Jedes vierte Jahr sind die Wahlberechtigten in Deutschland aufgerufen, die Abgeordneten des deutschen Bundestages neu zu wählen. Die Wahl findet an einem Sonntag im Herbst zwischen 8.00 Uhr und 18.00 Uhr statt. Ab 18.00 Uhr erfahren die Wähler durch erste Hochrechnungen, wie viele Stimmen die einzelnen Parteien erhalten haben. Vor der Wahl versuchen die Politiker herauszufinden, wie sich die Wähler entscheiden werden. Neben den bisher genutzten Umfragen hat sich in den letzten Jahren das Statistik-Tool Google Trends als Hilfsmittel etabliert, um Analysen und Prognosen zur Bundestagswahl durchzuführen.

Der Suchbegriff Bundestagswahl bei Google Trends

Bei Eingabe des Suchbegriffs „Bundestagswahl“ oder „Bundestagswahlen“ bei Google Trends fällt auf, dass das Interesse der Internetnutzer außerhalb der Wahljahre sehr gering ist. Die letzten Bundestagswahlen fanden am 18. September 2005, 27. September 2009 und 22. September 2013 statt.

Bundestagswahl 2013

Die Abbildung 1 zeigt das Suchvolumen für den Begriff „Bundestagswahl 2013“

Google Trends Bundestagswahl 2013

Abb. 1: Suchvolumen für „Bundestagswahl 2013“ von 2004 – 2016. Quelle: google.de/trends

Deutlich wird der enge zeitlich Zusammenhang mit dem Suchbegriff und der Jahreszahl. Wenige Wochen vor und nach der Bundestagswahl in 2013 gab es eine hohe Suchanfrage bei Google. Während in der vorangegangenen und nachfolgenden Zeit der Begriff nicht mehr gesucht wurde.

Auch das Keyword „Bundestagswahl“ zeigt eine völlig von der Jahreszahl abhängiges Suchverhalten, wei die Abbildung 2 zeigt.

Google Trends Bundestagswahl

Abb. 2: Suchvolumen für „Bundestagswahl“ von 2004 – 2016. Quelle: google.de/trends

Zu diesen Terminen stieg die Nachfrage nach dem Suchbegriff sprungartig an, wie die Grafiken oben und auf der Seite https://www.google.de/trends/explore#q=Bundestagswahl&geo=DE&cmpt=q&tz=Etc%2FGMT-1 eindeutig zeigt. Auch die Nachfrage nach den einzelnen Parteien, die der Suche zum Vergleich hinzugefügt werden können, zeigt im zeitlichen Verlauf ein stark ansteigendes Interesse zu den Wahlterminen. Daraus lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

  • viele Bürger informieren sich am Wahltag im Internet über den Wahlausgang.
  • unentschlossene Wähler sehen sich noch am Wahltag die verschiedenen Parteiprogramme an.

Werden hingegen nur die Namen der großen Parteien ohne den Begriff Bundestagswahl eingegeben, ergibt sich ein anderer Verlauf. Auch hier ist das Interesse zu den Terminen der Bundestagswahlen besonders groß. Doch auch in den dazwischen liegenden Jahren werden die Parteien regelmäßig aufgerufen und die Nutzer informieren sich im Internet über politische Themen.

Die nächste Bundestagswahl ist in 2017. Umfragen & Trends & Prognosen fehlen

Bald ist es wieder so weit: Der Termin für die Bundestagswahl 2017 steht zwar noch nicht fest, dass Suchinteresse steigt aber schon frühzeitig an, wie die Abbildung 3 zeigt.

Bundestagswahl 2017

Abb. 3: Suchvolumen für die nächste „Bundestagswahl 2017 “ von 2004 – 2016. Quelle: google.de/trends

Laut dem Bundeswahlleiter besteht für die nächste Bundestagswahl 2017 das folgende Zeitfenster:

„Frühester Termin für die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag wäre – sofern es nicht zu einer vorzeitigen Auflösung des Bundestages kommt – somit Mittwoch, der 23. August 2017, der späteste Termin Sonntag, der 22. Oktober 2017.“

Google Trends liefert aktuell noch keine Prognosen. Auch von den Medien liegen nahezu keine Umfragen vor.

Wie wird das Volk 2017 wählen?

Da Google Trends auch eine Echtzeitanalyse anbietet, sehen Interessenten sofort, welche Partei von den Nutzern besonders häufig gegoogelt oder bei YouTube aufgerufen wird. Die Analyse in Echtzeit wurde von Google hinzugefügt, nachdem sich Journalisten aus aller Welt diese aktuelle Anzeige gewünscht hatten. Politische Berichterstatter vergleichen zum Beispiel, wie oft die Namen der Spitzenkandidaten der einzelnen Parteien im Internet aufgerufen werden. Aus den Zahlen im zeitlichen Verlauf lässt sich rückschließen, dass der Kandidat mit den meisten Aufrufen als Wahlsieger hervorgeht.

Die Parteien können Google Trends vor einer Bundestagswahl nutzen, um herauszufinden, über welche Themen sich die Wähler besonders häufig informieren. Wird ein Sachgebiet oft aufgerufen, kann sich der Wahlkampf auf das spezielle Thema konzentrieren. So zeigen die Verantwortlichen, dass wichtige Programmpunkte von den Politikern ernst genommen werden. Über die verwandten Suchanfragen bei Google Trends sehen die Politiker sowohl die beliebtesten Suchbegriffe als auch die Anfragen, nach denen die Nachfrage steigt. Zeigt ein bestimmter Ausdruck eine Steigerung um mehrere hundert Prozent an, signalisiert die Zahl ein großes Interesse der Internetnutzer an diesem Themengebiet. Die Parteien erkennen an diesen Angaben, ob ihr Wahlprogramm bei den Wählern ankommt oder ob sie sich auf einen anderen Schwerpunkt konzentrieren sollten.

pfeil-blau zum Prozentrechner

 

Besonders aufschlussreich ist die regionale Eingrenzung der Suche. Durch die Anzeige aller Treffer in Deutschland zeigt das Statistik-Tool die Zahlen für jedes Bundesland an. So kann jede Partei durch Eingabe des Suchbegriffes „Bundestagswahl“ sehen, in welchem deutschen Bundesland sich die User am meisten für die kommende Wahl interessieren. In den Ländern mit den höchsten Zahlen können sich die Parteien im Wahlkampf auf den Inhalt ihrer Programme konzentrieren. Die Bewohner der Bundesländer mit dem geringsten Interesse an der Wahl müssen erst noch davon überzeugt werden, ihre Stimme abzugeben. Hier sollte sich der Wahlkampf darauf richten, die Wähler zum Gang zur Wahlurne zu motivieren und ihnen gute Argumente für eine Wahlteilnahme bieten.

Bei der Auswahl der Themen, die im Wahlkampf hervorgehoben werden, kann es auf die richtigen Ausdrücke ankommen, um die Wähler zu erreichen. Während die Kombination der Wörter Bundestagswahl und Ausländer nur sehr selten aufgerufen wird, zeigt das Wort Flüchtlinge erheblich mehr Treffer an. Auch die Suchbegriffe Bundestagswahl und Arbeitslosigkeit werden häufiger nachgefragt als Bundestagswahl und Arbeitsplätze. Die Programme und Reden der Parteien und Politiker sollten daher die Wörter Flüchtlinge und Arbeitslosigkeit öfter enthalten als Ausländer und Arbeitsplätze, um möglichst viele Wähler anzusprechen. Dabei müssen die Anwender jedoch beachten, dass Google Trends nur anzeigt, welche Begriffe in einem bestimmten Zeitraum großes Interesse bei den Internetnutzern hervorgerufen haben. Eine Wertung der Standpunkte oder eine Analyse, aus welchem Grund die Anfragen gestellt wurden, nimmt das Statistik-Tool nicht vor.

Parteien – wo ist das Interesse am größten

In der Abbildung 4 ist das Suchvolumen nach Parteien getrennt für 2016 aufgetragen.

Parteien Suchvolumen 2016

Abb 4: Interesse an den Parteien AfD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FDP und SPD. Quelle: google.de/trends

Der Begriff „AfD“ (gelbe Kurve) schlägt dabei alle anderen Parteien deutlich. Inwieweit das Suchinteresse repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ist kann mit den Daten nicht beurteilt werden. Ältere Menschen nutzen beispielsweise das Internet deutlich weniger als Jüngere. Trotzdem zeigen die Daten einen eindeutigen Trend was das Interesse an den Parteien im Internet betrifft.

Analyse der Wahlergebnisse mit Google Trends

Politiker und Journalisten interessieren sich nach einer Bundestagswahl für die Beweggründe, warum sich Wähler für eine bestimmte Partei entschieden haben. Dabei ist Google Trends ebenfalls behilflich, indem das Analyse-Tool gegenüberstellt, welche Suchbegriffe im Zusammenhang mit einer Bundestagswahl besonders häufig aufgerufen wurden. Wurde der sogenannte Wahl-O-Mat, ein Onlinetool zur Entscheidungshilfe bei einer Wahl, oft angeklickt, deutet dieses Ergebnis auf eine hohe Unentschlossenheit bei den Wählern hin. Googeln viele Nutzer schon ein Jahr oder länger vor der kommenden Bundestagswahl nach dem nächsten Wahltermin, lässt dies auf eine rege Wahlbeteiligung schließen. Umgekehrt zeigen niedrige Zahlen eine gewisse Politikverdrossenheit an, gegen die die Politiker ankämpfen müssen.

Weitere Informationen zu Google Trends finden Sie hier

Google Trends

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So funktioniert Google Trends

Das Statistiktool und weitere Auswahlmöglichkeiten

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Durch verwandte Suchanfragen mehr Klicks generieren

Kritik & Nachteile & Risiken

Keine Primärdaten sondern auf 1 -100 normierte Werte

CSV-Datei liefert keine Rohdaten

Vorteile & Chancen

Kostenlose Echtzeitanalyse eines thematisch unendlichen Begriffspools

Vergleich von Suchbegriffen, Standorten und Zeiträume

Research & Forschung & Anwendungen

Studie  Google Indikator „Prognose Private Konsumausgaben“

Fallbeispiele

Literatur

Fallbeispiele

Brexit: Das Referendum zum Austritt von Großbritannien aus der EU