Inflation im Euroraum 2023 Die Europäische Zentralbank ist für die Geldpolitik in der gesamten EU verantwortlich. Die Entwicklung der Verbraucherpreise beeinflussen die Entscheidungen der EZB Zinsentscheide ganz besonders. Die Notenbank muss aber auf die Trends in allen EU-Ländern achten. Deshalb ist die aktuelle Inflation in Deutschland nur eine unter vielen, die Berücksichtigung findet.
Eurostat berechnet die Inflation in der EU aus den Inflationsraten der Mitgliedsländer nach einem Wichtungsschema. Veröffentlicht wird der HVPI als die Inflation Europa für den gesamten Euroraum (Eurozone). Achtung: Die Inflationsrate für die Europäische Union und dem Euroraum sind nicht identisch! Im Juni 2024 lagen die Verbraucherpreise im Euroraum 2,6% über denen vom Vorjahresmonat, im Mai waren es 2,6%. Aus der Abbildung 1 wird deutlich, dass sich die Verbraucherpreise in den letzten 5 Monaten, mit ausnahme von August, nur wenig verändert haben. Von einem deutlichen Inflationsrückgang kann nicht gesprochen werden. Die mittleren Inflations-Prognosen für den Euroraum liegen 2024 bei 2,5% und 2025 bei 2,2%.
Statistik 2023: Die Jahresinflation im Euroraum beträgt 2023 5,5%, der Median 5,5%. Die Standardabweichung ist 2,1.

Der Bloomberg Consensus für die Verbraucherpreisänderung im November 2024 ist 2,3%. Dieser mögliche Anstieg dürfte überwiegend auf ungünstige Basiseffekte verursacht sein. Die EZB hatte einen solchen temporären Anstieg bereits prognostiziert.

 

Aktuelle Inflation im Euroraum (HVPI) Dezember 2024 2,4% (November 2,3%, Dezember 2023 2,9%, 2022 = 9,2%)
Jahresinflation 2024 voraussichtlich 2,4%

 

Betrachtet man die Hauptkomponenten der Inflation im Euroraum, dürften die Dienstleistungen im Dezember die höchste Jahresrate aufweisen (4,0% gegenüber 3,9% im November), gefolgt von Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak (2,7%, unverändert gegenüber November), Industriegütern ohne Energie (0,5% gegenüber 0,6% im November) und Energie (0,1% gegenüber -2,0% im November).

Inflation im Euroraum 2025

In der Tabelle 1 sind die Veröffentlichungsdaten der Inflationsrate im Euroraum für 2025 angegeben. Eurostat liefert in einigen Monaten vorab eine Schnellschätzung. Die erste Schnellschätzung für die Verbraucherpreisentwicklung im März erfolgt zum 1. April 205.

Tab. 1: Veröffentlichungstermine der Inflationsrate für den Euroraum 2025. Quelle: europa.eu

Datum HVPI-Schnellschätzung  HVPI endgültig
17.01.2025 nein ja
03.02.2025 nein ja
24.02.2025 nein ja
03.03.2025 nein ja
19.03.2025 nein ja
01.04.2025 ja nein
16.04.2025 nein ja
02.05.2025 ja nein
19.05.2025 nein ja
03.06.2025 ja nein
18.06.2025 nein ja
01.07.2025 ja nein
17.07.2025 ja nein
01.08.2025 ja nein
20.08.2025 ja nein
02.09.2025 ja nein
17.09.2025 nein ja
01.10.2025 nein ja
17.10.2025 nein ja
31.10.2025 nein ja
19.11.2025 nein ja
02.12.2025 ja nein
17.12.2025 nein ja
07.01.2026 ja nein
19.01.2026 nein ja

Verbraucherpreise 2022 – 2024

Der Finanzmarkt erwartet mit Spannung, wie sich die Verbraucherpreise im Euroraum in 2024 und die Inflation in den USA entwickeln werden. Einig sind sich die meisten Analysten und Ökonomen, dass der Gipfel der Inflation in 2022 erreicht wurde. Die Frage ist: wie stark gehen die Inflationsraten in 2024 zurück. Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung in den letzten 2 Jahren. Die Abnahme der Verbraucherpreisänderungen scheint sich aktuell als Trend fortzusetzen.

In der Abbildung 1 sind die Änderung der Verbraucherpreise nach Monaten dargestellt.

Inflationsrate im Euroraum 2022 und 2024

Abb. 1: Inflation (HVPI) im Euroraum in 2022 – 2024. Quelle: ec.europa.eu/eurostat

Die Inflation lag im Januar 2022 bei 5,1% und zeigte in den darauffolgenden Monaten einen deutlichen Anstieg. Im März erreichte sie 7,4% und stieg bis Mai weiter auf 8,1%. Mitte 2022: Zwischen Juni und Oktober 2022 erfuhr die Inflation einen signifikanten Anstieg, wobei sie von 8,6% auf 10,6% kletterte. Dieser Anstieg könnte auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, wie z.B. eine Erholung der Wirtschaft nach der COVID-19-Pandemie, gestiegene Energiepreise oder Lieferkettenprobleme, die zu einem Anstieg der Produktionskosten führen. Ende 2022: Ab November 2022 ist eine Änderung der Tendenz zu bemerken. Der HVPI sank von 10,1% im November auf 9,2% im Dezember. Das zeigt eine Abschwächung der Inflation gegen Ende des Jahres.

2024

Die Inflation im Euroraum, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), zeigt für das Jahr 2024 eine leichte Abwärtsbewegung mit Schwankungen (Tabelle 2). Zu Beginn des Jahres im Januar liegt die Inflation bei 2,80 %, sinkt jedoch im Februar auf 2,60 % und setzt den Abwärtstrend bis März mit 2,40 % fort. Im April bleibt die Rate stabil bei 2,40 %. Der Folgemonat Mai: die Inflation steigt wieder leicht auf 2,60 %, um im Juni auf 2,50 % zu fallen. Im Juli bleibt die Inflation bei 2,60 % und fällt schließlich über August mit 2,20 % auf 1,8% im September, den niedrigsten Wert des Jahres. Dafür treiben der Dienstleistungsbereich mit +3,9% und die Nahrungsmittel mit +2,9% die Verbraucherpreise im Oktober 2024 wieder auf 2,0%, im November auf 2,2% und im Dezember auf 2,4%.
Tab. 2: Inflation im Euroraum 2024. Quelle: ec.europa.eu

Monat in 2024 EU-Inflation 2024
Januar 2,80%
Februar 2,60%
März 2,40%
April 2,40%
Mai 2,60%
Juni 2,50%
Juli 2,60%
August 2,20%
September 1,80%
Oktober 2,00%
November 2,20%
Dezember 2,40%

 2023

Die Inflation begann das Jahr 2023 mit 8,6% und erlebte dann einen weiteren leichten Rückgang auf 8,5% im Februar (Tabelle 3). Ab März 2023 sind deutlichere Rückgänge zu beobachten. Innerhalb von drei Monaten fiel der HVPI von 6,9% auf 5,5% (März bis Juni). Diese relative Beruhigung könnte auf eine Stabilisierung der Wirtschaft, Anpassungen der Geldpolitik oder eine Besserung der Lieferketten zurückzuführen sein. Juli bis September 2023: Die Inflation sank weiter, wobei der HVPI von 5,3% im Juli auf 4,3% im September fiel, was auf eine anhaltende Entspannung der Inflationsdynamik hindeutet. Nach einem Rückgang im Oktober auf 2,9% und 2,4% im November ging es dann zum Jahresende im Dezember 2023 wieder auf 2,9% hinauf.

Tab. 3: HVPI-Daten im Euroraum 2023 und Datum der Veröffentlichung. Quelle: ec.europa.eu

Monat in 2023 EU-Inflation 2023 Schnellschätzung Datum der Veröffentlichung
Januar 8,6% 31.01.2023
Februar 8,5% 01.03.2023
März 6,9% 31.03.2023
April 7,0% 28.04.2023
Mai 6,1% 31.05.2023
Juni 5,5% 29.06.2023
Juli 5,3% 28.07.2023
August 5,2% 30.08.2023
September 4,3% 28.09.2023
Oktober 2,9% 30.10.2023
November 2,4% 29.11.2023
Dezember 2,9% 04.01.2024

Hohe Dynamik

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im betrachteten Zeitraum Anfang 2022 eine Phase stark steigender Inflation stattfand, die bis Oktober 2022 andauerte. Von November 2022 bis September 2023 wurde eine gegenläufige Entwicklung mit fallenden Inflationsraten beobachtet. Dies könnte auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen sein, einschließlich wirtschaftlicher, politischer und globaler Ereignisse sowie geldpolitische Maßnahmen.

Es ist wichtig anzumerken, dass die Interpretation der Inflationsdaten und der zugrunde liegenden Ursachen komplex ist und im Kontext globaler und regionaler wirtschaftlicher Entwicklungen, politischer Maßnahmen und anderer relevanter Faktoren betrachtet werden sollte. Ein tieferer Einblick in die genauen Ursachen und Zusammenhänge würde eine umfassendere Analyse unter Einbeziehung weiterer Wirtschaftsindikatoren und -berichte erfordern.

Tabelle zur Inflation der EU-Länder 2024

In der Tabelle 4 sind monatliche Inflationsdaten der EU-Länder in 2024angegeben. Die Variabilität der Verbraucherpreise ist zwischen den Ländern groß. Die vorgelegte Tabelle zeigt die Entwicklung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI)

Die Entwicklung der Inflation (gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex, HVPI) im europäischen Raum zeigt im Jahr 2024 deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Die Inflation in Europa beginnt im Januar mit 2,8% und nimmt bis August leicht ab, wo sie bei 2,2% liegt. Dies weist auf eine relative Stabilisierung hin, jedoch gibt es zwischen den einzelnen Ländern deutliche Abweichungen, sowohl in der Höhe der Inflation als auch in der Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf.

Tab. 4: Inflationsdaten der EU-Länder 2024. Quelle: ec.europa.eu

                                                                                                             HCPI 2024 in %
Januar Februar März April Mai Juni Juli August
Europa 2,8 2,6 2,4 2,4 2,6 2,5 2,6 2,2
Belgien 1,5 3,6 3,8 4,9 4,9 5,4 5,4 4,5
Bulgarien 3,9 3,5 3,1 2,5 2,7 2,8 2,8
Tschechien 2,7 2,2 2,2 3,1 2,8 2,2 2,5
Dänemark 0,9 0,6 0,8 0,5 2,1 1,8 1,0
Deutschland 3,1 2,7 2,3 2,4 2,8 2,5 2,6 2,0
Estland 5,0 4,4 4,1 3,1 3,1 2,8 3,5 3,4
Irland 2,7 2,3 1,7 1,6 2,0 1,5 1,5 1,1
Griechenland 3,2 3,1 3,4 3,2 2,4 2,5 3,0 3,1
Spanien 3,5 2,9 3,3 3,4 3,8 3,6 2,9 2,4
Frankreich 3,4 3,2 2,4 2,4 2,6 2,5 2,7 2,2
Kroatien 4,8 4,8 4,9 4,7 4,3 3,5 3,3 3,0
Italien 0,9 0,8 1,2 0,9 0,8 0,9 1,6 1,3
Zypern 2,1 2,1 1,6 2,1 3,0 3,0 2,4 2,2
Lettland 1,1 0,6 1,0 1,1 0,0 1,5 0,8 0,9
Litauen 1,1 1,1 0,4 0,4 0,9 1,0 1,1 0,7
Luxemburg 3,0 3,2 3,2 3,0 3,2 2,8 2,7 1,7
Ungarn 3,7 3,6 3,6 3,6 3,9 3,6 4,1
Malta 3,7 3,0 2,7 2,4 2,3 2,2 2,3 2,5
Niederlande 3,1 2,7 3,1 2,6 2,7 3,4 3,5 3,3
Österreich 4,3 4,0 4,1 3,4 3,3 3,1 2,9 2,5
Polen 4,5 3,7 2,7 3,0 2,8 2,9 4,0
Portugal 2,5 2,3 2,6 2,3 3,8 3,1 2,7 1,8
Rumänien 7,3 7,1 6,7 6,2 5,8 5,3 5,8
Slowenien 3,4 3,4 3,4 3,0 2,5 1,6 1,4 1,1
Slowakei 4,4 3,8 2,7 2,4 2,6 2,4 3,0 3,2
Finnland 1,1 1,1 0,6 0,6 0,4 0,5 0,5 1,1
Schweden 3,4 2,6 2,3 2,4 2,5 1,4 1,7

Länder mit erhöhten Verbraucherpreisen

Zu den Ländern mit besonders hoher Inflation zählen 2024 unter anderem Rumänien, Ungarn, Kroatien, Estland, Polen und Österreich.

Rumänien hat durchgehend die höchste Inflationsrate in Europa. Im Januar liegt sie bei 7,3% und sinkt bis Juni kontinuierlich auf 5,3%, um im Juli wieder auf 5,8% anzusteigen. Dies deutet auf eine anhaltende Inflation im Land hin, die möglicherweise durch strukturelle wirtschaftliche Probleme bedingt ist.

Ungarn verzeichnet ebenfalls eine konstant hohe Inflation, die von 3,7% im Januar auf 4,1% im Juli ansteigt. Ungarn kämpft offenbar mit anhaltendem Preisdruck, der über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Kroatien beginnt das Jahr mit einer Inflation von 4,8% im Januar, die sich bis August auf 3,0% reduziert. Dies zeigt eine allmähliche Verbesserung, aber die Rate bleibt dennoch vergleichsweise hoch.

Estland verzeichnet im Januar eine Inflationsrate von 5,0%, die im weiteren Verlauf des Jahres allmählich sinkt. Im August liegt die Inflation bei 3,4%, was immer noch deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt.

Polen zeigt im Januar mit 4,5% ebenfalls eine hohe Inflation, die sich jedoch im Laufe des Jahres stabilisiert. Im Juli erreicht sie wieder 4,0%, was auf erneuten Preisdruck hindeutet.

Österreich weist zu Beginn des Jahres eine Inflationsrate von 4,3% auf, die bis August auf 2,5% abfällt. Auch hier zeigt sich eine deutliche Verbesserung, dennoch bleibt die Inflation über dem europäischen Durchschnitt.

Länder mit niedriger Inflation

Auf der anderen Seite gibt es einige Länder, die eine deutlich geringere Inflation verzeichnen:

Dänemark hat die niedrigste Inflationsrate im betrachteten Zeitraum. Im Januar liegt die Inflation bei nur 0,9%, fällt im Februar sogar auf 0,6% und bleibt im weiteren Verlauf des Jahres sehr niedrig. Dies zeigt eine außergewöhnliche Stabilität der Preise in Dänemark.

Finnland und Litauen weisen ebenfalls sehr niedrige Inflationsraten auf. Finnland verzeichnet im gesamten Zeitraum eine Inflationsrate um die 1,1%, die bis zum August konstant bleibt. Litauen startet das Jahr mit einer Rate von 1,1%, die im März auf 0,4% sinkt und bis August bei 0,7% liegt.

Italien bleibt ebenfalls relativ stabil mit niedrigen Inflationsraten. Das Land beginnt das Jahr mit 0,9% und weist im August 1,3% Inflation auf, was eine insgesamt moderate Entwicklung signalisiert.

Irland zeigt einen starken Rückgang der Inflation. Im Januar beträgt die Rate 2,7%, fällt jedoch bis August auf 1,1%. Dies deutet auf eine erfolgreiche Inflationskontrolle hin.

Lettland verzeichnet ebenfalls niedrige Inflationsraten, mit einem Rückgang von 1,1% im Januar auf 0,9% im August.

Entwicklung im Jahresverlauf

Die Inflationsraten in Europa haben sich im bisherigen Jahresverlauf unterschiedlich entwickelt. Einige Länder wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande zeigen moderate Schwankungen, während andere Länder wie Rumänien, Kroatien und Ungarn konstant hohe Inflationsraten aufweisen.

Deutschland startet das Jahr mit einer Inflationsrate von 3,1%, die im Februar auf 2,7% und im März auf 2,3% fällt. Danach stabilisiert sich die Inflation bis zum Juli bei rund 2,5%, bevor sie im August auf 2,0% sinkt.

Frankreich zeigt eine ähnliche Entwicklung, wobei die Inflation im Januar bei 3,4% beginnt und bis April auf 2,4% sinkt. Im Sommer schwankt die Inflationsrate leicht, bevor sie im August auf 2,2% sinkt.

Die Niederlande beginnen das Jahr mit 3,1% und erleben im Laufe des Jahres eine etwas volatilere Entwicklung. Die Inflationsrate steigt bis Juli auf 3,5%, bevor sie im August auf 3,3% fällt. Dies zeigt, dass die Niederlande weiterhin mit Preissteigerungen zu kämpfen haben, aber eine gewisse Stabilisierung eintritt.

Fazit

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Inflation in Europa im Jahr 2024 zwar generell abnimmt, jedoch in einigen Ländern weiterhin hohe Inflationsraten bestehen. Rumänien, Ungarn und Kroatien kämpfen weiterhin mit starker Inflation, während Länder wie Dänemark, Finnland und Italien relativ stabile und niedrige Inflationsraten aufweisen. Die Entwicklung der Inflation variiert stark von Land zu Land und spiegelt sowohl nationale wirtschaftliche Bedingungen als auch externe Einflüsse wider, die die Preisentwicklung in den einzelnen Ländern beeinflussen.

Im Großen und Ganzen variiert die Inflation in den EU-Ländern erheblich, wobei einige Länder deutlich höhere Raten erleben als andere. Der Trend für den Großteil der EU scheint jedoch eine Spitze Ende 2022 oder Anfang 2023 zu sein, gefolgt von einem allgemeinen Rückgang. Trotz dieses Rückgangs bleiben in einigen Ländern hohe Inflationsraten bestehen, was auf anhaltende wirtschaftliche Herausforderungen hindeutet.

EU-Inflationsrate 2022 – Jahresdurchschnitt, Statistik

In 2022 erreichtet die Inflation im Oktober mit 10,6% den Höchstwert. Die Jahresinflation (Mittelwert) 2023 betrug 8,4%, der Median war 8,8% und die Standardabweichung 1,67%. In der Tabelle 5 sind die Daten zur Abbildung 1 für 2022 angegeben.

Tab. 5: Inflation in Europa 2022. Quelle: ec.europa.eu/

Jahr 2022 EU-Inflation in %
Januar 5,1
Februar 5,9
März 7,4
April 7,4
Mai 8,1
Juni 8,6
Juli 8,9
August 9,1
September 9,9
Oktober 10,6
November 10,1
Dezember 9,2

10.11.2022 ECB Consumer Expectations Survey results – September 2022:

Die wahrgenommene Inflation ist in den letzten 12 Monaten weiter gestiegen, wobei die Medianrate nun bei 8,1 % liegt. Die Inflationserwartungen blieben deutlich unter der wahrgenommenen Inflationsrate der Vergangenheit, insbesondere im mittelfristigen Horizont von drei Jahren. Die mittleren Inflationserwartungen für die nächsten 12 Monate stiegen von 5,0 % auf 5,1 %, während die Inflationserwartungen für drei Jahre unverändert bei 3,0 % blieben. Die Unsicherheit über die Inflation in den kommenden 12 Monaten ging im September leicht zurück, blieb aber deutlich über dem Niveau, das vor Beginn des Krieges in der Ukraine vorherrschte. Die Inflationswahrnehmungen und -erwartungen der Verbraucher waren in allen Einkommensgruppen eng aufeinander abgestimmt, während jüngere Befragte (18-34 Jahre) weiterhin niedrigere Inflationswahrnehmungen und -erwartungen abgaben als ältere Befragte (55-70 Jahre).

Historische Inflationsraten

In der EU oder dem Euroraum wird die Änderung der Verbraucherpreise als HVPI dargestellt. In der Tabelle 6 sind die HVPI jährliche Daten (Durchschnittindex) angegeben. Quelle: https://ec.europa.eu/eurostat/

Tab. 6: Inflation Europäische Union – 27 Länder (ab 2020), HVPI – jährliche Veränderungsraten

Jahr EU-Inflation (HVPI in %)
2012 2,6
2013 1,3
2014 0,4
2015 0,1
2016 0,2
2017 1,6
2018 1,8
2019 1,4
2020 0,7
2021 2,9
2022 8,4

EU 2007 bis 2011

Findet eine Entwertung des Geldes statt, spricht man von Inflation. Konzeptionell geschieht dies dann, wenn sich die Geldmenge ausdehnt, die Gütermenge jedoch nicht: die Anzahl der Geldeinheiten pro Gütereinheit nimmt zu, eine Geldeinheit ist damit weniger wert. Güter werden teurer. Die Inflationsrate wird in Prozent angegeben und anhand eines standardisierten Warenkorbes gemessen – in der EU ist dies der „Harmonisierte Verbraucherpreisindex“, HVPI, der für alle EU-Länder gleich ist und aus einem repräsentativen Mix aus Waren und Dienstleistungen besteht. Dadurch lassen sich die gemessenen Werte verschiedener Länder besser vergleichen.

Die jährliche Inflationsrate betrug in der Europäischen Union zwischen 2007 und 2011 durchschnittlich 2.24 Prozent, in den Mitgliedsländern der Euro-Zone war sie mit durchschnittlich 1.98 Prozent geringfügig niedriger – ein Beweis für den Erfolg der Europäischen Zentralbank, die ein offizielles Inflationsziel von „nahe, aber unter zwei Prozent“ ausweist, was dem Ziel der Preisstabilität gerecht wird. Auffallend ist die starke Abweichung im Jahre 2009. Hier betrug die Inflationsrate lediglich 0.3 Prozent (Euro-Zone) bzw. 1 Prozent (EU-27). Grund ist die internationale Finanzkrise bzw. deren Nachwirkungen.

Prognosen Inflation Europa/Euroraum 2024 – 2026

Wie sehen die Vorhersagen für die Entwicklung der Verbraucherpreise in den kommenden Jahren aus?

EZB gesamtwirtschaftliche Projektion

Die EZB erstellt 4mal jährlich eine gesamtwirtschaftliche Projektion, die auch die Inflation umfasst. In der Abbildung 2 ist die Prognose von September 2024 angegeben. Laut der EZB-Prognose wird die HVPI-Inflation im Euroraum in 2024 2,5%, 2025 2,2% und in 2026 1,9% betragen. Für 2024 wird nur mit einer geringen Abnahme gerechnet, da steigende Energiepreise den Preisrückgang bei Nahrungsmittel teilweise kompensieren.

Inflation im Euroraum. Prognose der EZB

Abb. 2: Prognose zur Inflation im Euroraum. Quelle: EZB gesamtwirtschaftliche Projektionen, Stand 9/2024

EZB Survey of Monetary Analysts (SMA)

Die Prognose der EZB-Survey of Monetary Analysts zur Inflation im Euroraum, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HICP), zeigt eine allmähliche Stabilisierung der Inflationsraten in den kommenden Jahren (Tabelle 7). Für das dritte und vierte Quartal 2024 wird eine Inflationsrate von jeweils 2,3% erwartet. Diese Werte spiegeln die Bemühungen der EZB wider, die Inflation auf ein moderates Niveau zu bringen, das nahe bei 2% liegt.

Tab. 7: Prognose der Survey of Monetary Analysts für die EU-Inflation 2024 – 2028 (Stand September 2024). Angegeben ist der Median in Prozent. Datenquelle: ecb.europa.eu. Daten angepasst.

Quartal Jahr Inflation [%]
Q4 2024 2,4
Q1 2025 2,2
Q2 2025 2,1
Q3 2025 2,0
Q4 2025 2,0
Q1 2026 2,0
Q2 2026 2,0
Q3 2026 2,0
Q4 2026 2,0
Q1 2027 2,0
Q2 2027 2,0
Q3 2027 2,0
Q4 2027 2,0
Q1 2028 2,0

Im ersten Quartal 2025 wird ein leichter Rückgang auf 2,2% prognostiziert, gefolgt von weiteren Rückgängen auf 2,1% im zweiten Quartal und 2,0% in den letzten beiden Quartalen des Jahres 2025. Diese Abwärtsbewegung deutet darauf hin, dass die geldpolitischen Maßnahmen der EZB beginnen, die Inflation effektiv zu steuern, indem sie die Nachfrage dämpfen und die Preisstabilität fördern.

Ab dem ersten Quartal 2026 wird eine stabile Inflationsrate von 2,0% erwartet, die bis Ende 2027 und 2028 anhält.

Zusammenfassend zeigt die Prognose der EZB-Survey of Monetary Analysts eine vorsichtige, aber stetige Annäherung der Inflationsrate an das Ziel von 2,0%. Dies unterstreicht die Wirksamkeit der geldpolitischen Strategien der EZB und das Vertrauen der Analysten in die langfristige Preisstabilität im Euroraum.

Finanzmarktteilnehmer

In der Tabelle 8. sind die Inflationsprognosen verschiedener Marktteilnehmer für den Euroraum in den Jahren 2024 und 2025. Eine detaillierte Analyse dieser Voraussagen offenbart sowohl Gemeinsamkeiten als auch signifikante Unterschiede in den Einschätzungen der Institute.

Tab. 8: Prognosen zur Inflationsrate in Europa/Euroraum 2025 und 2026

Organisation Prognose Datum Prognose 2025 [%] Prognose 2026 [%]
Bundesverband deutscher Banken (BdB) 25.09.2024 2,2
Commerzbank 15.11.2024 2,4
DekaBank 15.11.2024 2,1
Erste Group 08.10.2024 1,9 2
Europäische Kommission 15.11.2024 2,1 1,9
HeLaBa 22.11.2024 2,2 2,2
ING 08.01.2025 2,3 2,2
Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) 12.12.2024 2,3 2,1
LBBW 01.10.2024 2,1
Raiffeisen Bank International 22.11.2024 2
RWI Essen 12.12.2024 2
Sachverständigenrat 15.11.2024 2,1

 

2024: Für das Jahr 2024 zeigen die Prognosen eine bemerkenswerte Homogenität. Sieben von neun Instituten, darunter die Commerzbank, DekaBank, Erste Group, Europäische Kommission, HeLaBa, ING und der Sachverständigenrat, erwarten eine Inflation von 2,4 %. Lediglich die LBBW und die Raiffeisen Bank International weichen mit einer Prognose von 2,5 % leicht nach oben ab.

Die statistische Auswertung für 2024 ergibt einen Mittelwert von 2,422 %. Der Median liegt bei 2,4 %, was die zentrale Tendenz der Daten unterstreicht. Der Minimalwert beträgt 2,4 %, der Maximalwert 2,5 %, wodurch sich eine geringe Spannweite von 0,1 % ergibt. Diese enge Verteilung deutet auf eine weitgehende Übereinstimmung unter den Marktteilnehmern hinsichtlich der erwarteten Inflationsentwicklung im kommenden Jahr hin.

2025: Im Jahr 2025 zeigt sich hingegen eine größere Varianz in den Prognosen. Die Werte reichen von 1,9 % (Erste Group) bis 2,4 % (Commerzbank). Mehrere Institute wie die DekaBank, Europäische Kommission, LBBW und der Sachverständigenrat prognostizieren eine Inflation von 2,1 %. Die HeLaBa erwartet mit 2,2 % eine etwas höhere Rate, während ING und Raiffeisen Bank International eine Inflationsrate von 2,0 % vorhersagen.

Die statistische Analyse für 2025 ergibt einen Mittelwert von genau 2,1 %. Der Median beträgt ebenfalls 2,1 %, was die mittlere Lage der Prognosen bestätigt. Der Minimalwert liegt bei 1,9 %, der Maximalwert bei 2,4 %. Die Spannweite erhöht sich somit auf 0,5 %, was auf eine gestiegene Unsicherheit oder unterschiedliche Einschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung hindeutet.

Interpretation der Ergebnisse

Die nahezu einheitlichen Prognosen für 2024 spiegeln ein gemeinsames Vertrauen der Marktteilnehmer in eine stabile Inflationsentwicklung wider. Dies könnte auf erwartete geldpolitische Maßnahmen der Europäischen Zentralbank oder auf stabile konjunkturelle Rahmenbedingungen zurückzuführen sein. Die geringe Spannweite unterstreicht diese Einschätzung.

Die divergenteren Prognosen für 2025 lassen vermuten, dass Unsicherheiten bezüglich externer Faktoren, wie globalen Wirtschaftsentwicklungen oder geopolitischen Risiken, eine größere Rolle spielen. Die erhöhte Spannweite und der niedrigere Minimalwert deuten darauf hin, dass einige Institute mit einer Abschwächung der Inflation rechnen, während andere eine Fortsetzung des aktuellen Trends erwarten.

Die statistischen Kennzahlen liefern einen quantitativen Rahmen für die Interpretation der Inflationsprognosen. Während für 2024 eine hohe Konsistenz in den Erwartungen besteht, zeigen die Prognosen für 2025 eine größere Streuung. Dies unterstreicht die Bedeutung einer kontinuierlichen Beobachtung makroökonomischer Indikatoren und einer flexiblen Anpassung wirtschaftspolitischer Strategien an sich ändernde Bedingungen im Euroraum.

Statistische Auswertung

Jahr 2024

Mittelwert: Der Durchschnitt der Prognosen für 2024 liegt bei 2,5%.
Minimum: Die niedrigste Prognose beträgt 2,2% (LBBW).
Maximum: Die höchste Prognose beträgt 2,6% (HeLaBa und Raiffeisen Bank International).
Spannweite: Die Spannweite der Prognosen für 2024 beträgt 0,4 %punkte.

Jahr 2025

Mittelwert: Der Durchschnitt der Prognosen für 2025 liegt bei 2,2%.
Minimum: Die niedrigste Prognose beträgt 1,9% (Raiffeisen Bank International).
Maximum: Die höchste Prognose beträgt 3,0% (Commerzbank).
Spannweite: Die Spannweite der Prognosen für 2025 beträgt 1,1 %punkte.

Interpretation der Trends

Die Prognosen für 2024 deuten auf eine leichte Inflationserhöhung im Vergleich zum gegenwärtigen Niveau hin, wobei die meisten Marktteilnehmer eine Inflationsrate zwischen 2,4% und 2,5% erwarten. Dies könnte auf eine moderate wirtschaftliche Erholung und eine Stabilisierung nach den jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen hindeuten.

Für 2025 ist eine größere Varianz in den Prognosen erkennbar, was auf Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung hinweist. Während einige Marktteilnehmer eine weiter sinkende Inflation erwarten, deuten andere auf eine anhaltende oder sogar steigende Inflation hin. Diese Unterschiede könnten durch verschiedene Annahmen über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, globale wirtschaftliche Bedingungen und spezifische regionale wirtschaftliche Entwicklungen erklärt werden.

Insgesamt spiegeln die Prognosen die Erwartungen einer moderaten Inflation wider, wobei jedoch die Unsicherheiten für das Jahr 2025 deutlicher hervortreten. Die statistische Analyse zeigt, dass die Marktteilnehmer im Jahr 2024 relativ einheitlich in ihren Vorhersagen sind, während für 2025 eine größere Bandbreite und damit eine höhere Unsicherheit besteht.

Literatur und Quellangaben

Bankenverband Konjunktur Herbst 2024

DEKA Märkte

Erste Group

Europäische Kommission Prognosen

HeLaBa November 2024

IfW Kiel Konjunktur

LBBW

Sachverständigenrat November 2024

The ECB Survey of Monetary Analysts (SMA), December 2022, Aggregated Results. Text hier

News

12.01.2023 EZB Umfrage (Quelle: ecb.europa.eu):
„Der anhaltende Anstieg der wahrgenommenen Inflation in den vorangegangenen 12 Monaten kam zum Stillstand, wobei die Medianrate bei 9,9 % blieb. Die Inflationserwartungen blieben deutlich unter der wahrgenommenen Inflationsrate der Vergangenheit, insbesondere im mittelfristigen Horizont von drei Jahren.

The ECB Survey of Monetary Analysts (SMA), December 2022, Aggregated Results

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