Strompreisentwicklung in Deutschland und Prognose Wer Stromlieferungen erhält, zahlt dafür einen bestimmten Preis. Der Strompreis für Privatkunden besteht aus drei Hauptkomponenten: der Preis für den Erwerb und Verkauf des Stroms, die Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes, und die staatlich verordneten Preisbestandteile wie Steuern (z. B. Mehrwertsteuer auf Strom) und die EEG-Umlage. Der Verbraucher kann aufgrund der Rechnungen in den vergangenen Jahren nur eins feststellen: Die Strompreisentwicklung geht steil nach oben. Und auch nahezu alle Prognosen für 2024, 2025 oder für die nächsten 10 Jahre oder bis 20240 oder gar 2050 gehen von steigenden Strompreisen aus. Auch die Energieerzeuger sehen es ähnlich. So geht auch der CEO von Siemens, Roland Busch, aufgrund von steigenden Investitionen der Energieerzeuger von steigenden Energiepreisen aus, wie der in der Bild darlegt.
Prognosen zum Strompreis basieren auf einer Vielzahl von Faktoren, die sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite des Strommarktes beeinflussen.

Der Stromverbrauch steigt in Deutschland u. a. durch die Zunahme von Elektroautos und Wärmepumpen. Die Frage ist, ob der Ausbau der alternativen Energien diesen Zuwachs beim Stromverbrauch kompensieren kann.

Der Sachverständigenrat zur Strompreisentwicklung 2024 (Stand 11/2023) “Bei Strom ist von einer volatileren und tendenziell aufwärtsgerichteten Preisentwicklung auszugehen. ”

Der Sachverständigenrat zur Strompreisentwicklung 2024

Der Sachverständigenrat sieht den Strompreis in 2024 als eine volatile Größe an. Für das 1. Quartal werden für den EEX Phelix 128,1 Euro/MWh prognostiziert. Nach einer deutlichen Abnahme im 2. Quartal auf 113,3 €/MWh sollen die Preise dann auf 123,7 €/MWh im 3. Quartal 2024 und sogar auf 139,9 €/MWh steigen (Tabelle 01).

Tab. 01: Prognose des Sachverständigenrates zur Strompreisentwicklung 2024. Quelle: sachverstaendigenrat-wirtschaft.de

Prognosedatum: 08.11.2023 1Q 2024 2Q 2024 3Q 2024 4Q 2024
Strompreis (EEX Phelix) Euro/MWh 128,1 113,3 123,7 139,9

Hier sind einige der wichtigsten Faktoren, die in Strompreisprognosen berücksichtigt werden

  1. Rohstoffpreise: Die Kosten für Rohstoffe wie Kohle, Gas, Öl und Uran, die zur Stromerzeugung verwendet werden, haben einen direkten Einfluss auf den Strompreis. Schwankungen in diesen Preisen können zu Veränderungen in den Strompreisprognosen führen.
  2. Erneuerbare Energien: Die Verfügbarkeit und Kosten von erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne und Wasserkraft können den Strompreis beeinflussen. Die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz und die damit verbundenen Subventionen und Umlagen können ebenfalls den Preis beeinflussen.
  3. Nachfrage: Veränderungen in der wirtschaftlichen Aktivität, dem Bevölkerungswachstum, technologischen Entwicklungen und Verbraucherverhalten können die Stromnachfrage beeinflussen.
  4. Infrastruktur und Netzkapazität: Investitionen in die Strominfrastruktur, der Zustand des Stromnetzes und die Netzkapazität können den Strompreis beeinflussen.
  5. Politische und regulatorische Entscheidungen: Regierungsentscheidungen, Gesetze, Steuern, Abgaben und Umlagen können den Strompreis direkt oder indirekt beeinflussen.
  6. Weltwirtschaftliche Faktoren: Globale wirtschaftliche Trends, Handelsbeziehungen und geopolitische Ereignisse können die Strompreise beeinflussen, insbesondere in Ländern, die Strom oder Rohstoffe importieren oder exportieren.
  7. Technologische Entwicklungen: Fortschritte in der Technologie, insbesondere in der Speicherung von Energie, können die Kosten für die Stromerzeugung und -verteilung beeinflussen.
  8. Wetterbedingungen: Wetterbedingungen können die Nachfrage nach Strom (z.B. durch den Einsatz von Klimaanlagen oder Heizungen) sowie das Angebot (z.B. durch die Verfügbarkeit von Sonnen- oder Windenergie) beeinflussen.
  9. Import und Export: Die Fähigkeit eines Landes, Strom zu importieren oder zu exportieren, kann den Inlandspreis beeinflussen, insbesondere wenn es Preisunterschiede zwischen den beteiligten Ländern gibt.
  10. Marktstrukturen und Wettbewerb: Die Anzahl und Art der Marktteilnehmer, Marktregulierung und Wettbewerbsbedingungen können den Strompreis beeinflussen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Prognosen immer mit Unsicherheiten behaftet sind. Die tatsächlichen Strompreise können von den Prognosen abweichen, je nachdem, wie sich die oben genannten Faktoren entwickeln.

Strompreisentwicklung 2008 -2023

Wie hat sich der Strompreis in Deutschland bis 2023 entwickelt ? In der Abbildung 1 ist der Strompreis (Mittelwert) für einen Privathaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh angegeben.

Abb. 1: Durchschnittliche Strompreisentwicklung in ct/kWh für Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch

Es ist zu beachten, dass die genauen Zahlen je nach Quelle leicht variieren können. Zudem beziehen sich die Preise normalerweise auf einen Durchschnittshaushalt und können je nach Verbrauch und Region variieren. In der Tabelle 1 ist der durchschnittliche Strompreis in Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) für Haushalte in Deutschland dargestellt.

Tab. 1: Durchschnittliche Strompreisentwicklung in Deutschland

Jahr Strompreis (ct/kWh)
2000 13,94
2001 14,50
2002 14,90
2003 16,40
2004 17,20
2005 18,00
2006 19,50
2007 20,60
2008 21,60
2009 23,20
2010 23,80
2011 25,20
2012 26,50
2013 29,00
2014 29,50
2015 29,80
2016 28,70
2017 29,20
2018 30,00
2019 30,80
2020 31,90
2021 33,00

Es ist wichtig zu beachten, dass der Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland aus verschiedenen Komponenten besteht, darunter Energiebeschaffung, Vertrieb, Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen. Ein signifikanter Anstieg der Strompreise in den letzten Jahren ist auch auf den Ausbau erneuerbarer Energien und die damit verbundenen Umlagen zurückzuführen.

  • 2000-2005: In den frühen 2000er Jahren waren die Strompreise in Deutschland relativ stabil. Die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 begann, den Preis allmählich zu beeinflussen.
  • 2006-2010: In dieser Periode gab es einen stetigen Anstieg der Strompreise, teilweise aufgrund der steigenden Kosten für fossile Brennstoffe und der zunehmenden Umlage für erneuerbare Energien.
  • 2011-2015: Nach der Fukushima-Katastrophe 2011 und der Entscheidung Deutschlands, aus der Kernenergie auszusteigen, stiegen die Strompreise weiter an. Die EEG-Umlage und die Netzentgelte trugen ebenfalls zu den steigenden Kosten bei.
  • 2016-2022: In den letzten Jahren setzte sich der Trend steigender Strompreise fort, obwohl es auch einige Schwankungen gab. Die fortgesetzte Förderung erneuerbarer Energien, die weltweiten Rohstoffpreise und politische Entscheidungen trugen zu diesen Veränderungen bei.

In der Abbildung 2 ist exemplarisch der Zeitverlauf der Strompreise für Privathaushalte mit einem Jahresverbrauch 2.500 kWh bis unter 5.000 kWh dargestellt. Aus 2023 liegen vom Statistischen Bundesamt noch keine Halbjahreswerte vor (Stand 26. August 2023). Der Anstieg der Stromkosten ist deutlich zu sehen. Zahlten Haushalte im ersten Halbjahr 2008 durchschnittlich 21,48 Cent/kWh, waren es 2016 29,69 Cent/kWh und im 1. Halbjahr 2022 bereits 32,79 Cent/kWh.

Strompreisentwicklung für private Haushalte mit Jahresverbrauch Jahresverbrauch 2.500 kWh bis unter 5.000 kWh

Abb. 2: Halbjahreswerte der Strompreisentwicklung für private Haushalte mit einem Jahresverbrauch 2.500 kWh bis unter 5.000 kWh von 2008 bis 2022. Quelle: destatis.de

Strompreisanstieg in seit 2019 nach Verbrauchsgruppen für Haushalte mit Jahresverbrauch 1.000 kWh bis 15.000 kWh

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine erreichten die Strom- und Gaspreise im Jahr 2022 in ganz Europa Rekordhöhen, und die enorm hohen Kosten tragen weiterhin zu einer hartnäckig hohen Inflation in Deutschland bei. Und diese wiederum verteuert die Investitionen in Erneuerbare Energien, wodurch deren Preise steigen. Aber auch die stark gestiegenen Zinsen führen beim Bau der Energieanlagen zu deutlichen Mehrkosten gegenüber den Vorjahren. Die Strompreise stiegen in 2022 im Vorjahresvergleich erheblich, aber eine Zunahme war auch schon in den Vorjahren festzustellen (Abbildung 3).

Strompreisentwicklung nach Verbrauchsgruppen (Tarifgruppen)

Abb. 3: Entwicklung der Strompreise für Privathaushalte von 2019 - 2022 nach Verbrauchsgruppen bzw. Tarifgruppen. Quelle: destatis.de

Die Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Strompreise für verschiedene Verbrauchsklassen. Unterschiedliche Stromverbräuche führen zu unterschiedlichen Preisen bzw. Tarifen. Am teuersten war Strom für die Verbrauchsgruppe bis 1.000 KWh pro Jahr. Hier zahlten Haushalte mit 45,7 Cent/KWh in 2019 den mit Abstand höchsten. In der Tabelle 2 sind die Einzeldaten angegeben.

Tab. 2: Strompreise für Haushalte in Deutschland in Euro nach Jahresverbrauchsklassen. Quelle: Destatis

jeweils €/kWh
Jahr unter 1 000 KWh 1 000 bis unter 2 500 KWh 2 500 bis unter 5 000 KWh 5 000 bis unter 15 000 KWh 15 000 KWh und mehr
2019 0,457 0,324 0,288 0,264 0,237
2020 0,461 0,339 0,303 0,284 0,255
2021 0,468 0,356 0,321 0,293 0,253
2022 0,499 0,369 0,332 0,302 0,281

Die Strompreisentwicklung über die Jahre:
Unter 1.000 KWh: Der Strompreis stieg von 0,457 Euro/KWh im Jahr 2019 auf 0,499 Euro/KWh im Jahr 2022. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 9,2% über diesen Zeitraum.

1.000 bis unter 2.500 KWh: Der Strompreis erhöhte sich von 0,3243 Euro/KWh im Jahr 2019 auf 0,369 Euro/KWh im Jahr 2022. Dies entspricht einer Steigerung von ungefähr 13,8%.

2.500 bis unter 5.000 KWh: Die Preise stiegen von 0,2877 Euro/KWh im Jahr 2019 auf 0,3317 Euro/KWh im Jahr 2022, was einem Anstieg von etwa 15,3% entspricht.

5.000 bis unter 15.000 KWh: Der Strompreis erhöhte sich von 0,2643 Euro/KWh im Jahr 2019 auf 0,3016 Euro/KWh im Jahr 2022. Dies entspricht einem Anstieg von rund 14,1%.

15.000 KWh und mehr: Die Preise stiegen von 0,2368 Euro/KWh im Jahr 2019 auf 0,281 Euro/KWh im Jahr 2022, was einer Steigerung von etwa 18,7% entspricht.

Prognosen

Wie sehen die Vorhersagen für die zukünftige Entwicklung der Strompreise in Deutschland aus? Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) hat bei der Prognos eine Studie zur Prognose der Strompreise in Auftrag gegeben. In der Abbildung 4 sind die Daten dargestellt.

Anhand von mehreren Einflussfaktoren wurde die Preisentwicklung von Strom anhand von 3 Szenarien modelliert. Besonderer Bedeutung wurde dabei auf die Entwicklung der Variablen Steinkohlepreise, der Gaspreise und die CO2-Preise (CO2 Zertifikate im EU-ETS), dem Stromverbrauch und der installierten Leistung gelegt.

Im mittleren Prognoseszenario werden für 2024 für den Großhandelsstrompreis 76 €/MWh prognostiziert. Bis 2030 sollen die Preise auf 76 €/MWh und bis 2050 auf 59 €/MWh fallen.

Prognose zur Entwicklung der Strompreise 2025, 2030 2040 und 2050

Abb. 4: Strompreis Prognose bis 2050 (Großhandelsstrompreise). Quelle: vbw / Prognos Strompreisprognose 2023

BMWK Prognose 2023 - 2042

Die Prognosen zur Strompreisentwicklung in 2023 sind unterschiedlich, je nachdem, welche Faktoren man berücksichtigt. Einige Experten erwarten, dass die Strompreise für Neukunden stabil bleiben oder sogar leicht sinken, da die Großhandelspreise an der Strombörse wieder deutlich zurückgegangen sind. Andere Experten rechnen mit steigenden Strompreisen, vor allem wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien und der hohen Umlagen, Abgaben und Steuern. Für Bestandskunden gilt 2023 eine Strompreisbremse von 40 Cent pro Kilowattstunde für 80 Prozent des prognostizierten Jahresverbrauchs. Diese soll verhindern, dass die Stromkosten zu stark ansteigen. Allerdings gibt es auch Tarife, die unterhalb der 40 Cent liegen, weshalb sich ein Anbieter- und Tarifvergleich lohnen kann.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz rechnet in einer Prognoserechnung für den Strompreis für Haushalte mit einem Durchschnittswert von 41,94 ct/kWh, für die Folgejahre mit den in der Tabelle 3 angegebenen Daten.

Tab. 3: Prognoserechnung zur Strompreisentwicklung (Normaltarif) des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz 2023 -2042. Quelle: bundestag.de

Prognosejahr Strompreis ct/kWh
2023 41,94
2024 37,00
2025 37,00
2026 37,19
2027 37,37
2028 37,56
2029 37,75
2030 37,93
2031 38,12
2032 38,31
2033 38,51
2034 38,70
2035 38,89
2036 39,09
2037 39,28
2038 39,48
2039 39,68
2040 39,87
2041 40,07
2042 40,27

Die Daten zeigen eine interessante Entwicklung des Strompreises in Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) für die Jahre 2022 bis 2042.

  1. Stabilisierung (2022-2023): Der Strompreis bleibt im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 41,94 Ct/kWh.
  2. Rückgang (2024-2025): Dann sehen wir einen signifikanten Rückgang auf 37,00 Ct/kWh in den Jahren 2024 und 2025, was eine Abnahme von etwa 11,8% im Vergleich zu den Jahren 2022 und 2023 darstellt.
  3. Leichter Anstieg (2026-2035): Ab 2026 beginnt der Strompreis wieder langsam anzusteigen, allerdings sehr moderat. Bis 2035 erreicht der Preis 38,89 Ct/kWh, was nur eine geringfügige Steigerung von etwa 1,89 Ct/kWh über etwa 10 Jahre bedeutet.
  4. Weiterer Anstieg (2036-2042): Danach setzt sich der moderate Anstieg fort, und der Strompreis erreicht im Jahr 2042 einen Wert von 40,27 Ct/kWh.

Insgesamt scheint die Prognose eine Periode der Stabilisierung, gefolgt von einem Rückgang und dann einer langfristigen, moderaten Steigerung des Strompreises zu zeigen. Es ist ein gradueller, aber stetiger Anstieg des Preises von 2026 bis 2042 zu bemerken, allerdings nicht in dem Maße, wie es in den Jahren 2022 und 2023 der Fall war.

Kiel Institut für Weltwirtschaft Prognose

Das Kiel Institut für Weltwirtschaft prognostiziert die Strompreise wie folgt(Tabelle 4.

Tab. 4: IfW Strompreisprognose für Phelix, Baseload. (Stand 05.09.2023, Quelle: IfW)

Quartal Jahr Strompreis €/MWh
1Q 2023 122,9
2Q 2023 99,5
3Q 2023 100,3
4Q 2023 119,4
1Q 2024 139,1
2Q 2024 122,0
3Q 2024 132,6
4Q 2024 152,1
1Q 2025 125,1
2Q 2025 125,1
3Q 2025 125,1
4Q 2025 125,1

Im Jahr 2023 ist der Strompreis im ersten Quartal am höchsten (122,9 €/MWh) und fällt dann im zweiten Quartal auf 99,5 €/MWh. Das ist ein Rückgang von etwa 19%. Im dritten Quartal wird der Preis leicht auf 100,3 €/MWh prognostiziert (+0,8%), bevor er im vierten Quartal wieder auf 119,4 €/MWh ansteigt, was einen Anstieg von etwa 19% darstellt.
Prognose 2024: Der Strompreis soll im ersten Quartal bei 139,1 €/MWh liegen, einem Anstieg von etwa 16% gegenüber dem 4. Quartal 2023. Im zweiten Quartal fällt der Preis auf 122,0 €/MWh (-12%), steigt dann aber wieder im dritten Quartal auf 132,6 €/MWh (+8,7%). Im vierten Quartal erreicht er dann mit 152,1 €/MWh den Höchststand des betrachteten Zeitraums, was einen weiteren Anstieg von etwa 14,7% darstellt.
Im Jahr 2025 stabilisieren sich die Strompreise bei 125,1 €/MWh für alle Quartale. Verglichen mit dem letzten Quartal 2024 ergibt sich ein Rückgang von etwa 18%.

Europäische Kommission Sommer Prognose

Am 11. September hat die EU-Kommission ihren European Economic Forecast Summer 2023 vorgestellt, darin wird auch auf die Strompreisentwicklung eingegangen. Die EU-Prognostiker sehen bei der Entwicklung und die Aussichten für die europäischen Gas- und Strompreise im Vergleich zum Frühjahr eine Ve4rbesserung.
Die Spotpreise fielen im zweiten Quartal 2023 niedriger aus als zuvor erwartet (um 11 % für Strom und um 15 % für TTF-Gas). Für 2023-Q3 scheinen die Märkte nun Werte vorzuschlagen, die bei Gas um 21 % und bei Strom um 25 % niedriger liegen als im Frühjahr erwartet. Möglich wurde dies durch den raschen Ausbau der Flüssigerdgas-Infrastruktur und die Diversifizierung der Versorgung. Gasspeicher in der gesamten EU werden laut Sommerprognose 2023 (Zwischenprognose) nahezu voll sein, was darauf hindeutet, dass der Druck durch die Wiederauffüllung der Lagerbestände in Zukunft begrenzt sein wird. Die Gas-Futures deuten darauf hin, dass die Preise in den äußeren Quartalen des Jahres 2024 geringfügig unter den im Frühjahr erwarteten Niveaus bleiben werden. Vor diesem Hintergrund ist eine ähnliche Entwicklung für die Strompreise zu erwarten. Da energieintensive Industriezweige und Haushalte ihr Energieverbrauchsverhalten angepasst haben und im Winter von normalen Temperaturen ausgehen, scheinen die Aufwärtsrisiken für die Gas- und Strompreise begrenzt zu sein.

Gemeinschaftsprognose Herbst 2023

Die deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihrer Gemeinschaftsprognose von folgenden Strompreisen aus (Tabelle 5). Quelle: gemeinschaftsdiagnose.de.

Für 2023 erwarten die Institute 109,50 Euro/MWh. Die Prognose für 2024 geht von einem deutlich höheren Wert, 133,9 aus und für 2025 dann wieder mit einem Rückgang auf 124,1 Euro/MWh.

Tab. 5: Strompreis Jahresdurchschnittswerte in Euro/MWh (Phelix) 2023 - 2025.

2023 2024 2025
Strompreis Euro/MWh (Phelix) 109,5 133,9 124,1

Gehstehungskosten für Strom

Die Strompreise hängen maßgeblich von den Gestehungskosten ab. In der Abbildung 5 ist eine Modellprognose für 2045 dargestellt. Danach wird Deutschland mit 70 €/MWh deutlich höhere Gestehungskosten als Australien, Chile, Marokko, USA und Norwegen, die alle unter 20 €/MWh liegen.

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Prognose zu Gestehungskosten für Strom im Jahr 2045

Abb. 5: Gestehungskosten 2024 für Strom,Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern. Quelle: dezernatzukunft.org

Wie fällt die Prognose 2030, 2035 und 2040 gegenüber dem Strompreis von 2023 aus?

Um die Veränderungen im Strompreis für die Jahre 2030, 2035 und 2040 im Vergleich zum Preis von 2023 (41,94 Cc/kWh) zu ermitteln, kann die folgende Formel verwendet werden:

Prozentuale Veränderung=(Neuer Preis−Alter Preis/Alter Preis)×100

Für 2030 folgt:

    • Neuer Preis: 37,93 Ct/kWh
    • Alter Preis: 41,94 Ct/kWh
    • Prozentuale Veränderung: (37,93−41,9441,94)×100=−9,55%(41,9437,93−41,94​)×100=−9,55%
    • Der Strompreis im Jahr 2030 ist etwa 9,55% niedriger als im Jahr 2023.

2035:

    • Neuer Preis: 38,89 Ct/kWh
    • Alter Preis: 41,94 Ct/kWh
    • Prozentuale Veränderung: (38,89−41,9441,94)×100=−7,27%(41,9438,89−41,94​)×100=−7,27%
    • Die Strompreis Prognose im Jahr 2035 ist etwa 7,27% niedriger als im Jahr 2023.

Strompreis Prognose 2040:

    • Neuer Preis: 39,87 Ct/kWh
    • Alter Preis: 41,94 Ct/kWh
    • Prozentuale Veränderung: (39,87−41,9441,94)×100=−4,93%(41,9439,87−41,94​)×100=−4,93%
    • Der Strompreis im Jahr 2040 ist etwa 4,93% niedriger als im Jahr 2023.

In allen Jahren liegt der Strompreis unter dem von 2023, allerdings verringert sich der Unterschied mit der Zeit. Für 2050 wurde keine Prognose abgegeben.

Tarife

Stromtarife für Haushalte und die Industrie unterscheiden sich in Deutschland und vielen anderen Ländern erheblich. Hier sind einige der Hauptunterschiede:

  1. Preis: Industrieunternehmen verbrauchen oft erheblich mehr Strom als private Haushalte. Aufgrund dieses hohen Verbrauchs können sie oft bessere Konditionen aushandeln oder profitieren von Mengenrabatten. Daher zahlen Industrieunternehmen in der Regel einen niedrigeren Preis pro Kilowattstunde (kWh) als private Haushalte.
  2. Netzentgelte: In vielen Ländern, einschließlich Deutschland, zahlen Industrieunternehmen reduzierte Netzentgelte oder sind unter bestimmten Bedingungen ganz davon befreit. Diese Entgelte sind ein wesentlicher Bestandteil des Strompreises und decken die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung des Stromnetzes ab.
  3. Steuern und Abgaben: Industrielle Abnehmer können oft von Ermäßigungen oder Befreiungen bei bestimmten Steuern und Abgaben profitieren, die im Strompreis enthalten sind. Zum Beispiel können sie in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen von der EEG-Umlage befreit werden, die zur Finanzierung der erneuerbaren Energien erhoben wird.
  4. Lastprofil: Industrieunternehmen haben oft ein gleichmäßigeres Lastprofil als private Haushalte, d.h. sie verbrauchen den Strom gleichmäßiger über den Tag verteilt. Dies kann zu unterschiedlichen Tarifstrukturen führen, z.B. gibt es für Industriekunden spezielle Lastgangtarife.
  5. Vertragsstruktur und Laufzeit: Industriekunden schließen in der Regel individuelle Verträge mit den Energieversorgern ab, die auf ihren spezifischen Bedarf zugeschnitten sind. Diese Verträge haben oft längere Laufzeiten und können spezielle Konditionen und Preisanpassungsmechanismen enthalten.
  6. Service und Betreuung: Große Industriekunden haben oft einen direkten Ansprechpartner beim Energieversorger, der sich um ihre spezifischen Bedürfnisse kümmert. Private Kunden werden hingegen meist über den Kundenservice betreut.

Die Unterschiede in den Tarifen zwischen Haushalten und der Industrie sind oft politisch umstritten. Befürworter argumentieren, dass niedrigere Stromkosten für die Industrie wichtig sind, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu schützen. Kritiker hingegen sehen darin eine ungerechte Subventionierung der Industrie auf Kosten der privaten Haushalte.

Tarifstrukturen

Die Tarifstrukturen für Strom in Deutschland können je nach Anbieter variieren. Allerdings gibt es einige gängige Tarifgruppen, die man oft bei den verschiedenen Stromversorgern findet:

  1. Grundversorgungstarif: Jeder Stromversorger ist verpflichtet, einen solchen Tarif anzubieten. Er dient als Standardtarif für Kunden, die sich nicht für einen bestimmten Tarif entschieden haben. Meist ist dieser Tarif teurer als andere Angebote.
  2. Ökostromtarife: Diese Tarife bieten Strom aus erneuerbaren Energiequellen an. Sie können etwas teurer sein als konventionelle Tarife, doch unterstützen sie den Ausbau erneuerbarer Energien.
  3. Nachtstromtarife: Sie sind für Kunden gedacht, die ihren Strom hauptsächlich nachts verbrauchen, z. B., wenn sie Nachtspeicherheizungen nutzen. Der Strompreis in den Nachtstunden ist oft günstiger als tagsüber.
  4. Online-Tarife: Diese Tarife sind oft günstiger, weil sie online verwaltet werden. Der Kunde kommuniziert in der Regel nur per E-Mail oder über das Kundenportal des Anbieters.
  5. Tarife mit Preisgarantie: Hier wird ein fester Preis über einen bestimmten Zeitraum garantiert, unabhängig von Preisänderungen auf dem Energiemarkt.
  6. Vorauszahlungstarife: Bei solchen Tarifen zahlt der Kunde eine bestimmte Strommenge im Voraus.
  7. Paket-Tarife: Hier kauft der Kunde ein festes Kontingent an Kilowattstunden im Voraus. Wird mehr verbraucht, fallen zusätzliche Kosten an. Wird weniger verbraucht, gibt es in der Regel keine Rückerstattung.
  8. Flexible Tarife: Diese Tarife richten sich nach dem aktuellen Strompreis auf dem Markt und können daher schwanken.

Tarife für Privatkunden

Für Privatkunden existieren Stromtarife in Abhängigkeit vom Verbrauch. Es gibt verschiedene Aspekte, wie sich der Verbrauch auf den Strompreis auswirken kann:

  1. Grundgebühr und Arbeitspreis: Viele Tarife sind so strukturiert, dass sie aus einer Grundgebühr (oft auch Grundpreis genannt) und einem Arbeitspreis pro verbrauchte Kilowattstunde (kWh) bestehen. Während die Grundgebühr unabhängig vom Verbrauch ist, wird der Arbeitspreis entsprechend dem tatsächlichen Stromverbrauch berechnet.
  2. Staffeltarife: Einige Anbieter bieten Staffeltarife an. Bei diesen Tarifen ändert sich der Preis pro kWh je nach Verbrauchshöhe. Zum Beispiel könnte der Preis für die ersten 1.000 kWh im Jahr höher sein als für jede weitere darüber hinaus verbrauchte kWh.
  3. Paket-Tarife: Bei diesen Tarifen kauft der Kunde im Voraus ein festgelegtes Kontingent an Kilowattstunden. Wenn er mehr verbraucht als im Paket enthalten, muss er einen höheren Preis für die zusätzlichen kWh zahlen. Wenn er weniger verbraucht, gibt es je nach Vertrag keine Erstattung für die nicht verbrauchten Mengen.
  4. Bonus für niedrigen Verbrauch: Einige Anbieter bieten Tarife an, die einen Bonus oder Rabatt für Kunden vorsehen, die unter einem bestimmten Verbrauch bleiben, um Energiesparmaßnahmen zu fördern.
  5. Zeittarife: Auch wenn diese nicht direkt vom Gesamtverbrauch abhängig sind, berücksichtigen sie, zu welcher Tageszeit der Strom verbraucht wird. Bei solchen Tarifen kann der Strompreis zu Spitzenzeiten höher sein als in Zeiten niedrigerer Nachfrage. Dies kann für Kunden mit flexiblem Verbrauch interessant sein, die ihren Stromverbrauch in günstigere Zeiten verlagern können.

Es ist wichtig, dass Privatkunden ihren eigenen Verbrauch und ihre Nutzungsgewohnheiten kennen, um den für sie günstigsten Tarif auszuwählen. Stromvergleichsportale können dabei helfen, den Überblick über die verschiedenen Angebote zu behalten und den am besten passenden Tarif zu finden.

Der Unterschied für Strompreise am Terminmarkt und am Spotmarkt

Der Unterschied zwischen dem Strompreis am Terminmarkt und dem Strompreis am Spotmarkt besteht hauptsächlich im Zeitrahmen der Handelsaktivitäten und in der Art der gehandelten Verträge.

Terminmarkt (Futures Markt)

Im Terminmarkt werden Verträge für den Kauf und Verkauf von Strom zu einem zukünftigen Zeitpunkt abgeschlossen. Die Verträge legen den Preis, die Menge und den Lieferzeitpunkt im Voraus fest. Dies bietet den beteiligten Parteien eine Möglichkeit zur Absicherung gegen zukünftige Preisschwankungen und dient oft als Mittel zur langfristigen Planung. Hier können Verträge für Zeiträume von mehreren Monaten bis hin zu mehreren Jahren abgeschlossen werden.

Spotmarkt

Im Gegensatz dazu werden im Spotmarkt (auch Echtzeit- oder Tagesmarkt genannt) Elektrizitätsgeschäfte für den sehr kurzfristigen Bedarf abgewickelt. Im Spotmarkt erfolgt der Handel in der Regel für Lieferungen, die innerhalb der nächsten Stunden oder Tage erfolgen. Hier passt sich der Preis ständig an die aktuelle Nachfrage und das aktuelle Angebot an.

Die Hauptunterschiede zwischenbeiden Märkten sind

  1. Zeithorizont: Spotmarkt für kurzfristigen Handel (Stunden bis Tage), Terminmarkt für langfristigen Handel (Monate bis Jahre).
  2. Preissicherheit: Im Terminmarkt werden Preise im Voraus festgelegt, was mehr Sicherheit bietet. Im Spotmarkt sind die Preise variabler und können durch kurzfristige Veränderungen im Angebot und in der Nachfrage beeinflusst werden.
  3. Zweck: Terminmarkt dient häufig der Absicherung gegen Preisschwankungen und zur langfristigen Planung. Spotmarkt dient der kurzfristigen Deckung des Bedarfs und der Ausgleichung kurzfristiger Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage.
  4. Transaktionskosten: Die Transaktionskosten können im Spotmarkt oft niedriger sein, da es sich um kurzfristige Geschäfte handelt. Im Terminmarkt können die Transaktionskosten höher sein, insbesondere wenn der Vertrag lange vor der physischen Lieferung abgeschlossen wird.
  5. Risikoprofil: Das Risikoprofil ist im Terminmarkt oft niedriger, da die Preise im Voraus festgelegt werden. Im Spotmarkt kann das Risiko höher sein, da die Preise sehr volatil sein können.

Beide Märkte spielen eine wichtige Rolle im Energiesektor und ergänzen sich oft gegenseitig.

News

17.10.2023 Die Reform des EU-Strommarktes wurde gestern nach zähem Ringen insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich beschlossen. Zumindest was die Energieminister der Europäischen Union betrifft. Offenbar gibt es aber schon unterschiedliche Interpretationen der Ergebnisse mal wieder zwischen Frankreich und Deutschland.
Teilübersetzung: "Nach gründlichen Verhandlungen einigte sich der Rat darauf, den Vorschlag für den Strommarkt voranzutreiben. Dies wird dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit des europäischen Strommarktes gegenüber künftigen Preisschocks aufgrund der Spannungen auf den Gasmärkten zu erhöhen, aber auch zur Vorbereitung auf eine dekarbonisierte Zukunft beitragen.

Die heutige allgemeine Ausrichtung behält die allgemeine Ausrichtung der Reform bei, wie sie von der Kommission im März vorgeschlagen wurde, und – was noch wichtiger ist – sie funktioniert für alle unsere 27 Mitgliedstaaten.

Die wichtigste verbleibende Frage der heutigen Verhandlungen betraf Differenzverträge und deren Anwendung auf Investitionen in bestehende Vermögenswerte. Obwohl es sich um einen sehr technischen Punkt handelt, gab es ernsthafte Bedenken hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und der Risiken für gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den Mitgliedstaaten.

Ich kann sagen, dass der Rat in diesem Punkt eine ausgewogene Einigung erzielt hat, die den Kern unseres Vorschlags wahrt, dass neue Investitionen mithilfe des CfD-Instruments getätigt werden sollten. Vereinfacht ausgedrückt ist der Einsatz von CFDs für die direkte Preisstützung der Mitgliedstaaten für Investitionen zur Laufzeitverlängerung keine zwingende Lösung, bleibt aber dennoch eine Möglichkeit und unterliegt den Vorschriften über staatliche Beihilfen."

Literatur

Aggarwal, S.K., Saini, L.M. and Kumar, A., 2009: Electricity Price Forecasting in Deregulated Markets: A Review and Evaluation. International Journal Electrical Power & Energy Systems, 31, 13-22. PDF.

Kolb S. , Dillig M., Plankenbühler T.,  Karl K., 2020: The impact of renewables on electricity prices in Germany - An update for the years 2014–2018, Renewable and Sustainable Energy Reviews, Volume 134, 110307. Link.

Nowotarski J., Weron R., 2018: Recent advances in electricity price forecasting: A review of probabilistic forecasting. Renewable and Sustainable Energy Reviews, Elsevier, vol. 81(P1), pages 1548-1568. Abstract.

Wettbewerbsfähige Strompreise für die energieintensiven Unternehmen in Deutschland und Europa sicherstellen
Arbeitspapier des BMWK zum Industriestrompreis für das Treffen Bündnis Zukunft der Industrie. Text hier. Stand 05.05.2023