeit von zwölf Monaten wider.

Einflussfaktoren auf Prognosen der Euro Interbank Offered Rate

Die Faktoren, die die Euro Interbank Offered Rate beeinflussen sind komplex. Entsprechend sind Prognosen auf den Euribor schwierig, da bereits jede Einflussgröße eine hohe Variabilität aufweist.
Die Europäische Zentralbank (EZB) spielt eine entscheidende Rolle bei der Prognose des Euribor-Zinssatzes. Die EZB legt die Geldpolitik für die Eurozone fest und nutzt Instrumente wie Zinsänderungen, Offenmarktgeschäfte und quantitative Lockerung, um die Inflation zu steuern und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Entsprechend bekommt der Zinsentscheid auf den EZB-Sitzungen immer besondere Aufmerksamkeit. Änderungen der Leitzinsen der EZB, insbesondere des Hauptrefinanzierungssatzes, können sich direkt auf den Euribor-Satz auswirken. Hier ist eine Übersicht der Prognosen zu den EZB-Leitzinsen zu finden.
Natürlich ist auch die Nachfrage und das Angebot an Mitteln auf dem Interbankenmarkt besonders wichtig. Wenn Banken über überschüssige Liquidität verfügen, ist der Euribor-Satz tendenziell niedriger, da die Banken um die Verleihung ihrer überschüssigen Mittel konkurrieren. Umgekehrt kann der Euribor-Satz aufgrund höherer Kreditkosten steigen, wenn es bei Banken zu Liquiditätsengpässen oder einer erhöhten Nachfrage nach Mitteln kommt.

Für Prognosen sind auch die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen wie BIP-Wachstum, Arbeitslosenquote, Inflationsrate sowie Verbraucher- und Geschäftsvertrauen wichtig. Positive Wirtschaftsindikatoren können zu niedrigeren Euribor-Sätzen führen, was auf ein günstigeres Kreditumfeld hindeutet. Umgekehrt können schwächere Wirtschaftsindikatoren aufgrund einer erhöhten Risikowahrnehmung und höheren Kreditkosten zu höheren Euribor-Sätzen führen.
Die Kreditwürdigkeit und das wahrgenommene Risiko von Banken, die am Interbanken-Kreditmarkt teilnehmen, können den Euribor-Satz beeinflussen. Wenn Bedenken hinsichtlich der finanziellen Gesundheit bestimmter Banken oder der Stabilität des Bankensystems insgesamt bestehen, kann dies dazu führen, dass höhere Risikoprämien auf den Euribor-Zinssatz aufgeschlagen werden und die mittelfristigen Euribor Prognosen für 2023, 204 und 2025 konterkarieren.

Generelle Informationen

Der EURIBOR dient als Referenzzinssatz für eine Vielzahl von Finanzprodukten, wie z. B. Hypotheken mit variablem Zinssatz, gewerbliche Kredite und Derivate. Es stellt einen Maßstab dar, anhand dessen die Zinssätze für diese Instrumente ermittelt werden können.

EURIBOR-Sätze sind öffentlich zugänglich und werden Finanzinstituten, Marktteilnehmern und der breiten Öffentlichkeit umfassend zur Verfügung gestellt. Diese Transparenz trägt dazu bei, die Glaubwürdigkeit und Integrität des Referenzzinssatzes sicherzustellen.

Ist der EURIBO reguliert? Als Reaktion auf den Manipulationsskandal um wichtige Referenzzinssätze, darunter den LIBOR (London Interbank Offered Rate), führte die EU 2016 die EU-Benchmark-Verordnung (BMR) ein. Die Verordnung zielt darauf ab, die Governance und Integrität von Benchmarks wie dem EURIBOR zu verbessern.

Wie wirken sich Änderungen des Zinssatzes aus?  Änderungen der EURIBOR-Zinssätze beeinflussen die Kreditkosten für Finanzinstitute und wirken sich auf die Zinssätze aus, die Verbrauchern und Unternehmen angeboten werden. Wenn die EURIBOR-Zinssätze steigen, wird die Kreditaufnahme für Banken in der Regel teurer, was zu höheren Kreditzinsen für Kredite und Hypotheken führt.

Manipulation

Es gab Fälle von Manipulation des EURIBOR-Zinssatzes, ähnlich den Manipulationsskandalen, die es bei anderen Referenzzinssätzen wie dem LIBOR (London Interbank Offered Rate) gab. Die Manipulation des EURIBOR kam während der globalen Finanzkrise Ende der 2000er Jahre und anschließender Untersuchungen der Aufsichtsbehörden ans Licht.

Hier sind einige wichtige Punkte im Zusammenhang mit der Manipulation des EURIBOR:

Ermittlungen und Bußgelder: Aufsichtsbehörden, darunter die Europäische Kommission und nationale Finanzaufsichtsbehörden, führten Untersuchungen zur Manipulation des EURIBOR durch. Es wurde festgestellt, dass mehrere Banken an der Manipulation des Zinssatzes beteiligt waren, indem sie falsche oder ungenaue Daten übermittelten, um die Benchmark zu beeinflussen. Infolgedessen mussten diese Banken mit erheblichen Geldstrafen und rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Absprachen und falsche Eingaben: Bei der Manipulation handelte es sich um Absprachen zwischen Händlern und Einreichern der teilnehmenden Banken, die versuchten, den EURIBOR-Satz zu ihrem eigenen Vorteil zu beeinflussen. Sie manipulierten die Einreichungen, indem sie die Zinssätze entweder künstlich erhöhten oder senkten, um von ihren Handelspositionen zu profitieren oder eine falsche Vorstellung von der finanziellen Gesundheit ihres Instituts zu erzeugen.

Regulierungsreformen: Die Manipulationsskandale um Referenzzinssätze, einschließlich EURIBOR, haben die Notwendigkeit einer verstärkten Regulierungsaufsicht und Reformen deutlich gemacht. Die Behörden haben Maßnahmen zur Verbesserung der Governance und Integrität von Referenzzinssätzen umgesetzt, beispielsweise die EU-Benchmark-Verordnung (BMR), die Anforderungen an Benchmark-Administratoren, Beitragszahler und Aufsichtsbehörden festlegt.

Schadensersatz und rechtliche Schritte: Nach den Manipulationsaufdeckungen haben verschiedene von den verzerrten EURIBOR-Sätzen betroffene Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen rechtliche Schritte eingeleitet, um eine Entschädigung für die durch die künstlich beeinflussten Zinssätze entstandenen Verluste zu verlangen. Bei diesen Klagen handelte es sich sowohl um Einzelklagen als auch um Sammelklagen.

Übergang zu alternativen Zinssätzen: Die Manipulationsskandale sowie der allgemeine Bedarf an robusteren Referenzzinssätzen führten zu weltweiten Bemühungen, von den Interbank Offered Rates (IBORs) auf alternative risikofreie Zinssätze (RFRs) umzusteigen. In der Eurozone wurde der Euro Short-Term Rate (€STR) als Ersatz für den EURIBOR identifiziert, da er auf tatsächlichen Transaktionen basiert und die Übernachtkreditkosten im Euroraum widerspiegelt.

Alternative Zinssätze: Im Rahmen der weltweiten Bemühungen zur Abkehr von den von Interbanken angebotenen Zinssätzen, einschließlich EURIBOR und LIBOR, die auf unbesicherter Kreditvergabe basieren, wurden alternative risikofreie Zinssätze entwickelt. In der Eurozone wurde der Euro Short-Term Rate (€STR) als risikofreier Zinssatz für den Euroraum festgelegt. Auf der Seite €STR aktuell wird dieser Zinssatz beschrieben.

Begriff bzw. Definition

Der Euribor-Zinssatz, der für Euro Interbank Offered Rate steht, ist ein Referenzzinssatz, der in der Eurozone zur Bestimmung der Zinssätze für verschiedene Finanzinstrumente wie Kredite, Hypotheken und Derivate verwendet wird.

Literatur und Quellangaben

Oberbank – https://www.oberbank.at/

Commerzbank – Research

ERSTE Group

HeLaBa – Wochenvorschau

IKB Barometer

https://www.raiffeisen.at/internetwertpapiere/de

Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau

Volksbank Rhein-Ruhr eG

EZB Projektionen

LBBW Kapitalmarktkompass

Becchetti F., et al., 2011: The Determinants of Euribor Panel Bank Quotes (Journal of Banking & Finance, 2011)

Read, Oliver & Beißer, J., 2020: Die Reform der Referenzzinssätze EONIA und EURIBOR. Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft, vol. 32, no. 5, 2020, pp. 304-316. Link.

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