Inflation im Euroraum 2023 Die Europäische Zentralbank ist für die Geldpolitik in der gesamten EU verantwortlich. Die Entwicklung der Verbraucherpreise beeinflussen die Entscheidungen der EZB Zinsentscheide ganz besonders. Die Notenbank muss aber auf die Trends in allen EU-Ländern achten. Deshalb ist die aktuelle Inflation in Deutschland nur eine unter vielen, die Berücksichtigung findet. Eurostat berechnet die Inflation in der EU aus den Inflationsraten der Mitgliedsländer nach einem Wichtungsschema. Veröffentlicht wird der HVPI als die Inflation Europa.

 Aktuelle Inflation im Euroraum (HVPI) Januar 2023 = 8,5% (Dezember 2022 = 9,2%)
Veröffentlichung EU Inflationsrate Januar 2023 am31.01.2023

 

Inflation Euroraum 2023

Der Finanzmarkt erwartet mit Spannung, wie sich die Verbraucherpreise im Euroraum in 2023 und die Inflation in den USA entwickeln werden. Einig sind sich die meisten Analysten und Ökonomen, dass der Gipfel der Inflation in 2022 erreicht wurde. Die Frage ist: wie stark gehen die Inflationsraten in 2023 zurück. In der Tabelle 1 werden die aktuellen Inflationsdaten veröffentlicht.

Tab. 1: Inflationsrate im Euroraum 2023 und Datum der Veröffentlichung. Quelle: ec.europa.eu

Monat in 2023 EU-Inflation 2023 Schnellschätzung Datum der Veröffentlichung
Januar 8,5% 31.01.2023
Februar 01.03.2023
März 30.03.2023
April 28.04.2023
Mai 31.05.2023
Juni 29.06.2023
Juli 28.07.2023
August 30.08.2023
September 28.09.2023
Oktober 30.10.2023
November 29.11.2023
Dezember 04.01.2024

EU-Inflationsrate 2022 – Jahresdurchschnitt, Statistik

In 2022 erreichtet die Inflation im Oktober mit 10,6% den Höchstwert. Die Jahresinflation (Mittelwert) 2023 betrug 8,4%, der Median war 8,8% und die Standardabweichung 1,67%. In der Abbildung 1 sind die Änderung der Verbraucherpreise nach Monaten dargestellt.

Inflationsrate im Euroraum 2022

Abb. 1: Inflation (HVPI) im Euroraum in 2023

In der Tabelle 2 sind die Daten zur Abbildung 1 angegeben.

Tab. 2: Inflation in Europa 2022. Quelle: ec.europa.eu/

Jahr 2022 EU-Inflation in %
Januar 5,1
Februar 5,9
März 7,4
April 7,4
Mai 8,1
Juni 8,6
Juli 8,9
August 9,1
September 9,9
Oktober 10,6
November 10,1
Dezember 9,2

10.11.2022 ECB Consumer Expectations Survey results – September 2022:

Die wahrgenommene Inflation ist in den letzten 12 Monaten weiter gestiegen, wobei die Medianrate nun bei 8,1 % liegt. Die Inflationserwartungen blieben deutlich unter der wahrgenommenen Inflationsrate der Vergangenheit, insbesondere im mittelfristigen Horizont von drei Jahren. Die mittleren Inflationserwartungen für die nächsten 12 Monate stiegen von 5,0 % auf 5,1 %, während die Inflationserwartungen für drei Jahre unverändert bei 3,0 % blieben. Die Unsicherheit über die Inflation in den kommenden 12 Monaten ging im September leicht zurück, blieb aber deutlich über dem Niveau, das vor Beginn des Krieges in der Ukraine vorherrschte. Die Inflationswahrnehmungen und -erwartungen der Verbraucher waren in allen Einkommensgruppen eng aufeinander abgestimmt, während jüngere Befragte (18-34 Jahre) weiterhin niedrigere Inflationswahrnehmungen und -erwartungen abgaben als ältere Befragte (55-70 Jahre).

In der EU oder dem Euroraum wird die Änderung der Verbraucherpreise als HVPI dargestellt. In der Tabelle 3 sind die HVPI jährliche Daten (Durchschnittindex) angegeben. Quelle: https://ec.europa.eu/eurostat/

Tab. 3: Inflation Europäische Union – 27 Länder (ab 2020), HVPI – jährliche Veränderungsraten

 

Jahr EU-Inflation (HVPI in %)
2012 2,6
2013 1,3
2014 0,4
2015 0,1
2016 0,2
2017 1,6
2018 1,8
2019 1,4
2020 0,7
2021 2,9
2022 8,4

Eurozone im weiteren Sinn, HVPI 2021 – 2022

In der Tabelle 4 sind monatliche Inflationsdaten der EU-Länder angegeben.

Tab. 4: Inflationsdaten der EU-Länder 2022

Land/Organisation 2022-01 2022-02 2022-03 2022-04 2022-05 2022-06 2022-07 2022-08 2022-09 2022-10 2022-11 2022-12
HVPI [%] Inflation [%] HVPI [%] Inflation [%] HVPI [%] Inflation [%] HVPI [%] Inflation [%] HVPI [%] Inflation [%] HVPI [%] Inflation [%]
Europäische Union* 5,6 6,2 7,8 8,1 8,8 9,6 9,8 10,1 10,9 11,5 11,1 10,4
Euroraum** 5,1 5,9 7,4 7,4 8,1 8,6 8,9 9,1 9,9 10,6 10,1 9,2
Euroraum – 20 Länder (ab 2023) 5,1 5,9 7,4 7,5 8,1 8,7 8,9 9,2 9,9 10,6 10,1 9,2
Euroraum – 19 Länder (2015-2022) 5,1 5,9 7,4 7,4 8,1 8,6 8,9 9,1 9,9 10,6 10,1 9,2
Belgien 8,5 9,5 9,3 9,3 9,9 10,5 10,4 10,5 12,1 13,1 10,5 10,2
Bulgarien 7,7 8,4 10,5 12,1 13,4 14,8 14,9 15,0 15,6 14,8 14,3 14,3
Tschechien 8,8 10,0 11,9 13,2 15,2 16,6 17,3 17,1 17,8 15,5 17,2 16,8
Dänemark 4,9 5,3 6,0 7,4 8,2 9,1 9,6 9,9 11,1 11,4 9,7 9,6
Deutschland 5,1 5,5 7,6 7,8 8,7 8,2 8,5 8,8 10,9 11,6 11,3 9,6
Estland 11,0 11,6 14,8 19,1 20,1 22,0 23,2 25,2 24,1 22,5 21,4 17,5
Irland 5,0 5,7 6,9 7,3 8,3 9,6 9,6 9,0 8,6 9,4 9,0 8,2
Griechenland 5,5 6,3 8,0 9,1 10,5 11,6 11,3 11,2 12,1 9,5 8,8 7,6
Spanien 6,2 7,6 9,8 8,3 8,5 10,0 10,7 10,5 9,0 7,3 6,7 5,5
Frankreich 3,3 4,2 5,1 5,4 5,8 6,5 6,8 6,6 6,2 7,1 7,1 6,7
Kroatien 5,5 6,3 7,3 9,6 10,7 12,1 12,7 12,6 12,6 12,7 13,0 12,7
Italien 5,1 6,2 6,8 6,3 7,3 8,5 8,4 9,1 9,4 12,6 12,6 12,3
Zypern 5,0 5,8 6,2 8,6 8,8 9,0 10,6 9,6 9,0 8,6 8,1 7,6
Lettland 7,5 8,8 11,5 13,1 16,8 19,2 21,3 21,4 22,0 21,7 21,7 20,7
Litauen 12,3 14,0 15,6 16,6 18,5 20,5 20,9 21,1 22,5 22,1 21,4 20,0
Luxemburg 4,6 7,8 7,9 9,0 9,1 10,3 9,3 8,6 8,8 8,8 7,3 6,2
Ungarn 7,9 8,4 8,6 9,6 10,8 12,6 14,7 18,6 20,7 21,9 23,1 25,0
Malta 4,1 4,2 4,5 5,4 5,8 6,1 6,8 7,0 7,4 7,4 7,2 7,3
Niederlande 7,6 7,3 11,7 11,2 10,2 9,9 11,6 13,7 17,1 16,8 11,3 11,0
Österreich 4,5 5,5 6,6 7,1 7,7 8,7 9,4 9,3 11,0 11,6 11,2 10,5
Polen 8,7 8,1 10,2 11,4 12,8 14,2 14,2 14,8 15,7 16,4 16,1 15,3
Portugal 3,4 4,4 5,5 7,4 8,1 9,0 9,4 9,3 9,8 10,6 10,2 9,8
Rumänien 7,2 7,9 9,6 11,7 12,4 13,0 13,0 13,3 13,4 13,5 14,6 14,1
Slowenien 6,0 7,0 6,0 7,4 8,7 10,8 11,7 11,5 10,6 10,3 10,8 10,8
Slowakei 7,7 8,3 9,6 10,9 11,8 12,6 12,8 13,4 13,6 14,5 15,1 15,0
Finnland 4,1 4,4 5,8 5,8 7,1 8,1 8,0 7,9 8,4 8,4 9,1 8,8
Schweden 3,9 4,4 6,3 6,6 7,5 8,9 8,3 9,5 10,3 9,8 10,1 10,8
Europäischer Wirtschaftsraum*** 5,6 6,2 7,8 8,1 8,8 9,5 9,8 10,1 10,9 11,5 11,1 10,3

Europäische Union* (EU6-1958, EU9-1973, EU10-1981, EU12-1986, EU15-1995, EU25-2004, EU27-2007, EU28-2013, EU27-2020)
Euroraum** (EA11-1999, EA12-2001, EA13-2007, EA15-2008, EA16-2009, EA17-2011, EA18-2014, EA19-2015, EA20-2023)
Europäischer Wirtschaftsraum*** (EWR) (EEA18-1995, EEA28-2004, EEA30-2007, EEA31-2013, EEA30-2020)

EU 2007 bis 2011

Findet eine Entwertung des Geldes statt, spricht man von Inflation. Konzeptionell geschieht dies dann, wenn sich die Geldmenge ausdehnt, die Gütermenge jedoch nicht: die Anzahl der Geldeinheiten pro Gütereinheit nimmt zu, eine Geldeinheit ist damit weniger wert. Güter werden teurer. Die Inflationsrate wird in Prozent angegeben und anhand eines standardisierten Warenkorbes gemessen – in der EU ist dies der “Harmonisierte Verbraucherpreisindex”, HVPI, der für alle EU-Länder gleich ist und aus einem repräsentativen Mix aus Waren und Dienstleistungen besteht. Dadurch lassen sich die gemessenen Werte verschiedener Länder besser vergleichen.

Die jährliche Inflationsrate betrug in der Europäischen Union zwischen 2007 und 2011 durchschnittlich 2.24 Prozent, in den Mitgliedsländern der Euro-Zone war sie mit durchschnittlich 1.98 Prozent geringfügig niedriger – ein Beweis für den Erfolg der Europäischen Zentralbank, die ein offizielles Inflationsziel von “nahe, aber unter zwei Prozent” ausweist, was dem Ziel der Preisstabilität gerecht wird. Auffallend ist die starke Abweichung im Jahre 2009. Hier betrug die Inflationsrate lediglich 0.3 Prozent (Euro-Zone) bzw. 1 Prozent (EU-27). Grund ist die internationale Finanzkrise bzw. deren Nachwirkungen.

Prognose

Inflation Prognose Europa 2023

Wie sehen die Vorhersagen für die Entwicklung der Verbraucherpreise in 2023 aus? Die Tabelle 5 zeigt die Prognosen der SMAs.

Tab. 5: Prognose der Survey of Monetary Analysts für die EU-Inflation 2023. Angegeben ist der Median in Prozent. Datenquelle: ecb.europa.eu. Daten angepasst. Erklärung siehe Text weiter unten.

Datum Inflation [%]
Q1-2023 8,8
Q2-2023 7,0
Q3-2023 5,5
Q4-2023 3,4

Der Spitzenwert 2023 liegt bei 8,8% im Januar 2023.

2024

In der Tabelle 6 sind die Prognosen für 2024 angegeben

Tab. 6: Prognose der Survey of Monetary Analysts für die EU-Inflation 2024. Angegeben ist der Median in Prozent. Datenquelle: ecb.europa.eu. Daten angepasst. Erklärung siehe Text weiter unten.

Datum Inflation [%]
Q1-2024 2,0
Q2-2024 2,0
Q3-2024 2,0

Der EU-Prognostiker gehen von einer durchgehenden EU-Inflation von 2,0% in 2024 aus.

2025

In der Tabelle 7 sind die Prognosen für 2025 angegeben. Im Vergleich zum Vorjahr werden gleichbleibende Verbraucherpreise angenommen

Tab. 7: Prognose der Survey of Monetary Analysts für die EU-Inflation 2025. Angegeben ist der Median in Prozent. Datenquelle: ecb.europa.eu. Daten angepasst. Erklärung siehe Text weiter unten.

Datum Inflation [%]
Q1-2025 2,0
Q2-2025 2,0
Q3-2025 2,0

Der EU-Prognostiker gehen von keiner Veränderung der EU-Inflation in 2025 aus.

2026

In der Tabelle 8 sind die Prognosen für 2026 angegeben. Auch in 2026 erwarten die EU-Prognostiker keine Veränderung der Inflation.

Tab. 8: Prognose der Survey of Monetary Analysts für die EU-Inflation 2025. Angegeben ist der Median in Prozent. Datenquelle: ecb.europa.eu. Daten angepasst. Erklärung siehe Text weiter unten.

Datum Inflation [%]
Q1-2026 2,0
Q2-2026 2,0
Q3-2026 2,0

Der EU-Prognostiker gehen von einer durchgehenden EU-Inflation von 2,0% in 2024 aus.

Literatur und Quellangaben

The ECB Survey of Monetary Analysts (SMA), December 2022, Aggregated Results. Text hier

News

12.01.2023 EZB Umfrage (Quelle: ecb.europa.eu):
“Der anhaltende Anstieg der wahrgenommenen Inflation in den vorangegangenen 12 Monaten kam zum Stillstand, wobei die Medianrate bei 9,9 % blieb. Die Inflationserwartungen blieben deutlich unter der wahrgenommenen Inflationsrate der Vergangenheit, insbesondere im mittelfristigen Horizont von drei Jahren.

The ECB Survey of Monetary Analysts (SMA), December 2022, Aggregated Results

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