Grossbritannien FlaggeDas Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland wird häufig nur England genannt. Es handelt sich um einen Inselstaat, der aus den Ländern England, Wales, Schottland und Nordirland besteht. Die normale Mehrwertsteuer in England beträgt 20 %, für ermäßigte Produkte und Dienstleistungen müssen die Verbraucher 5 % MwSt. zahlen. Auf Englisch wird die Steuer Value added tax genannt, die Abkürzung lautet VAT. Die Währung ist das Pfund, weshalb für steuerliche Belange eine Umrechnung mit den amtlichen Währungskursen der EZB zu erfolgen hat. Für Urlauber ist die Mehrwertsteuer England ohne große Relevanz.

Nur zwei Mehrwertsteuersätze in England

Seit dem Jahr 1973, in dem die Mehrwertsteuer in England eingeführt wurde, setzten die Finanzbehörden des Landes entweder einen oder maximal zwei Steuersätze fest. Zum ersten Mal zahlten die britischen Verbraucher im Jahr 1974 eine zweite Umsatzsteuer als erhöhten Satz von 25 %, der im Jahr 1976 auf 12,5 % halbiert wurde. Ab 1979 folgten 15 Jahre mit nur einem Steuersatz, bevor im April 1994 einmalig ein Zwischensatz von 8 % eingeführt wurde. Dieser Zwischensatz hielt sich nur bis zum 1. Januar 1995.

Seit 2011 zahlen die Briten den Normalsatz mit 20% für die meisten Güter und Dienstleistungen, die auf der Insel umgesetzt werden. Außerdem gibt es einen ermäßigten Satz von 5%, der unter anderem für folgende Produkte angewandt wird:

  • Heizöl
  • Erdgas
  • sozialer Wohnungsbau
  • Elektrizität

Daneben gibt es einige Güter und Dienstleistungen, für die keine Umsatzsteuer im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland gezahlt werden muss. Dazu gehören:

  • fast alle Nahrungsmittel
  • Medikamente, die von einem Arzt verordnet werden
  • Bücher und Zeitungen
  • Kinderkleidung
  • medizinisches Gerät
  • Taxifahrten, Bustickets, Zugfahrkarten und sonstige öffentliche Personenbeförderung

Die wirtschaftliche Situation in England

Der angelsächsische Kapitalismus beruht auf der Volkswirtschaft Englands. Die britische Regierung befolgt hinsichtlich der einheimischen Volkswirtschaft folgende Grundsätze:

  • freier Markt
  • geringe Steuern
  • geringe Anzahl staatlicher Eingriffe (Liberalisierung)
  • wenig Regulierung

Die Größe einer Volkswirtschaft wird häufig nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Schon seit vielen Jahren belegt Großbritannien in Europa den dritten Platz und befindet sich auch weltweit unter den zehn größten Wirtschaftsnationen. Im 19. Jahrhundert war England die führende Nation im weltweiten Handel, wobei Industrieprodukte den größten Anteil ausmachten. Die industrielle Produktion auf der Insel ging jedoch im 20. Jahrhundert immer weiter zurück, sodass sie heute nur noch etwas über zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Stattdessen hat sich das Land verstärkt auf den Dienstleistungssektor konzentriert, der zu fast 80 % das BIP bestimmt.

Die top Wirtschaftszweige

Mit diesen Wirtschaftszweigen erzielen die Briten die meisten Umsätze:

  • Finanzsektor als wichtigster Dienstleistungsbereich
  • Fremdenverkehr
  • Automobilindustrie, wobei es keine Unternehmen mehr mit britischen Eigentümern gibt
  • Raumfahrtindustrie und Luftfahrt
  • chemische Industrie
  • pharmazeutische Industrie
  • Rüstungstechnologie
  • Elektrotechnik
  • Informationstechnologie
  • Telekommunikation
  • Förderung von Erdöl, Erdgas und Kohle
  • Landwirtschaft

Der Finanzsektor ist von besonderer Bedeutung

Vor allem der Finanzsektor hat sich zu einem sehr starken Bereich der Volkswirtschaft in England entwickelt. Im Londoner Stadtteil City of London haben zahlreiche Banken und Versicherungen aus aller Welt eine Geschäftssitz, sodass es sich um den größten Finanzplatz Europas und den zweitgrößten Finanzplatz der Welt handelt. Nur in New York finden täglich mehr Finanztransaktionen statt. Um den Finanzplatz zu stärken, plant die britische Regierung die Senkung der Steuern auf die Bilanzwerte der Unternehmen und will dafür eine Gewinnsteuer einführen. Die Besteuerung der Bilanzwerte führt bei den Firmen bei einem sinkenden Gewinn zu einer höheren finanziellen Belastung, weshalb erste ausländische Kreditinstitute über die Aufgabe ihres Geschäftssitzes in London nachdenken.

Export und EU

England exportiert etwa zehn Prozent weniger Güter als Deutschland. Wie das britische Office for National Statistics (ONS) auf seiner Homepage unter http://www.ons.gov.uk/ons/rel/international-transactions/outward-foreign-affiliates-statistics/how-important-is-the-european-union-to-uk-trade-and-investment-/sty-eu.html erklärt, unterhält England starke wirtschaftliche Beziehungen zu den anderen Ländern der Europäischen Union (EU). Dabei importiert das Land circa 10 % mehr Produkte aus dem europäischen Ausland, als Waren und Dienstleistungen aus dem Inselstaat an europäische Geschäftspartner geliefert werden. Die Behörde weist auch darauf hin, dass die Handelszahlen mit Geschäftspartnern mit Sitz innerhalb der EU seit dem Jahr 1999 beständig sinken. Daher führt das starke Wirtschaftswachstum in vielen Ländern außerhalb der EU dazu, dass diesen Schwellenländern steigende Bedeutung als Handelspartnern Großbritanniens zukommt. Diese Ausweichmöglichkeit auf andere Länder zeigt sich auch in den Verhandlungen der britischen Regierung mit der EU. Sobald innerhalb der Europäischen Union Beschlüsse gefasst werden, mit denen die Briten nicht einverstanden sind, steht schnell die Ankündigung im Raum, dass das Land die Mitgliedschaft in der EU aufkündigt, falls die eigenen Forderungen nicht erfüllt werden.

England zeichnet sich durch umfassende Sozialleistungen für Rentner, Arbeitslose, Behinderte und Kranke, Familien mit Kindern und Arbeitnehmer mit einem geringen Einkommen aus. Das zeigt sich deutlich am National Health Service (NHS), dem staatlich geführten Gesundheitswesen, wodurch für die Bewohner des Landes die ärztliche Versorgung kostenlos ist.

Umsatzsteuerrechnungen im innergemeinschaftlichen Warenverkehr

Die Deutsch-Britische Industrie-und Handelskammer (German-British Chamber of Industry & Commerce) stellt auf ihrer Internetseite http://grossbritannien.ahk.de/fileadmin/ahk_grossbritannien/Dokumente/Formulare/Tax/B1_Merkblatt_Rechnungsanforderungen_im_VK2015.pdf ein Muster für eine Handelsrechnung vor, die ein deutscher Unternehmer seinem englischen Geschäftspartner ausstellen muss. Das korrekte Erstellen der Rechnung ist für den Käufer wichtig, damit er die gezahlte USt als Vorsteuer wieder erstattet bekommt. Außerdem achten die britischen Behörden bei Kontrollen und Betriebsprüfungen auf die formale Richtigkeit der Rechnungen. Die Rechnung darf in der Landessprache des Verkäufers ausgestellt sein.

Zunächst unterscheidet der englische Fiskus zwischen einer less detailed VAT invoice und einer VAT invoice. Der Unterschied liegt im Rechnungsbetrag, der bei einer less detailed VAT invoice bei maximal 250 GBP liegen darf. Diese Rechnungen müssen weniger Angaben enthalten als eine VAT invoice, deren Summe 250 GBP übersteigt.

Folgende Angaben muss eine ordnungsgemäße VAT invoice aufweisen:

  • Adresse und Name des Käufers
  • Adresse und Name des Verkäufers
  • englische Umsatzsteuernummer des Verkäufers
  • fortlaufende Nummer der Rechnung
  • Rechnungsdatum
  • Lieferdatum beziehungsweise Datum der Ausführung einer Dienstleistung
  • genaue Beschreibung inklusive Menge der gelieferten Ware beziehungsweise Umfang der erbrachten Dienstleistung
  • Nettopreis des Produktes oder der Leistung mit freier Auswahl der Währung (EUR oder GBP)
  • gegebenenfalls Rabatt oder Skonto mit freier Auswahl der Währung
  • Gesamtbetrag der Rechnung als Nettowert mit freier Auswahl der Währung
  • Angabe des MwSt. Satzes, wobei auch 0 % für umsatzsteuerbefreite Waren und Leistungen angegeben werden müssen. Außerdem muss die Rechnung eine Begründung für die Nichtversteuerung bieten.
  • Umsatzsteuerbetrag, zwingend in GBP umgerechnet
  • Umsatzsteueridentifikationsnummer des Käufers

Bis Dezember 2012 mussten ausländische Unternehmen, die Güter nach England lieferten oder dort Dienstleistungen erbrachten, wie die englischen Unternehmen auch, erst ab einem Jahresumsatz von 76000 GBP eine britische Umsatzsteuernummer (UK USt ID) beantragen. Das hat sich aber geändert und deutsche Unternehmer müssen darauf achten, dass sie für jedes Geschäft mit einem englischen Geschäftspartner die Steuernummer benötigen. Die Nummer sollte bei einem geplanten Englandgeschäft rechtzeitig angefordert werden, da sich die Behörden auf der Insel zwischen einem und sechs Monaten für die Erteilung der Umsatzsteuernummer Zeit lassen. Die Beantragung kann durch das ausländische Unternehmen selbst oder durch einen steuerlichen Vertreter (Tax Representative) erfolgen.

Währung ist das Pfund

Die Angabe des Lieferdatums auf der Rechnung ist wichtig, da erst mit dem Datum der Lieferung die Umsatzsteuer fällig wird. Während alle anderen Beträge auf der Rechnung auf eine andere Währung als englische Pfund lauten dürfen, muss der Umsatzsteuerbetrag umgerechnet werden. Falls es sich um Waren mit unterschiedlichen Steuersätzen handelt, muss jeder Mehrwertsteuerbetrag einzeln ausgewiesen werden. Der Rechnungsaussteller kann entweder die in der britischen Tagespresse veröffentlichen aktuellen Umrechnungskurse zugrunde legen oder er nimmt den Referenzkurs der EZB beziehungsweise den offiziellen Umrechnungskurs, den die englische Finanzbehörde HMRC (HM Revenue & Customs) monatlich veröffentlicht. Auf der Rechnung muss zu sehen sein, für welchen der Kurse sich der Verkäufer entschieden hat.

Arbeit in England

Sie beabsichtigen in England bzw. Großbritannien eine Arbeit aufzunehmen? Aufgrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU Mitgliedsländer ist dazu jeder EU Bürger berechtigt. Mit einer guten deutschen Sprachausbildung ist schon einmal ein großer Pluspunkt für einen neuen Job in England erzielt, denn die Engländer sprechen immer weniger Deutsch. Glasgow und Edinburg zählen neben London zu den großen Arbeitgeber Städten. Für einen Verdienst Vergleich eignet sich unser Brutto-Netto-Rechner.

 

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